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HELLES SCHWARZ UND STRAHLENDES WEISS
Foo Fighters im ISS Dome, Düsseldorf // 18.06.2008
Da steht er nun auf dem langen Laufsteg mitten im Publikum: Leicht strähnige Haare, das Schwarz seiner Hose und seines einfachen T-Shirts hat schon dunklere Zeiten erlebt, die Gitarre in der linken Hand gepackt mit der Entschlossenheit eines Holzfällers, der gleich einen kanadischen Nadelwald mit seiner Axt roden will. Dave Grohl ist menschgewordene Energiequelle, Magnet für weibliche Augen und Personifizierung von Bühnenpräsenz - und dabei hat das Konzert noch gar nicht angefangen.
Das tut es dann mit "Let It Die" und "The Pretender"
vom neuen Album, dafür ohne Pyrotechnik, aufwändige Video-Animationen
oder sonstigen Schnickschnack - den können andere machen. Die Foo
Fighters haben Dave Grohl, mehr braucht die Rockshow nicht. Der Rest
der Band wird über weite Strecken zu statistischem Beiwerk degradiert.
Beispiel? Grohl liefert sich mit Chris Shifflet ein Solo-Battle. Da
kann der frühere No Use-Gitarrist noch so schnell die Finger fliegen
lassen und da können ihn auch noch so viele Spots anstrahlen -
so lange Dave Grohl posenderweise auf dem Laufsteg dagegenhält,
fällt Chris Shifflet den meisten Fans im ISS Dome nur am Rande
auf. Andere Frage: Bei welchen oder bei wie vielen Songs war Pat Smear
mit auf der Bühne? Der war als Tour-Gitarrist immerhin fast das
vierte Mitglied von Nirvana. Doch auch bei den Foos reicht es nur zur
Randnotiz im großen Buch der Musikgeschichte.
Einzige (wirkliche) Ausnahme: Drummer Taylor Hawkins, und das nicht nur weil das Weiß seiner Zähne zwei Stunden und 20 Minuten zwischen Toms und Becken durch die Halle strahlt. Bei "Cold Day In The Sun" verzieht sich Grohl mit seiner Akustikgitarre in die Bühnenecke zu Pat Smear und überlässt dem Schlagzeuger auch live den Gesang. In bleibender Erinnerung bleibt aber auf jeden Fall auch das minutenlange Drum-Solo, nach dem Normalsterbliche ein Sauerstoffzelt bräuchten. Bei der ausgiebigen Bandvorstellung stellt Grohl dann wieder - wie beim Auftakt in Oberhausen - den Percussionisten Drew Hester ins Rampenlicht. "Spiel ein Solo!" - doch egal, worauf Drew klimpert, Dave ist nicht zufrieden. Also muss er nach vorne kommen, um auf dem rockigsten aller Instrumente ein Helden-Solo hinzulegen: auf seiner Triangel. Und für einen Moment ist Drew Hester der Schwarm aller Frauen. Beschützerinstinkt.
Und sonst? Die Foo Fighters ziehen Songs wie "Monkey Wrench"
mit Instrumentalparts ziemlich in die Länge und konterkarieren
damit die Ausführungen von Dave Grohl über die Länge
einer Rockshow: "Manche Bands spielen eine Stunde und 15 Minuten
- Bullshit! Andere Bands spielen anderthalb Stunden, weil sie nicht
mehr länger können - auch Bullshit". Stattdessen wollen
die Foos alles spielen, was sie haben. Gut, alle Songs wäre eine
naive Vorstellung, aber lieber zwei, drei Songs mehr als lange Instrumentalgewitter
hätten etwas für sich gehabt. Trotzdem: Als zum Ende die 12.000
Fans im ausverkauften Dome "Best Of You" laut mitbrüllen,
bleibt als Fazit: Hier stand gerade eine der besten, wenn nicht die
beste Live-Band dieser Tage auf der Bühne.
- Foo Fighters live in Düsseldorf // 18.06.2008
- Foo Fighters live in Oberhausen // 28.10.2007
- Galerie: Foo Fighters live in Oberhausen // 28.10.2007
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