TUPAC, TRAINSPOTTING UND TROMPETEN

 

GET WELL SOON live im FZW, Dortmund // 10.04.2008

 

Was wurde von Großbritannien nicht schon Fürchterliches nach Europa eingeführt? Rinderwahn, die Maul- und Klauenseuche, Lonsdalejacken… Danke, liebe Insel! Anfang dieses Jahres nun übertrug sich ein Musikvirus namens „NME-Hype“ auf deutsche Feuilletons landauf- und ab. Hochrangige Kulturredakteure, die die (deutsche) Musiklandschaft ansonsten mit Verachtung strafen, versprachen uns den Messias aus Oberschwaben. Selbst uns Addicts, sonst gar nicht soooo Indie, gab das Debütalbum von Get Well Soon „den Glauben an das gute in deutscher Musik zurück“.

 

Mit soviel Vorschusslorbeeren bedacht, begab sich nun Konstantin Gropper, das Mastermind hinter Get Well Soon, in Begleitung von einem halben Dutzend Mitmusiker, bestehend aus Freunden und seiner Schwester, auf Tour, um das Debütalbum auch live zu präsentieren.

Das Publikum im rauchfreien Dortmunder FZW - gut die Hälfte wahrscheinlich Schreiberlinge, DJs oder Plattenfirmenmenschen mit Gästelistenplatz - bedachte zunächst Florian Horwath samt Band mit höflichem Applaus für seinen leicht monotonen, jazzigen Pop, der durch die eigentümliche Stimme Horwaths nicht gerade als eingängig zu beschreiben ist.

Die Protagonisten des Abends nutzten jeden Meter der FZW-Bühne, um eine Vielzahl an Instrumenten in Bereitschaft zu bringen. Zusätzlich zur Standardausrüstung tummelten sich mehrere E- und Akustik-Gitarren neben Geige, Glockenspiel, Klavier und zwei Trompeten; und Get Well Soon sollten im Laufe des Abends reichlich Gebrauch von ihnen machen.
Unter vorfreudigem Applaus betraten die sieben Musiker zum Intro von „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“ die spärlich beleuchtete Bühne und hielten sich auch fortan artig an die Tracklist des Debütalbums. Songs wie das düstere „You, Aurora, You, Seaside“ mit seinen Mariachi-Trompeten oder das ergreifende „Help To Prevent Forest Fires“ sorgten für reichlich Begeisterung. Sehr eindrucksvoll dabei Groppers (O-Ton des Bruders) „bezaubernde Schwester“ Verena, die mit Geige, Gesang, Becken und reichlich Ausstrahlung für bleibenden Eindruck sorgte .

Sympathisch und keineswegs aufgesetzt unterhielt sich der Multiinstrumentalist Konstantin Gropper mit den Zuschauern. Man sah der Band an, dass auch sie den Stein, den ihr Album ins Rollen gebracht hat, noch nicht so recht fassen kann und man bedankte sich leicht ungläubig über den immer wieder aufbrandenden Applaus. Abwechslung vom Album-Trott bescherte ein Intermezzo aus zwei nicht erhältlichenTracks. Auf die Frage, wo man diese Songs hören könnte, gab der 26-jährige Gropper zu Protokoll, dass er es da mit Tupac halte und die Songs in seinem Keller aufbewahrte, so dass man nach seinem Tod noch reichlich Asche damit machen könne.

Was Underworld zur eigenwilligen Get Well Soon-Interpretation ihres Trainspotting-Stompers „Born Slippy“ sagen, ist bislang nicht bekannt – der Song stand im FZW jedenfalls den bandeigenen Songs in Nichts nach. Getreu dem Album-Konzept verabschiedete sich die Band nach „Your Endless Dream“ und zur lautstark geforderten Zugabe kehrte Konstantin Gropper zunächst alleine zurück, um in „Your Teenage FBI“ von seiner Liebe zur Musik und Dänemark-Urlauben inklusive Ausritten am Strand zu erzählen. Das letzte Stück des Abends wurde dann wieder von der kompletten Band vorgetragen, mit einem für ihre Verhältnisse Soundgewitter beendete die Band ein wirklich gutes Konzert.

Hype hin oder her – auch live stellten Get Well Soon unter Beweis, dass man für ehrliche Indie-Musik mit Haltwert nicht immer über den Kanal schielen muss.

 

 

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Text: Henning Haake
Archivfoto: Jens Becker