GROEZROCK 2008

 

Meerhout-Gestel – Belgien // 09.-10.Mai 2008

 

Es war einmal ein beschauliches kleines Dorf namens Meerhout in der Provinz Antwerpen in Belgien. Die Einwohnerzahl war stets überschaubar, man kannte sich und wahrscheinlich würde bis heute nichts die Idylle dieser friedlichen Agrarier-Gemeinde stören können, wäre – ja, wäre – man anno 1992 nicht auf die Idee gekommen, ein nettes Musikfest auf einem der vielen Äcker zu feiern. 2008 ist von Idylle an diesem Tage nicht mehr viel zu spüren, aus dem Nachbarschaftsfest ist ein Festival-Monster mit über 15.000 Besuchern geworden.

 

Grade pünktlich zum Auftritt von Strike Anywhere erreicht man das kleinere Zelt und freut sich für die Herren um Thomas Barnett: Waren vier Tage zuvor grade mal 80 Leute zu ihrer Show nach Bochum gekommen, gab das Publikum hier richtig Gas und erfreute sich an den Hits der Hardcorepunker aus Richmond, Virginia.

Die Berufsmelancholiker um Matt Skiba kamen irgendwie nicht richtig druckvoll rüber. Während des 45-minütigen Sets von Alkaline Trio gab’s alles auf die Ohren, was das Fanherz sich wünschen kann. Zum Fest des Tages kamen für “Radio” die Herren Wollard und Ragan auf die Bühne - das wird wohl keiner der Anwesenden je vergessen. Gänsehaut beim Mitsingen und noch Tage danach ein in den unpassendsten Momenten vor sich hingesummtes “I got a big fat fucking bone to pick with you my darling” – einfach nur “wow”.

Ganz groß auch die wiedervereinten Finch, die im Anschluss zeigten, dass sie es immer noch können. Augenzeugen berichteten von immensem Alkoholkonsum seitens der Band vor der Show, was man auf der Bühne auch sehen, aber nicht hören konnte: Musikalisch einwandfrei gab’s ordentlich was drauf von beiden Alben. Sogar “Letters To You”, was die Herren eigentlich gar nicht mehr spielen wollten.

Der Abend näherte sich unaufhaltsam seinem Höhepunkt – und der hieß ganz klar Hot Water Music. Das Zelt platzte schon eine Viertelstunde vorher aus allen Nähten und in das Gesicht jedes Einzelnen stand die pure Vorfreude geschrieben. Licht aus, einige Klänge vom Band, Licht an, ohrenbetäubender Lärm, kurze Ansage und dann “A Flight And A Crash”, als wäre es nie anders gewesen. Die Menge tobte und die Punkrock-Heroen aus Gainesville gaben alles. Ein einstündiges Bombenset mit (fast) allem, was das Herz begehrt, und sogar ein Cover des Bouncing Souls-Song “True Believers” – zusammen mit Greg von besagten Bouncing Souls. Ein großartiges Konzert, das den Ticketpreis alleine schon fast gerechtfertigt hat.

Was A Wilhelm Scream an den Sechs- beziehungweise dem Fünfsaiter abliefern, ist nicht von dieser Welt, Nuno Pereiras unverwechselbares Organ und Nick Angelinis Drumming tun ihr Übriges dazu und fertig sind (leider nur) 45 Minuten schneller und melodischer HC-Punkrock, der die Menge zum feiern animiert.

Direkt im Anschluss daran hat auf der Bühne gegenüber der pure Wahnsinn Methode: Horse The Band sind da und live noch viel verrückter/großartiger als auf Scheibe. Auch das Publikum gab sich schizophren: die Einen verließen fluchtartig das Zelt, die Anderen imitierten einen gewissen Bossgegner aus dem ersten MegaMan-Game überzeugend pantomimisch.

Später gab’s noch bewährten Altherren-Punkrock der wiedervereinigten No Fun At All – die die Gelegenheit nutzten um ein neues Album anzukündigen – und die wahrscheinlich letzte Möglichkeit, die 2001 aufgelösten 59 Times The Pain zu sehen.

Nach 12 langen langen Jahren verschlug es die ebenfalls wieder zusammengefundenen Punkrock-Götter um Trever Keith wieder nach Europa. Face To Face, Ladies and Gentlemen. Die feierten ihre zahlreichen Krachersongs gnadenlos gut ab und die Masse dankte es ihnen mit infernalischem Lärm zwischen den Songs und Textsicherheit währenddessen. Eine viel zu kurze großartige Stunde gefüllt mit zeitlosen Punkrockperlen, immerhin versprach die Band, nicht wieder 12 Jahre bis zur nächsten Eurotour verstreichen zu lassen.

Danach gab’s Thursday, die man wohl entweder ganz oder gar nicht mag, ihr Auftritt verdient allerdings in jedem Falle das Prädikat “Daumen hoch”. Die meisten warteten sowieso auf den letzten Act des Abends und auch Bad Religion war das klar: “This is what you’ve been waiting for, let’s go!”, kündigte Chefphilosoph Greg Graffin an und jeder Anwesende konnte nun eine einstündige Reise quer durch die massive Diskographie (mit Ausnahme von “Into die Unknown”, haha) der Punkrock-Urgesteine genießen. Für die Jüngeren gab’s “Sorrow” und “Punkrock Song”, für die Älteren “Suffer” und “American Jesus” und für alle eine Lehrstunde in Sachen Punkrock inklusive Zugaben.

Gegen 01:00 Uhr brachen wir dann mit der Intention dem üblichen Sonntag-Morgen-Aufbruch-Megastau zu entgehen noch hastig die Zelte ab, nur um uns zweieinhalb Stunden auf dem Antwerpener Stadtring zu verfahren. Die spinnen, die Belgier.

 

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