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THE BASS IS ON FIRE
Interview mit Brian von A Wilhelm Scream, Köln 2008
Wenn A Wilhelm Scream nicht gerade auf Tour sind, stecken sie entweder in den Vorbereitungen zur nächsten oder sie nehmen ein neues Album auf. Fleißig wie die Bienchen wuselte sich der Fünfer aus Boston, Massachusetts stetig nach oben und spielte sich in die Herzen tausender Fans. Inzwischen haben sie zwei Besetzungswechsel hinter sich und befinden sich momentan auf ihrer zweiten Europatournee als Headliner. Wir unterhielten uns mit Brian, Bassmaniac und hibbeliger Bühnenclown.
GETADDICTED: Das letzte Mal, dass wir mit euch gesprochen haben, war
im Januar 2006 und ihr hattet alle einen ziemlichen Kater vom Vortag,
als ihr in Amsterdam gespielt habt. Geht es dir denn heute besser?
Brian: Ich versuche immer noch, das rauszufinden. Ich trinke dieses
Bier jetzt erstmal auf und wenn ich mich dann schlechter fühle
als vorher, trinke ich vielleicht keins mehr.
Wir hatten zumindest mal ein paar off days – zumindest, was Alkohol
anbelangt. Die Shows sind wirklich sehr dicht anberaumt dieses Mal,
wir hatten bisher erst einen Tag frei zwischendurch.
GETADDICTED: Und im Anschluss geht es direkt nach Australien…
Brian: Ja, wir fliegen nach der Europatour zurück nach Boston,
haben etwa fünfzehn Stunden Aufenthalt und fliegen dann weiter
über L.A. nach Australien. So ist es wohl am Einfachsten. Ich dachte
auch erst, dass wir direkt von Portugal aus nach Australien fliegen.
Aber ich bin nicht der Manager. Währenddessen gesellt sich Sänger
Nuno mit den Worten „I’m just gonna watch!“ in den
Rücken unserer Gesprächsrunde dazu, was mit Brians Kommentar
„Ich mag es doch, wenn du zuschaust! Ich liebe es!“ Zustimmung
findet.
GETADDICTED: Freut ihr euch noch auf Australien oder wollt ihr lieber
schnell zurück?
Brian: Auf jeden Fall freuen wir uns! Das letzte Mal, als wir da waren,
haben wir mit Less than Jake getourt und es hat einen Riesenspaß
gemacht. Wir hatten überhaupt gar keine Ahnung, wie viele Fans
wir da unten haben und als wir schließlich unsere erste Tour dort
gemacht haben, waren wir richtig überwältigt – und jetzt
geht es wieder dorthin.
GETADDICTED: Wie schwer ist es denn, nach einer so langen Tour nach
hause und wieder ins „normale“ Leben zurückzukommen?
Im Moment scheint das hier ja dein Lebensunterhalt zu sein.
Brian: Ich weiß inzwischen eigentlich gar nicht mehr, was „normales“
Leben ist. Mein Leben ist unreal; ich lebe in einer Art Irrealität.
Du spielst eine Show – egal, ob in den Staaten oder woanders –
du fährst, spielst das nächste Konzert, schläfst auf
dem Boden von irgendwem, fährst wieder und so weiter. Nach hause
zu kommen ist inzwischen für mich eher wie eine Art kurze Pause
vom Touren geworden. Wenn überhaupt, bin ich nur ein paar Tage
oder eine Woche zu Hause, bevor es weitergeht. Es ist im Grunde genommen
ziemlich komisch. Und ja, zurzeit verdiene ich nur mit dem Touren meine
Brötchen.
SCHUHE STATT SCHEISSHAUS ZUM SCHIFFEN
GETADDICTED: Und wie soll es dann weitergehen, wenn ihr diese Tour,
Australien mit eingeschlossen, beendet habt?
Brian: Ich werde erstmal drei Wochen zurück nach Toronto gehen,
Mike nach Detroit und die anderen natürlich nach Boston, bevor
wir dann nach drei Wochen Pause eine Kanadatour mit The Swellers machen
werden, die auch aus Detroit kommen. Wir starten in New York und touren
mit ihnen bis Seattle. Dann machen wir uns auf nach Kanada, Vancouver
und Toronto, wo wir mit einer Band namens Living With Lions aus Toronto
spielen. Im August sind wir auch wieder in Deutschland. Ich glaube,
wie supporten Pennywise, aber ich bin mir nicht sicher.
GETADDICTED: Irgendwelche erwähnenswerte Vorfälle auf der
aktuellen Tour?
Brian: Bei so ziemlich jeder Show geht irgendetwas kaputt. Neulich funktionierte
Mikes Gitarre einfach nicht mehr. In Wien haben wir uns kollektiv dermaßen
abgeschossen und hatten eine Art Tanzparty hinter dem Moshpit, bei der
wir uns wie die letzten Idioten aufgeführt haben. Vor dieser Tour
waren wir mit The Unseen unterwegs. Eines Nachts war unser Drummer Nick
ziemlich betrunken und er fand es witzig, statt auf Toilette zu gehen,
auf meine Schuhe zu pinkeln. Sie standen genau auf dem Weg vom Schlafraum
zum Klo und da hat er halt draufgepisst. Am nächsten Tag war es
sogar noch besser: das Ganze passierte in Denver und wir haben dann
auf dem Weg bei Bill Stevenson in Fort Collins angehalten, um zu picknicken.
Seine Frau hat uns da ein Megaessen kredenzt, während Nick neben
dem Haus meine Schuhe mit Spüli geschrubbt hat. Hinterher war immer
noch unglaublich vie Schaum drin, was ganz schön scheiße
war.
GETADDICTED: Gab es denn bisher noch keinen Punkt, an dem ihr einfach
den Kram hinwerfen und nach hause fahren wolltet?
Brian: Nein, überhaupt nicht! Auf dieser Tour lief alles bisher
nach Plan und es macht einfach nur Spaß. Klar hat man zwischendurch
mal einen kleinen Durchhänger, wo man gerne den einen oder anderen
Tag freihaben möchte, aber das ist normal.
Nuno (aus dem Hintergrund): Ich habe auch
eine Frage! Ist das eigentlich die zweite oder dritte Tour, die wir
mit dir machen, Brian?
Brian (überlegt kurz): Äähm,
die zweite. Wir waren in Großbritannien und hier.
Nuno: Unseen…
Brian: Stimmt. Die dritte.
GETADDICTED: Auf eurem neuen Album klingen die Songs teils noch dichter,
ausgefeilter und verschlungener. Was können wir der nächsten
CD erwarten – geraten die Dinger aus dem Ruder und werden noch
strukturierter, noch abstruser?
Brian: Ja, das wird auf jeden Fall ausufern, denke ich. Wir werden lodernde
Gitarren haben, ich werde meinen Bass entflammen und ihn hoch- und runterreiten.
Ich weiß zwar noch nicht, wie ein brennender Bass klingen wird,
aber ich werde es ausprobieren. Und Nick wird wahrscheinlich einen Totalanfall
an den Drums ausleben.
GETADDICTED: Wenn man mal einen Blick bei Youtube reinwirft, kann man
Videos von irgendwelchen Angebern sehen, die deine Bassriffs nachspielen.
Wie reagierst du auf so etwas?
Brian: Das ist auf jeden Fall komisch; die haben auf definitiv zu viel
Zeit. Auf der anderen Seite ist natürlich sehr cool und schmeichelhaft,
bleibt aber komisch. Ich meine, auf Youtube kann man ja Tonnen von wirrem
Zeug finden. Da ist zum Beispiel einer, der hat unsere Musik für
ein Videospiel verwendet und hat einfach „The King is Dead“
in das Spiel reinprogrammiert. Dann ist da noch einer, der „Jaws
3 People 0“ für Guitar Hero programmiert hat und das runterspielt.
Man hört nur „krack krack krack krack krack“, aber
der hat das verdammt gut gemacht. Soviel zum Thema „Komische Kids
im Netz“.
GETADDICTED: Seid ihr noch in Kontakt mit Chris Levesque?
Brian: Ja. Chris war sogar auf der letzten Show, bevor wir auf diese
Tour gegangen sind. Das Ganze war höchst emotional. Bei den Shows
davor, als quasi Mike und Chris dabei waren, haben wir das Set geteilt
– die Hälfte hat Chris, die andere Mike gespielt. Das war
allerdings dann das erste Mal, dass er aus dem Publikum zugeguckt hat
und am Ende war er wirklich den Tränen nahe. Ich habe auf jeden
Fall noch viel Kontakt zu ihm, er ist ein wirklich guter Freund von
mir.
"IIIIIIICH BIN SCHWUL, DECKÄDECKÄDECKÄDÄÄH"
GETADDICTED: Weißt du, ob er derzeit an neuen musikalischen Plänen schmiedet?
Brian: Ich habe keine Ahnung. Er arbeitet jetzt jedenfalls bei Apple und macht dort ein Heidengeld, worauf ich ziemlich neidisch bin.
GETADDICTED: Wer ist für die Designs eurer Shirts verantwortlich?
Brian: Die macht ein Typ namens Derek von Altair Industries. Wir lassen
ihn schon seit einer ziemlich langen Zeit unseren Merch machen. Er ist
wirklich gut. Wir kommen immer mit einem total abgefahrenen Konzept,
und er kann es jedes Mal super umsetzen.
GETADDICTED: Kommen wir zum Endspurt des Interviews – ein paar
nationalkulturelle Fragen: Nenne alle deutschen Biermarken, die du kennst.
Brian: Alle? Hmm, Beck’s, Dortmunder… (Verhaltenes
Gelächter in den Reihen von GETADDICTED. Aus Fairnessgründen
sollte jedoch angemerkt werden, dass Brian nach dem Inspizieren seiner
DAB-Flasche wohl dieses Bier aus besagter Stadt meinte.). Fuck.
Bitburger, äähm… Nuno?! Weißt du och irgendwelche
deutsche Biermarken?
Nuno: Dieses bayerische… Das mit der Lady vorne drauf und den
Krügen. Das ist verdammt lecker.
GETADDICTED: Tannenzäpfle?
Brian (versucht es nachzusprechen): Toannenseppwle.
Yeah, ich hab’s, ich kann deutsch! Meine Freundin wird stolz auf
mich sein… Beck’s Gold, Beck’s Silver, Platinum, Illuminum,
Titanium, Copper. Ich kenne mehr Elemente als deutsche Biere. Ich könnte
dir tonnenweise kanadische nennen, wenn du willst.
GETADDICTED: Nenn mir nur das Beste…
Brian: Alexander Keith’s. Das war ein schottischer Einwanderer,
der angefangen hat Bier zu trinken. In der Eiszeit oder so…
GETADDICTED: Zum Abschluss: Erstelle ein Top 3 deutscher Bands; Rammstein
ausgenommen!
Brian: Mann, warum musst du mich so in Verlegenheit bringen?!
GETADDICTED: Du darfst zur Not auch eine Top 1 machen…
Brian: Top 1? David Hasselhoff! Wen gibt es noch? Äähm…,
Falco… Was ist mit Maximo Park? Sind die deutsch? (GETADDICTED
verneint.) Die Arzt, Die Toten Hosen. Ich versuche, mich gerade
an die Bands zu erinnern, mit denen wir hier schon mal gespielt haben.
Mensch, das Poster hängst an meiner Wand zu hause…
Nuno: Was ist mit Wizo?
Brain: Ja, genau! (Fängt an zu singen) Iiiiich bin schwuuul,
deckädeckädeckädeckädäh… Mehr fällt
mir grade nicht an, zumindest hatte ich mehr Bands als Biere, das ist
gut. Ich habe immer gedacht, dass ich eher Musiker als professioneller
Trinker bin – und das hier ist wohl der Beweis.
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