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PUNKROCK HEAVEN FOR THE RICH AND THE FAMOUS
Interview mit Jason von Hot Water Music im Triptychon in Münster (7. Februar 2005)
Der karge Backstage-Raum ist der einzige Ort im Triptychon, der beheizt ist. Hat den Nachteil, dass nicht nur Basser Jason von mir interviewt wird, sondern gleichzeitig Chris von anderen am Nebentisch, außerdem rennen permanent andere Leute herum – nicht gerade förderlich für ein Gespräch. Der Vorteil allerdings war, dass auch Drummer George mit am Tisch saß und Nigel direkt den deutschen Metal Hammer aus der Hand reißt, als ich mit dem Interview anfange.
George: Jetzt gib das her, du hast jetzt eh keine Zeit!
GETADDICTED: (etwas verwundert) Ihr lest den Metal Hammer?
Jason: Lesen wäre übertrieben. Wir gucken uns die Bilder an. Nein, wir lachen über die Bilder!
George: (stolz) Ich kann auch was lesen, zumindest die Bandnamen!
GETADDICTED: Ich habe gerade etwas interessantes im Radio gehört. Was würdest du schätzen: Wo auf der Welt ist wohl die Anzahl an McDonalds im Verhältnis zur Bevölkerungszahl am höchsten?
Jason: Ich weiß nicht genau, ich denke aber mal, dass dieser Faktor insgesamt sehr hoch ist. Ich sehe McDonalds genau so oft in Europa wie in den USA. Aber wo ist er jetzt am höchsten? Ich würde sagen, in irgendeiner Großstadt in den Staaten.
GETADDICTED: Nicht direkt. Der höchste ist in Guantanàmo Bay. Da gibt es tatsächlich einen McDonalds, natürlich nicht für die Gefangenen.
George: WAS? (brüllend, während er in seinem Essen herum stochert)
Jason: (staunend): EHRLICH? That’s fucking weird! Ein McDonalds für ein paar Hundert Soldaten und Wärter?
GETADDICTED: Was sagt das über den Zustand unserer Welt aus, wenn es ein McDonalds...
Jason: Für jeden gibt? (lacht)
GETADDICTED: ...in dem umstrittensten Gefängnis der Welt?
Jason: Ich denke, dass das einfach Kapitalismus ist! Und dass die Leute denken, dass das gutes Essen ist und einfach dahin gehen.
George: Ich denke nicht, dass das hier gutes Essen ist (stochert weiter auf seinem Teller)
Jason: Sonst könnten die ja nicht so viele Läden bauen – auf der ganzen Welt. Es ist wirklich so. Hast du schon „Supersize Me“ gesehen? Das ist ein richtig guter Film. Der Typ in dem Film hat da auch so ein paar Statistiken gerade über New York, da wird dir echt anders, wenn du das siehst. Das ist genau wie Starbucks: Die Leute wissen, was für einen Kaffee sie da bekommen, und wenn sie ihn mögen, gehen sie immer wieder hin. Aber das mit Guantànamo ist schon sehr verrückt.
GETADDICTED: In einem Review zu „Caution“ stand, dass ihr damit wieder nicht reich und berühmt werdet
Jason: Das ist richtig! (lacht laut)
GETADDICTED: Aber das wäre eure Reservierung für den Punkrock-Himmel.
Jason: Das ist doch völlig okay! (nickt zufrieden)
GETADDICTED: Wie stellst du dir den Punkrock-Himmel vor?
Jason: Alle sind reich und berühmt. (lacht) Ich meine, versteh mich nicht falsch, ein bisschen mehr Geld würde uns nicht schaden! Da gäbe es auf jeden Fall keine schlechte Musik. Wir hätten da oben auf jeden Fall eine gute Zeit. The Replacements wären auf jeden Fall auch da. Viele unserer Freunde, Bands mit denen wir getourt haben, Alkaline Trio zum Beispiel.
GETADDICTED: Welche Bands gehören da auf keinen Fall hin?
Jason: Da gibt es mit Sicherheit auch welche, aber mit den meisten sind wir doch recht gut ausgekommen. So wie du gerade guckst, erwartest du, dass ich dir jetzt irgendwelche Namen sagen werde! Das tue ich aber auf keinen Fall!!
GETADDICTED: Na gut, dachte ich mir! Ihr seid schon sehr lange zusammen, ohne dass ihr personelle Umbesetzungen in der Band hattet. Wo liegt da Euer Geheimnis?
Jason: Das ist wirklich oft nicht einfach. Wir arbeiten alle sehr hart zusammen, aber es ist immer jemand nicht hunderprozentig zufrieden, so wie es läuft. Das ist einfach so. Der eine will nicht so viel touren, der andere mal nicht so schnell ein Album aufnehmen. Das ist eine knifflige Situation. Aber wir kommen damit zurecht.
GETADDICTED: Okay, Chuck ist jetzt als einziger nicht hier im Raum. Erzähl uns doch mal von seinen Marotten oder schlechten Angewohnheiten – auf Tour zum Beispiel.
Jason: (schaut noch einmal im Raum herum, um sich zu vergewissern) Seine Frau ist ja diesmal mit, dann ist er ganz anders.
George: Ja, sonst hängt er den ganzen Tag am Telefon, ruft sie an und jammert rum (nimmt sein Handy und mimt heulend herum).
Jason: Na gut, das ist ja nicht unbedingt eine schlechte Angewohnheit.
George: Doch!
Jason: Manchmal gehen wir uns halt gegenseitig auf die Nerven, gerade wenn man auf Tour so lange aufeinander hockt. Das war diplomatisch! (George verdreht die Augen)
GETADDICTED: Was sind für euch beim Songs schreiben die wichtigsten Zutaten?
Jason: Das ist kompliziert, und das kann auch keiner so genau sagen. Es passiert immer wieder, dass einer von uns einen kompletten Song schreibt, und wenn er damit ankommt, sagen alle anderen: „Was ist das denn für eine Scheiße?“, was sehr oft passiert. Wir arbeiten dann immer sehr lange an einem Song, bis er so ist, dass er uns allen gefällt. Das dauert manchmal sehr lange, das ist meistens sehr mühsam, aber am Ende ist er so, dass jeder sich damit identifizieren kann. Und letztlich klingen unsere Songs auch so, weil wir alle lange daran arbeiten.
GETADDICTED: Kannst du dich noch daran erinnern, als du zum ersten Mal richtig besoffen warst?
Jason: Oh ja, das war richtig klassisch! Obwohl ich weiß nicht genau! Das ist eine der Sachen, wenn du denkst das du betrunken bist, es ist aber gar nicht so, und wann anders denkst du, du wärst nüchtern, aber in Wirklichkeit sternhagelvoll. Das erste Mal, wo ich gedacht hab, dass ich betrunken bin...da war ich wirklich betrunken. Das war in der siebten Klasse. Wir haben bei einem Freund im Keller eine kleine Party gemacht. Und wir haben seinen Eltern massenweise Alkohol geklaut. Alles, was klar war, so dass wir die Flaschen wieder mit Wasser auffüllen konnten. An dem Abend sind einige Sachen kaputt gegangen noch. Das war nicht gut.
GETADDICTED: Hast du schon mal deine Instrumente zerstört?
Jason: (während George sofort laut anfängt zu lachen) Schon, aber nicht absichtlich. Ich habe zwei Bässe auf dem Gewissen. Es ist eigentlich eine Logik, die ich auch verstehe: Wenn ich ihn durch die Gegend schmeiße, dann geht er kaputt. Er kann zumindest kaputt gehen. Ich war gerade ziemlich wütend.
George: Weißt du noch, was er gerade gesagt hat? Das alle anderen einen Song total scheiße finden. Das war so eine Situation. (grinst breit über den Tisch)
Jason: Es kam mir vor, als würde er ein paar Minuten durch den Proberaum fliegen, wie ich ihm so hinterhergeguckt habe und dachte, der geht bestimmt nicht kaputt. Ging er aber trotzdem, und zwar komplett!
GETADDICTED: Also haltet ihr auch nicht viel von Bands, die ihr Equipment regelmäßig zerlegen?
Jason: Wir könnten uns das gar nicht leisten. Auch wenn ich nicht gerade eine besondere Beziehung zu meinen Instrumenten habe. Ich kaufe mir immer einen Bass, finde den cool und nach einem Jahr nervt er mich. Aber ich würde den dann nicht sofort zerstören
George: Und unser Roadie wäre bestimmt auch sauer: Er baut auf, wir hauen kaputt (lacht)
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