VON DER GIER IN DEN ARSCH GEBISSEN

 

Interview mit Danko Jones // Februar 2008

 

GETADDICTED: Wie hast du deine ersten Interviews in Erinnerung, als ihr in den Neunzigern auf Tour wart?
Danko: Eigentlich nicht aufsehenerregend, so wie Interviews eben sind, wenn man als Band neu ist: Welche Einflüsse haben wir? Wo kommen wir her? Was machen wir in unserer Freizeit? Ziemlich gewöhnlich.

GETADDICTED: Du hast jetzt zum neuen Album wahrscheinlich auch schon viele Interviews gegeben. Gab es da Fragen, die dich überrascht haben?
Danko: Ich hab tonnenweise Interviews gemacht! Die meisten Leute sagen, dass das neue Album melodischer ist als die davor. Außrgewöhnliches war aber auch nicht dabei.

GETADDICTED: Für mich deckt “Never Too Loud” ein breiteres Sprektrum ab. Gab es besondere Momente oder Situationen, die euch dahingehend beeinflusst haben?
Danko: Ich würde sagen, dass es das einheitlichste, gleichmäßigste Hardrockalbum ist, das wir je gemacht haben. Wir tragen unsere Einflüsse offen vor uns her - Kiss, Thin Lizzy, Black Sabbath, UFO, AC/DC. Die habe ich auch immer als Einfluss genannt, aber dieses Mal wollten wir wirklich sicher gehen, dass die Leute diese Einflüsse auch erkennen.

GETADDICTED: Ihr habt zumindest “Code Of The Road” bei eurem Konzert in Toronto kurz vor dem Jahreswechsel gespielt. Wie haben die Leute da auf eure neuen Songs reagiert?
Danko: Wir haben da auch “City Streets”, “Never Too Loud”, “Something Better”, “Still In High School” und “Let’s Get Undressed” gespielt. Ich glaube, die sind bei den Leuten auch gut angekommen. Ihre Köpfe haben mitgewippt, und viele haben beim zweiten Refrain schon mitgesungen.

GETADDICTED: The Smugglers, eine Band aus Vancouver, haben einen Song namens „Danko Jones’ Pants“. Ist „Let’s Get Undressed“ auf eurem neuen Album die Antwort auf den Song?
Danko: Nicht wirklich, aber ich weiß, warum du denkst, es könnte so sein. Ich kenne die Smugglers und den Song natürlich, und weiß auch, wie er entstanden ist: Wir haben vor mehr als zehn Jahren mal mit ihnen gespielt und sie haben nachher tatsächlich meine Hose mit eingepackt. Es war ein Versehen, weil wir sehr ähnliche navyblaue Klamotten auf der Bühne anhatten. Sie haben mir die Hose dann zurückgeschickt und der Umschlag war adressiert an „Danko Jones’ Pants“, und ein Jahr später haben sie dann den Song über den Vorfall geschrieben.

GETADDICTED: Ihr solltet eigentlich mit Coheed And Cambria beim Visions Indoor Festival spielen. Was wäre für euch die größere Herausforderung: eine Band wie Coheed and Cambria zu supporten, die ja in eine ganz andere musikalische Richtung gehen und entsprechend andere Leute ziehen oder selbst als Headliner zu spielen?
Danko: Es ist so schade, dass sie nicht da spielen. Ich mag ihr neues Album wirklich gerne. Nick Raskulinecz hat das und auch unser neues Album produziert. Was eine größere Herausforderung wäre, kann ich gar nicht genau sagen. Wir sind sehr unterschiedlich und viele Leute haben sich auch bestimmt nur wegen Coheed And Cambria eine Karte gekauft. Ich hoffe, die sind dann nicht zu enttäuscht, nur uns zu kriegen.

GETADDICTED: Severin Most von Cityslang (Label von Arcade Fire, Nada Surf etc.) hat in einem Interview gesagt, Bands würden heute nicht mehr die Zeit bekommen, um sich zu entwickeln. Dass derzeit viele Bands aus Kanada so erfolgreich sind, läge daran, dass die Musikindustrie Kanada lange nicht im Blick hatte. Stimmst du da mit ihr überein?
Danko: Ich stimme zu, dass Bands auf Majorlabels nicht genug Zeit zur Entwicklung bekommen. Deswegen erscheinen kanadische Bands auch entwickelter. Aber um ehrlich zu sein: Der Erfolg von Bands wie Arcade Fire oder Feist hat so viele Leute ermutigt, ähnlich klingende Bands zu gründen. Es würde mich nicht stören, wenn nicht so viele Klone denken würden, sie wären so gut wie Feist oder Broken Social Scene.

GETADDICTED: Ihr habt mit Brant Björk Konzerte gespielt. John Garcia wirkt auf zwei Alben von euch mit. Wann können wir eine Zusammenarbeit mit Josh Homme erwarten?
Danko: Ha ha. Wann imme er will, wir sind dabei!

GETADDICTED: Ihr habt vor ein paar Jahren Universal Canada verlassen, weil sie eurer Meinung nach nicht gut gearbeitet haben. Eure jetzige Online-Promotion in Deutschland macht Robert von Boysetsfire. Ist es ein Vorteil, wenn ein Musiker so einen Job macht, weil er halt die Bandseite vom Business besser kennt?
Danko: Ich denke schon, dass Banderfahrung zu besseren Beziehungen führen kann, wenn man in der Musikindustrie einen „Verwaltungsjob“ macht. Ich glaube auch, dass die Musikindustrie so am Boden liegt, weil die meisten eben keine Banderfahrung haben. Viele Leute waren von Beginn an nur von Gier getrieben – und diese Gier beißt ihnen jetzt in den Arsch. Da kann ich nur sagen: „Ha ha“. Es ist nur verdammt traurig, dass auch Indie-Labels unter dieser Gier leiden.

GETADDICTED: Welche Bands (dead or alive) würden auf einem Festival spielen, wenn du sie frei wählen könntest?
Danko: Lustige Frage! Aber ich muss die leider auf noch bestehende Bands reduzieren. Wirklich alle zuzulassen ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Deswegen nehme ich: Hermano, Death Angel, Brant Bjork, Entombed, Broken Teeth, The Sword, Evile, High On Fire, Om, Foo Fighters, Mastadon und The Supersuckers.

 

 

 

Kommentare könnt ihr im SUCHTBLOG abgeben