JOHNNY QUESTS, KLAUS UND KLAUS UND ANDERE SELLOUTS

 

Dropkick Murphys, Less Than Jake und Far From Finished im E-Werk, Köln // 26. April 2006

 

Dropkick Murphys und Less Than Jake – ein nettes Paket, das einige Ska-Fans, viele Punkrocker und natürlich auch einige Schränke mit bösen Tattoos und Hosenträgern ins Kölner E-Werk zog. Da hatten es Far From Finished als Support nicht leicht. Mit ihrem Boston Street Punk lockten sie aber schon einige Leute von den Theken, vor der Bühne reckten sich Hände, und spätestens als FFF dann „Knowledge“ von Operation Ivy coverten, bekamen auch einige ältere Fans einen seeligen Blick. Als sich die Band dann als klassischer Einheizer betätigen wollte und das nervig-rhetorische „Are you ready for the Dropkick Murphys?“ brüllte, bekam sie prompt die Quittung: Die Fans stimmten sofort laute „Let’s go Murphys“-Gesänge an.

Less Than Jake hatten da von Beginn an einen völlig anderen Status. Basser Roger schleuderte seine arschlangen Dreads durch die Gegend, die beiden Bläser sorgten für ordentlich Bühnenaction. Dazu schossen mehrmals aus Kanonen hohe, bunte Glitterfontänen über die Leute hinweg. Mit – wie es sich für eine (Ska)-Punk-Band gehört – überhöhtem Tempo ratterten sich LTJ durch Songs von „Johnny Quest thinks we’re sellouts“ vom Debüt „Pezcore“ bis zu Stücken vom aktuellen Album „In with the out crowd“. Da dauerte es auch nicht lange, bis sich die ersten abgekämpften und völlig durchgeschwitzten Körper aus der Massen schleppten und im mittlerweile geöffneten Biergarten nach Luft schnappten.

 

Nachdem die Dropkick Murphys mit ihrem obligatorischen Intro („The Foggy Dew“ von den Chieftains) den Nackenhaaren Stillstand befahlen, bliesen sie mit „For Boston“ den unmissverständlichen Marschbefehl – alle folgten. Vor der Bühne rotierten die Fans, über die Bretter stapfte Al Barr in seinem unnachahmlichen, ungeschmeidig-steifen Stil, ins Mikro bellend, Fäuste reckend. Den Status der Murphys kann man auch an der Zahl der Hits ablesen, die sie mittlerweile auslassen können, ohne dass jemand unzufrieden wäre. Bei Vollgas-Songs bildete sich ein Circle Pit, bei „Wild Rover“ (der Song, den Klaus und Klaus an der Nordseeküste vergewaltigten“) oder dem Traditional „Fields of Athenry“ sang das E-Werk lautstark mit nach oben gereckten Armen mit. Zum Abschluss holten sich die Bostoner wieder zum „Spicy McHaggis Jig“ zahlreiche Mädels auf die Bühne, die dann auch noch zu „Kiss me, I’m shitfaced“ oben weiter tanzen durften. Fazit: Die Dropkick Murphys haben eine Show mit mehreren Einlagen, die sie jedes Mal bringen, treten dir aber immer noch dermaßen in den Arsch...still stehen ist da nicht.

 

Interview: Jens Becker