"RYKER'S WAREN EINE WELTKLASSE-BAND"

 

Andrew von Comeback Kid im Interview in der Matrix, Bochum (21. November 2005)

 

Wochen - ach was sag ich – monatelang habe ich auf den 21. November 2005 hingefiebert, als ich erfahren habe, dass Comeback Kid und Bane auf Europator kommen und ein paar Gigs im guten alten Heimatland spielen werden. Als dann noch ein Interview-Angebot mit CBK kam, konnte ich mich kaum noch auf dem Sessel halten und war glücklich wie Fabian Hambüchen über seinen vierten Platz bei der Turnweltmeisterschaft. Je näher der Tag rückte, desto größer wurde die Aufregung! Kommt ein Blizzard über Deutschlang, versagt kurz vor Abfahrt nach Bochum noch die Karre oder wirft mich noch eine fiese Magen- Darmerkrankung noch kurzfristig aus der Bahn?!?! Nichts dergleichen, alles lief wie am Schnürchen, und so konnte ich termingerecht das Interview mit Andrew Neufeld (CBK/ Gitarre) antreten und war gespannt, was der Kanadier zu sagen hatte. Im gemütlichen Backstage der Matrix in Bochum tummelten sich einige andere Presseleute, so dass ich mich mit Andrew auf eine abseits gelegene Couch verkroch und eine nette Plauderrunde einleitete:

 

getaddicted: Andrew, erst einmal, wie läuft die Tour bislang?
Andrew: Die Tour läuft toll, wir hatten eigentlich nur gute Shows bis jetzt. Gestern abend haben wir in Paris auf einem kleinen Schiff gespielt, das war toll. Auch die anderen Shows in Italien und so waren überwältigend. Die Leute auf den Shows waren immer sehr freundlich und hatten eine Menge Spaß, so dass wir auch tolle Erfahrungen gemacht haben. Wir sind mit klasse Bands wie FC Five und To Kill unterwegs, es passt einfach alles.

getaddicted: Wenn du die Tour mit eurer letzten Tour mit Champion vergleichst, als ihr noch die kleineren Shows getourt habt, wie ist diese im Vergleich zu der jetzigen?
Andrew: Die letzte Tour war großartig und diese ist es auch. Die Tour mit Bane ist ein bisschen größer als die letzte, also ist man nicht so im direkten Kontakt mit dem Publikum, aber alleine die Reaktionen vom Publikum zeigen, dass wir immer gerne gesehene Gäste in Deutschland und Europa sind und das ist ein tolles Gefühl.

getaddicted: Welche Shows spielst die persönlich am liebsten, die kleinen oder die großen? Und was ist der Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Shows?
Andrew: Erst mal, teilweise sind die europäischen Shows manchmal besser organisiert als in den Staaten, alles läuft reibungsloser. Und die Europäer sind sehr gastfreundlich, was die Shows hier sehr angenehm macht. Zu den Vorlieben: Das ist schwer zu sagen. Generell brauche ich erst mal viel Platz auf der Bühne, weil ich mich auch viel bewege. Da ist es nicht so toll, wenn du dich auf der Bühne mit den anderen arrangieren musst und dich kaum bewegen kannst. Von daher sind die großen Bühnen schon toll. Andererseits machen die kleinen Shows auch unheimlich Freude, weil der Kontakt zum Publikum viel direkter ist. Und, nicht alle Shows auf dieser Tour sind so groß wie diese heute. Gestern in Paris war auf dem Boot Platz für ungefähr 300 Leute, das war sehr familiär. Um es auf einen Nenner zu bringen: Ich mag beide Arten der Shows, und auf der Tour bekomme ich auch beides, was super ist.

getaddicted: Ich war auf der letzten Tour in Kassel in der Barracudabar, kannst du dich an die Show erinnern?
Andrew (guckt schüchtern): Kannst du mir die Location mal ein bisschen genauer beschreiben oder ein paar mehr Details sagen, ich kann mich nie an die Orte erinnern, manchmal weiß ich auch nicht mehr, in welcher Stadt wir gespielt haben und in welcher nicht ...
getaddicted: Die Show hat Tim von Today Forever organisiert.
Andrew (der Groschen fällt): Ahhhhhhhhhhhh, jetzt weiß ich wieder! Da hing doch so ein Tarnnetz über der Bühne, in dem hab ich mich mit der Gitarre verheddert, weil die Bühne auch so niedrig war. War eine tolle Show, aber da war die Bühne definitiv zu klein, zumindest für mich. Aber das Publikum war Bombe, da ging es richtig rund!
getaddicted: Und vor allem war es sauheiß und das Mitten im Winter, ich hätte mir beinahe eine Lungenentzündung geholt ...
Andrew: Oh ja, stimmt. Trotzdem ein toller Abend! Auch wegen der tollen Resonanz vom Publikum.

getaddicted: Danke für die Blumen. Aber mal weiter im Text. Mit eurem neuen Album „Wake the dead“ habt ihr einen Labelwechsel zu „Victory Records“ gemacht. Warum seid ihr weg von „Facedown Records“?
Andrew: Ich würde sagen, es liegt einfach daran, dass Victory größer ist und uns mehr Möglichkeiten geboten hat, als Facedown das konnte. Die Leute bei Facedown sind nette Leute und haben uns immer sehr stark unterstützt, aber da Victory größer ist, können sie uns auch Sachen ermöglichen, die Facedown nicht konnten.
getaddicted: Zum Beispiel?
Andrew: Die weltweite Vermarktung des Albums ist einfach noch größer als bei Facedown, Victory hat Departments in Europa und Asien, das macht die ganze Sache einfacher. Generell war es keine Entscheidung gegen Facedown, weil wir dort tolle Erfahrungen gemacht haben und die Leute wirklich toll sind. Das Angebot von Victory war einfach gut, also haben wir angenommen.

getaddicted: Durch den Wechsel haben sich doch sicher auch andere Fankreise erschlossen, als das vorher der Fall war, oder?
Andrew: Ja klar, die Resonanz auf das Album war einfach enorm, weil das Album in sehr vielen großen Geschäften verkauft wurde und immer noch wird. Dadurch kommen auch Leute mit deinem Album in Kontakt, die vorher noch nie etwas von CBK gehört haben. Also ist das Publikum auch gemischter, als es zum Beispiel noch vor einem Jahr war. Auf den Shows triffst du mittlerweile viel mehr „Metal“ und „Punk“- Fans, um es mal in Genren auszudrücken. Es sind nicht nur reine Hardcore-Shows.
getaddicted: Wie findest du das?
Andrew: Ich finde das toll, es zeigt doch, dass wir Musik machen, die übergreifend gerne gehört wird. Die Leute auf den Show haben viel Spaß und eine gute Zeit, das ist es doch, was zählt, oder?
getaddicted: Das, was du beschreibst, ist doch der gute, alte „Unity“- Gedanke...
Andrew: Ja genau, und ich finde das absolut genial. Wenn den Leuten unsere Musik gefällt, dann sind sie herzlich auf unseren Shows willkommen, egal was auf ihrem T-Shirt steht oder welche Musik sie sonst hören, Hauptsache sie haben eine gute Zeit und genießen die Zeit hier!

getaddicted: Cool, hört man ja nicht mehr allzu oft heutzutage, ich finde das auch okay, solange sich jeder respektiert und die Sache locker abläuft. Das bringt mich zur nächsten Frage: Wie sieht es aus mit der ganzen „violent dancing“- Diskussion. Nervt dich das ganze oder ist die Diskussion berechtigt?
Andrew: Schwierig. Also erst mal ist es mir wichtig, dass sich die Leute auf unseren Shows nicht stumpf die Köpfe einschlagen oder Leute kommen und glauben, sie müssten die coolsten sein und einfach wahllos auf andere einschlagen. Klar ist das immer noch eine Hardcore-Show und es kann immer etwas passieren, aber wenn du nach vorne gehst, dann weißt du, worauf du dich einlässt und darfst dich nicht wundern, wenn du mal eine abbekommst. Aber dieses ganze Tough Guy-Gehabe finde ich nicht so toll. Ich sehe Comeback Kid nicht als Tough Guy-Band, aber auch nicht als reine Oldschool-Band, sondern als etwas dazwischen, das die Elemente miteinander vereint. Und deshalb sollen alle miteinander vernünftig miteinander umgehen und sich gegenseitig respektieren. Aber mal ganz nebenbei: Nicht nur die Tough Guys heizen die Stimmung auf, die „reinen“ Oldschool Kids sind manchmal auch nicht besser. Das sollte man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen!
getaddicted: Jawoll, endlich sagt´s mal einer! Sehr schönes Statement, danke dafür!
Andrew: Bitte bitte!
getaddicted: Dann kann ich jetzt eigentlich schon gehen, das reicht mir vollkommen... Aber ein paar Fragen hab ich trotzdem noch. Europäische Hardcore-Bands, welche magst du besonders?
Andrew: Oh, schwierige Frage! TO KILL zum Beispiel, die heute abend mit uns spielen, finde ich großartig, oder Sidekick mag ich auch gerne. Ryker´s waren eine Weltklasse-Band....
getaddicted: Ernsthaft??? Das hätte ich jetzt nicht erwartet, so Antworten bekommt man sonst echt selten. Die guten alten Ryker´s, mit deren Musik ich groß geworden bin, werden viel zu wenig gewürdigt und sind leider teilweise ein bisschen in Vergessenheit geraten!
Andrew: Was sehr schade ist, denn die waren echt gut! Aber wie war die Frage noch mal? Ach ja, europäische Bands: es gibt viel zu viele gute Bands, um sie alle aufzuzählen, und mir fallen gerade auch nicht so viele ein (grinst).
getaddicted: Okay, noch zwei Standardfragen zum Schluss. Erstens: Das Mag heißt getaddicted, wovon bist du abhängig?
Andrew: Was ist meine Sucht? Oh Gott! (zum Roadie: Hey, wovon bin ich abhängig? – Roadie: Kein Kommentar...! beide lachen.) Okay, ich nehme die Musikvariante. Ich bin süchtig mach Musik, sie zu hören, sie zu machen, alles was dazu gehört. Ich kann ohne Musik nicht leben und möchte es auch nie tun müssen. Ich fühle mich schlecht, wenn ich nicht Musik machen oder hören kann, also bin ich musikabhängig... (diese Antwort wird bei den nächsten Interviews nicht mehr akzeptiert!!!).

getaddicted: Okay, sehr höfliche und neutrale Antwort! Und als letztes: Du musst ein Tape machen, auf dem deine fünf Lieblingssongs sein sollen, welche wären es dann?

Andrew: Oh Scheiße, du stellst echt schwierige Fragen! Also, die MÜSSEN gut sein! (verfällt in Grübeln). Auf jeden Fall Propaghandi, die müssen drauf! Lifetime?!?! Oh Mann, ich hab mir neulich einen iPod gekauft, höre den ganzen Tag Musik, aber mir fallen die Lieder nicht ein, verdammt...

getaddicted: Okay, hier eine andere Möglichkeit. Ich schreibe dich an und stell dir die Frage noch mal, dann kannst du dir Gedanken machen und nachgucken...
Andrew: Ja sehr geil, so machen wir´s! Du erreichst mich über (ein bekanntes Messageboard, dass hier nicht angeführt werden soll....! Die folgende Gesprächssequenz über das besagte Messageboard bleibt unter uns!!!)

Hier nun Andrews Top 5:
Mew - 156
Propagandhi - And We Thought That Nation States Were A Bad Idea
Madball - Hold It Down
Lifetime - Turnpike Gates
Sigur Ros – Takk

getaddicted: Alles klar, ich danke dir für das Interview und hoffe auf eine Hammershow von euch!

Andrew: Gerne, hat Spaß gemacht! Du kannst einiges von der Show erwarten!

Und genau das sollte sich in der Folge auch bewahrheiten...

 

Interview: Lorenz Eberhardt