SCHWARZE ALBINOS MIT HÖRBÜCHERN IM HOTEL

 

Interview mit Franky Lee in Köln

 

Franky Lee kann man ohne Zweifel als eine Art schwedisches Punkrock-Allstar-Team bezeichnen. Das Trio besteht nämlich aus Mathias Färm (Millencolin), Fredrik Granberg (Randy) und Magnus Hägerås (Ex-The Peepshows). Mit „Cutting Edge“ erschien Ende Januar das erste Album und man begab sich im März auf Deutschland Tour. In einiger lustigen Runde traf man sich vor der Show in Köln.

 

GETADDICTED: Ihr hattet die Idee zu Franky Lee in einer Kneipe. Wie viel hattet ihr denn intus?
Fredrik. Es war verdammt viel Bier und Schnaps
Mathias: Ich denke, es waren Biere über hundert an diesem Abend! (lacht)
Magnus: Ich hatte nur zwei Bier.
Mathias: Es war ein schöner Abend, bei dem sich halt nette Musiker getroffen haben und sich einen gegönnt haben. Dabei kommt es schon mal vor, dass man über das ein oder andere spricht. An diesem Abend kamen wir auf die Idee, eine Band zu gründen und haben es dann auch am nächsten Morgen nicht vergessen. Es war ja schon immer ein Traum von mir, eine eigene Band zu haben, wo ich der Frontmann bin.

GETADDICTED: War ein teuerer Einstand gleich zu Begin der Gründung, wenn man die hohen Kosten für Alkohol in Skandinavien bedenkt….
Mathias: Nein! Wenn man Musiker ist, dann bekommt man das ganze Bier umsonst. (lacht)
Fredrik lacht sich schlapp

GETADDICTED: „The Ballad Of Franky Lee & Judas Priest“ ist der Titel eines Bob Dylan Songs. Wie würde denn dieser Franky Lee euerer Meinung aussehen?
Magnus: So wie ich.
Mathias: (lacht) Ganz genau. Er würde aussehen wie Magnus. Hätte aber eine schwarze Hautfarbe und rote Augen. Halt ein schwarzer Albino. So stellen wir uns doch Franky Lee vor, oder Jungs? Und raucht dabei die ganze Zeit Pot. (lacht)
Fredrik: (lacht sich weiter schlapp). Genau.

GETADDICTED: Seid ihr denn Bob Dylan-Fans?
Fredrik: Ich mag ihn nicht.
Mathias: Nee, bin auch kein Fan.
Magnus: Also, ich mag ihn. Er schreibt halt gute Songs und hat das über die Jahre hinweg ständig unter Beweis gestellt.

GETADDICTED: Woher kennt ihr euch eigentlich, dass ihr jetzt gemeinsam Musik macht?
Mathias: Schweden ist ja von der Einwohnerzahl nicht sonderlich groß und unter den Musikern des Landes kennt man sich. Fredrik kenne ich schon viele Jahre, wie auch Magnus, der viel für Millencolin arbeitet.
GETADDICTED: Fredrik, du wohnst in Stockholm und ihr zwei in Örebro. Wie hat das mit dem Proben und Songwriting funktioniert?
Mathias: Es ist keine große Entfernung, in zwei Stunden ist man da.
Fredrik: Außerdem habe ich die Songideen von Mathias zugeschickt bekommen und konnte daran arbeiten und meinen Idee mit einbringen.

GETADDICTED: Mathias und Magnus, ihr beide lebt noch in Örebro. Was ist eurer Meinung nach das, was es dort so lebenswert macht?
Mathias: Es liegt halt in einer wunderschönen Landschaft und ich kann mir keine schönere Stadt vorstellen. Dazu gibt es dort die hübschesten Mädchen mit den dicksten….Du weißt schon was ich meine. (lacht)
GETADDICTED: Du bist solo und kannst es in vollen Zügen genießen?
Mathias: Ich bin vergeben. Aber gucken darf man doch(lacht). Aber Örebro ist halt meine Heimat, wo ich aufgewachsen bin. Hier fühle ich mich wohl und brauche nicht mehr das Abenteuer, in einer anderen Stadt zu wohnen. Vielleicht bin ich auch einfach schon zu alt (lacht).

GETADDICTED: Wie habt ihr drei denn euren musikalischen Stil gefunden?
Magnus: Da wir schon immer in Punkrock-Bands gespielt haben und wir wohl nichts anderes können, hat es sich beim Songwriting so ergeben, dass wir beim melodischen Punkrock geblieben sind.
GETADDICTED: Und ihr werdet ständig mit euren bisherigen Bands verglichen…
Mathias: Was aber ganz normal ist. Schließlich suchen die Leute nach Übereinstimmungen und finden sie. Man plant so etwas ja auch nicht. Es passiert halt und letztendlich ist es dann auch nicht so schlimm. So lange man nicht vergisst, dass es alles eigenständige Bands sind.
GETADDICTED: Bei dir verwundert es mich ja nicht, schließlich bis du der Leadgitarrist von Millencolin.
Mathias: Ja, und es ist auch auf der „Cutting Edge“ hörbar.

GETADDICTED: Man kann fast schon sagen, dass es im Vergleich zu Millencolin etwas „erwachsener“ wirkt. Halt nicht dieser Skate-Fun-Punk…
Mathias: Naja, wenn du das so sagen willst. Ist aber auch eine lustige Vorstellung, dass wir nur für alte fette Männer Punkrock machen, die alle einen Schnauzer tragen und nen dicken Bierbauch (lacht).

GETADDICTED: Gibt es so etwas wie eine Philosophie, die ihr mit dieser Band verfolgt?
Fredrik: Drink and fuck hard!
Mathias und Magnus lachen sich schlapp.
Mathias: Für mich gilt: Spaß auf der Bühne zu haben und auf Tour zu sein.
GETADDICTED: Drink and Fuck hard! Ist es etwas, was man noch auf Tour macht?
Mathias: Nein. Nicht auf Tour. Weil es doch recht anstrengend ist, jeden Tag zu spielen und es auch nicht gut für die Stimme ist, wenn man abends nach der Show zuviel Bier trinkt. Man hört sich eher Hörbücher an und relaxt im Hotel.
GETADDICTED: Liegt das vielleicht auch daran, dass ihr doch älter geworden seid und das wilde Tourleben nicht mehr braucht?
Fredrik: Die Erholungsphasen, die man nach einer durchzechten Nacht braucht, werden mit dem Alter immer länger. So gesehen ist es heute doch etwas härter als damals. (lacht).

GETADDICTED: Ich bewundere es immer, wie leicht es ihr Schweden zwischen euerer Sprache und Englisch wechselt. Man hört ja kaum einen Unterschied.
Mathias: Wir sind halt Profis. (lacht)

GETADDICTED: Ihr habt quasi den Vorteil, dass bei euch im Fernsehen oder im Kino kaum was synchronisiert wird.
Mathias: Das ist richtig und irgendwie auch cool. Man lernt halt die Sprache viel schneller, weil man auch keine Lust hat ständig dem Untertitel zu folgen.

GETADDICTED: Mathias, du hast das Album produziert. Wie war es für dich?
Mathias: Ja, es ist schon eine interessante Sache. Wir haben in Örebro ja unser eigenes Studio und da wurde einiges ausprobiert. Als Produzent hast du auch den Vorteil, dass du die völlige Kontrolle hast. In den letzten Jahren habe ich halt mit vielen Produzenten gearbeitet und mich inspirieren lassen von deren Arbeit. Franky Lee hat sich perfekt dazu geeignet, jetzt mal selbst Hand anzulegen. Ich hatte dabei viel Spaß und denke, dass das Ergebnis wirklich gut geworden ist. Schließlich hatten wir auch genügend Zeit.

GETADDICTED: Magnus und Fredrik. Was macht ihr eigentlich neben der Musik?
Mathias: (zeigt auf Fredrik) Der geht Stempeln!
Fredrik: Ja, also wenn ich nicht mit den Bands unterwegs bin, melde ich mich arbeitslos und lebe von der Stütze.

Mathias: …und guckt Fernsehen….
Fredrik: Ja, ich sitze in Unterwäsche vor dem Fernsehen und trinke Bier. (lacht)
Magnus: Ich arbeite im Studio von Millencolin und für Millencolin. Da gibt es immer was zu tun.

GETADDICTED: Wie plant ihr die Zukunft von Franky Lee?
Mathias: Wir wollen groß und erfolgreich sein (lacht).
Magnus: Und dabei eine tolle Zeit erleben und den Leuten Spaß und Abwechslung bieten. Das ist ja einer der Gründe, warum wir diese Band gegründete haben.

GETADDICTED: Glaubt ihr, dass ihr neue Fans gewinnen könnt, die keine Millencolin-Anhänger sind?
Mathias: Klar! Warum nicht? Wir sprechen nicht explizit die Millencolin-Fans an. Davon abgesehen, dass die anderen zwei bei Randy und bei Peepshow spielen bzw. spielten. Von daher sprechen wir eine Vielzahl von musikinteressierten Menschen an.

GETADDICTED: Ich weiß, dass es im Herbst an die neue Millencolin-Platte gehen soll. Was ist mit Randy?
Fredrik: Wir werden auch im Herbst eine neue Platte machen und hoffen, dass wir mit Millencolin auf Tour gehen können.

 

 

Interview und Fotos: Markus Tils