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90 MINUTEN KAFFEEKLATSCH IN REALER VIRTUALITÄT
Spielbesprechung mit Christof von den Japanischen Kampfhörspielen
TEIL 1: ERSTE HALBZEIT
Wir haben uns zum Kaffee verabredet: Christof, seines Zeichens Texteschreiber bei den Kampfhörspielen, und ich. Aber weil Bochum und Essen doch viele Flugkilometer auseinander liegen, kuscheln wir uns zu zweit an unsere PCs und mailen. Bei mir gibt es neumodischen Kaltkaffee aus dem Plastikbecher und einen Riegel Kinderschokolade. Und weil die neue CD „Rauchen und Yoga“ noch mit der Post auf dem Weg zu mir ist, ein paar Interpretationen und Vermutungen, was da auf mich zukommt.
GETADDICTED: Christof, was gibt es denn bei dir?
Christof: Rührei mit Kümmel, Ingwer, Porree und Meerhoger Tomaten. Die letzte Zutat leider nur zurzeit. Den Rest ständig. Aber komm mir jetzt nicht mit Cholesterin. An so eine Scheiße glaub ich nicht.
GETADDICTED: Jetzt gibt es endlich „Rauchen und Yoga“. Schon beim Durchlesen der Tracklist freue ich mich auf jedes einzelne Wort, obwohl ich die Songs zuerst immer mit Stimmpitch anhören muss, um später „mitsingen“ zu können.
Christof: Musst du? Bei der neuen Platte sicher nicht. Wir haben dieses Mal extra darauf geachtet, dass alles halbwegs verständlich und bei normaler Abspielgeschwindigkeit mitlesbar ist. Schließlich sind wir ja auch Liedermacher. Zwar mit E-Gitarre, aber Liedermacher.
GETADDICTED: Song by song: Ich gebe jetzt mal Tipps und Schlagworte ab, um was es bei den neuen Songs geht, bevor ich sie mir anhöre und die Texte durchlese, dann sagst du die Wahrheit. Und im zweiten Teil hake ich dann nach! Einverstanden?
Christof: Das ist gut. Dann kann ich im Vorfeld schon mal präventiefstapeln ... wodurch die Platte dann vielleicht noch mehr reinknallt.
GNADENLOSE KNIPSER IM 17-METER-RAUM
GETADDICTED:
01.der angriff startet
Klar, Opener, Bauch raus, Gitarre in die Fresse, Instrumental.
Christof: Denkste. Opener, ja. Der Titel funktioniert ja nur als Opener. Das Stück ist aber musikalisch das schwächste auf der Platte. Textlich jedoch das Stärkste! Bzw. das Härteste. Es geht im weitesten Sinne um Bikinis und Bomben, Rohstoffverschwendung und Jihad.
GETADDICTED:
02.der hund kriegt nichts
Konsumkritik. Bei der heutigen Qualität des Hundefutters essen wir es lieber selbst.
Christof: Den Konsumkritikvorwurf werden wir uns auch auf dieser Platte von vorne bis hinten gefallen lassen müssen. Die Songs handeln halt mal wieder allesamt vom Jetzt und Hier. Und hier ist Konsum. Der Hund kriegt aber nichts ab. Er hat nämlich nicht aufgepasst. Die Nummer ist von der Komposition her sehr krank. Ob wir sie live genauso spielen, ist fraglich.
GETADDICTED:
03.eruiert
Unwort. Heute wird z.B. etwas eruiert, indem 10 Leute zu einem Thema befragt werden und das wird dann als „repräsentativ“ verkauft. Dass aber eben nur zehn Leute befragt wurden, steht dann im Disclaimer in 1-Punkt-Schriftgröße.
Christof: Hast du die Texte schon gelesen irgendwo? Die Musik kommt von Bony und Robert. Eins meiner Lieblingsstücke auf „Rauchen und Yoga“. Hat auch die richtige Länge. Und einen „Weißer Hai“-Part in der Mitte.
GETADDICTED:
04.wir haben nicht gewusst, dass es solche lager gibt
Natürlich ein Protestsong. Gegen britisches Bier und für das deutsche Reinheitsgebot. Oder über Krieg.
Christof: Über Konsum. Ab hier hat die Platte richtig Fahrt aufgenommen. Zeit, mal wieder einen Gang zurückzuschalten.
GETADDICTED:
05.kundenbetreuer
Oh, das ist harter Tobak. Irgendwo zwischen Hotline, Shop Assistant und Türklinkenverkäufer sammelt sich eine Menge Grauen.
Christof: Oder ein Entspannungsriff zu Samples.
GETADDICTED:
06.punkerpolente
Szenepolizei! Musiknazis! „Wie, du kennst die Band nicht?“
Christof: Das Strophenriff war Zufall und ist gut! Der Text ist gaga. Geil: Der Percussionseinsatz.
GETADDICTED:
07.hungerhilfe
Deutsches Großhirnrindenbewusstsein. Auf dem ZDF und geht auch mit Handy.
Christof: Right. Sagte ich schon, dass die Platte etwas poppiger ist? Der Refrain ist der Hammer! Da gehen die Leute auf die Barrikaden. Selten wird ein Stück soviel Hass und gute Laune produziert haben. Leider viel zu kurz, dann geht’s schon wieder weiter im alten Trott.
GETADDICTED:
08.steig aus
So ein bisschen esoterisch mit Zitherklängen, leicht angezerrt. Inhaltlich erzählt es von einer Bus- oder Zugfahrt nach nirgendwo. Oder vom Schlussmachen.
Christof: Die Musik ist von Robert. Robert ist nach den Aufnahmen ausgestiegen, inzwischen spielt ein gewisser René bei uns die zweite Gitarre. Mit dem Titel hat das aber nichts zu tun. Inhaltlich geht’s um was anderes. Um Globalisierungsgewinner.
AUSWECHSLUNG, JETZT ABER ...
GETADDICTED:
09.das experiment
Mit Gesang. Also man versteht alles. Powerballade? Vielleicht auch mit Vocoder und Keyboards? Textlich eher William Blake.
Christof: enn ich nicht. Textlich sehr verzweifelt. Ansonsten Doom in mp3-Qualität.
GETADDICTED:
10.betatier
Follow the leader! Song über die, die bei Konzerten immer nur in der zweiten Reihe stehen,aber lauter schimpfen.
Christof: Komm, Alter! Du hast die Texte schon! Bis auf "auf Konzerten" stimmte (fast) alles, würden wir hier gerade über den Titeltrack sprechen und nicht über Betatier. Der Text von Betatier ist mein Lieblingstext auf RUY. Das Stück groovt und enthält einen Hauch Cephalic Carnage.
GETADDICTED:
11.komm, wir drehen einen porno
Sozialkritisch. Prangert unter anderem verwerfliche Filme wie „Pimmelbingo“, etc. an. Zudem Plädoyer für gute Frauenpornos!
Christof: Nein. Ein etwas Houellebecq-mäßiger Text. Würde ich sagen. Also von der Haltung her. Es geht um zuviel Ehrlichkeit. Ist aber trotzdem ein Hit. Im Refrain hören wir Guestvocalist Dirk von ACLYS. Den hatte Martin angeschleppt. Sehr netter Kerl!
GETADDICTED:
12.leute ohne lust
Abrechnung mit unbeweglichen Menschen. Oder Liebeserklärung. Ich mag es nicht sagen.
Christof:
Abrechung mit Allen. Thrashmetal aus Bonys Feder. Den Groovepart in der Mitte haben wir mit Percussions gerettet. Gegen Ende ist die Nummer vielleicht etwas JAKA-untypisch lang geraten. Aber der Text musste nun mal komplett verballert werden. Zum Thema Leute ohne Lust gibt es ja so viel zu berichten.
GETADDICTED:
13.18:46:53
Coverversion von Turbostaats „18:09, Mist, verlaufen“, allerdings in schneller, andere Tonart und anderer Text. Außerdem 37 Minuten und 53 Sekunden später, äh, länger. Falsch, das ist die Laufzeit der CD, an der man gerade ist, oder?
Christof: Kannst du mir gern mal überspielen. Unser 18:46:53 ist Terrorpop. Textlich Terror, musikalisch Pop. Bony wird sich für live ein Keyboard zulegen müssen. Der Titel ist aus der Not geboren. Zu dem Text ist mir einfach keiner eingefallen, also habe ich einfach diese Uhrzeit genommen. Um die Zeit könnten irgendwo Nachrichten laufen. Man wäre dann gerade beim Thema des Tages.
GETADDICTED:
14.erfolg verdammt
Eine harte Erfahrung, auch für euch, oder? Die Ansprüche werden gerade bei Chartsplatzierungen immer härter. Außerdem ist das Biz natürlich ein Haifischbecken und ihr seid nur Delfine. Nein, Delphine!
Christof: "Jegliche Ästhetik und Moral verachtend sind sie zum Erfolg verdammt". Die Leute vom Fernsehen wieder. Das Riff ist von Slayer. Oder?
GETADDICTED:
15.rauchen und yoga
Titelstück. Kryptisch. Vielleicht eine Gleichung wie Essen und Abnehmen gleichzeitig bringt nichts. Oder Yin und Yang? Oder Darth Vader und Luke Skywalker, wobei Yoga der Vater von Rauchen ist?
Christof: Ein Lied über Doppelmoral. Hab ich, hast du, haben Menschen. Wird von gesunden Hirnen nur drüber hinweggetäuscht, damit die Psyche keinen Schaden nimmt. Live sicher ein Knaller.
GETADDICTED:
16.böses blut
Krankenschwesterblues? Versuch wieder über Exkremente und Blutlachen zu singen, ohne den Anspruch zu verlieren? Vielleicht aber auch ein echt ernstes Stück. Schöner Titel.
Christof: Ein sehr persönlicher Titel über eine sehr dumme Geschichte. Ist in der beschriebenen Form aber sicher schon 100.000.000-mal vorgekommen auf der Welt. Allein in den letzten Tagen.
GETADDICTED:
17.verrat am metal
Selbstironische Selbstreflektion nach dem Umsatteln auf Popgrind. Vielleicht ein Versuch, den Ausverkaufrufen der Szenepolizei vorzubeugen.
Christof: Vorbeugung betreiben wir ja schon seit Jahren. Selbstironie eigentlich nicht. Sind wir eine Metalband? Die Antwort ist: Ja. Auf RAUCHEN UND YOGA erst recht!
TEIL 2: PAUSE
GETADDICTED: Und jetzt habe ich mir mal das Coverartwork angeschaut und die Presseinfo durchgelesen. Vorher war ich ja bis auf die Tracklist quasi noch jungfräulich. Schon wieder ist euer Cover so schick und sieht nach Elektropop aus, aber dieses Mal macht ihr ja auch Popgrind. Zudem muss man ja auf dem Cover nicht immer das Klischee bestätigen.
Das Kinderbuch von eurem Illustrator Daniel Kratzke „Der Rabe mit dem roten Schal“ habe ich glaube ich mal meinem Neffen vorgelesen, wann gebe ich ihm die erste JAKA-CD? Ist JAKA ab 18?
Christof: Mit JAKA kann man gar nicht früh genug anfangen. Im Kindesalter ist ja noch einiges zu retten! Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir unseren Kindern JAKA vorspielen. Denn ihnen gehört die Zukunft! Jetzt bin ich selber schon ganz gerührt.
GETADDICTED: Nachdem ich Bony beim letzten Mal schon nach möglichen Remixen von JAKA-Songs gefragt habe und er meinte, Christof würde es auf Grund seiner hohen Erwartungen wahrscheinlich selbst machen: Christof, würdest du es selbst machen? Und ist es jetzt, bei Popgrind, nicht endlich an der Zeit?
Christof: Gute Idee. Die Fans sollen dann aber entscheiden, welcher Track geremixt wird. Wir starten dann den entsprechenden Aufruf. Aber erstmal muss die Platte ja raus kommen.
GETADDICTED: Bony erzählte auch von deinem Notizbüchlein, in dem Wort-, Satz- und Textfetzen gesammelt werden und später zu einem Ganzen zusammengesetzt werden. Wie viel Seiten bzw. Notizbücher waren für „Rauchen und Yoga“ nötig? Und wie viele Notizbücher füllen JAKA seit ihrer Gründung?
Christof: Ich schmeiße die vollen Bücher immer weg. Ich schmeiße überhaupt alles immer weg, wenn Dinge erledigt sind. Abhaken und weiter machen. Sonst wird man ja verrückt!
GETADDICTED: Noch mal in deine Richtung: Bony meinte im letzten Interview auch, dass die neueren Texte weniger boshaft sind, weil du inzwischen ein wesentlich zufriedener Mensch ist. Woran liegt das bzw. was bedeutet echte Zufriedenheit für euch?
Christof:
Keine Ahnung, wie er auf einen solchen Quatsch kommt. Die neuen Texte sind sogar härter als alle davor. Die Metaphern sind so tough, da wird dir übel. Corpsepaint ist dagegen ein Witz! Glücklich bin ich aber trotzdem. Meist je mehr, desto härter die Texte sind.
TEIL 3: ZWEITE HALBZEIT
Die neue Platte ist endlich angekommen. Und sie knallt gewaltig. Und mit Pop natürlich. Und weil Christof schließlich schon alles zur Musik gesagt hat (was ich nur bestätigen kann), geht es jetzt um die Texte. Ich picke mir für mich wichtige Textpassagen raus und Christof kommentiert. Allerdings passiert das zwischen Tür und Angel, weil er schon wieder auf dem Sprung ist. Und trotzdem lehrreich.
01_DER ANGRIFF STARTET
die frustration ist auf ihren handys gespeichertjedes produkt hat seine melodie
GETADDICTED: Wie äußert sich gespeicherte Frustration im Detail? SMS, die man nicht löschen kann, weil der Wortlaut so gemein ist. Oder ist das eher im übertragenden Sinne gemeint?
Christof: Klingeltöne, beschissene Bildchen, Dinge, die einen von der
eigenen (noch bekackteren) Existenz ablenken ...
02_DER HUND KRIEGT NICHTS
füttere ihn nicht, wenn du ihn vorm biometzger triffstGETADDICTED: Weil nur wenige das gute Biofleisch verdienen? Oder ist „Bio Bio“ Quatsch?
Christof: Stichwort ist Klassenunterschied. Manifestiert sich zum Teil in der Ernährung. Besseresser ...
03_ERUIERT
sie haben dann im nachhinein noch mal nachgerechnetso oft, bis das ergebnis stimmte
GETADDICTED: Was ist dein Bezug zu Zahlen?
Christof: Mathematik ist die Mutter allen Selbstbetrugs.
04_WIR HABEN NICHT GEWUSST, DASS ES SOLCHE LAGER GIBT
wir waren einfach zu mitgerissen durch die symbole der multisaber hakenkreuze finden wir nicht so schön
das müssen wir den indern einmal sagen
neulich im fernsehen konnte man deutlich sehen
wie ungeniert sie diese tragen
GETADDICTED: „Die Macht der Symbole.“ Ihr bedient ihr euch ja auch großer Symbole. Ist das ein bewusstes Konzept oder nur Zufall? Und zu der angesprochene Geschichte mit den Indern und dem Umgang mit dem
Hakenkreuz: Ist das auch wieder so ein Vorwurf an das „dumme Volk“?
Christof: Auf einer früheren Platte hieß es: sie sind gern herdentiere und / fragen sich dennoch wie das / dritte reich passieren konnte
05_KUNDENBETREUER (instrumental)
GETADDICTED: Was ist deine Lieblingshotline bzw. hattet ihr beim Schreiben des Songs eine bestimmte im Sinn?Christof: Die Melodie ist von Bony. Allerdings hat das Soundprogramm, in dem wir Ideen und Versatzstücke sammeln, den Startpunkt etwas versetzt, wodurch es noch besser wurde. Das Sprachsample hat Klaus aufgenommen, als ihm Arcor zu Hardcore wurde und er kündigen wollte.
06_PUNKERPOLENTE
das hirn ist schneller, als man denktdie nazis rufen die polizei
ein punk hat ihnen den hitlergruß verweigert
bei der späteren befragung gibt er an, er hätte
ihn auf ebay versteigert
GETADDICTED: Sehr schöne Zeile, „Das Hirn ist schneller, als man denkt“. Wann ging es dir das letzte Mal so?
Christof: Ständig.
GETADDICTED: Geht es eher um die Nichtidentität von Subkulturen oder um die skurrilen Versteigerungsblüten, denen man bei Ebay begegnet?
Christof: Es ging eher um den Reim.
07_HUNGERHILFE
sind highendesser an reich gedecktem tischdann ist abnehmen wieder wichtig
dann wieder mode
und dann wieder von vorne
GETADDICTED: Definiert sich dies durch die Qualität der Speisen oder dem Kochshowwahnsinn im TV?
Christof: Highendbesseresser. Der Hund kriegt nichts. Der Hund spendet aber ehrlich, weil er eine Ahnung davon hat, wie sich Armut anfühlt.
08_STEIG AUS
steig aus deinem dicken haus in dein dickes autofettsau
GETADDICTED: Existiert das „dicke Auto“ heute noch als Statussymbol? Oder ist es nicht längst abgelöst von kleinen, feinen Tech-Gadgets, die man einfach haben muss?
Christof: Dickes Haus, dickes Auto, Fettsau. Nicht fehlen darf das bewegungs- und motorikgestoerte Einzelkind. Welches aber zum Fußballtraining gefahren wird.
09_DAS EXPERIMENT
ich habe ein experiment gemachtmit mir selber als probanden
GETADDICTED: Richtung Kindheitserinnerungen: Wir haben damals getrockneten Spinat mit gebröseltem Aspirin geraucht, weil irgendwer erzählt hatte, das wäre ganz toll. Danach haben wir die ganze Nacht gekotzt. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder warst du weiser?
Christof: Bis 18 hatte ich Angst vor Drogen. Gerade höre ich wieder auf mit dem Quatsch. Drogen: Ja, aber nicht jeden Tag.
10_BETATIER
deine bildung ist eingebildetdeine lockerheit total verkrampft
das feuern deiner neuronen reicht gerade aus um alles so zu machen, wie
es alle machen
GETADDICTED: Thema: Identität. Der Jugendliche hat es heute schwer. Die
kirchliche Konditionierung und der Bezug geht verloren, Kommunion,
Konfirmation und Firmung fallen weg oder sind nur noch reine
Pflichtveranstaltungen mit Geschenkebonus. Die Eltern sind geschieden,
die Lehrer überfordert und die Politiker sowieso alle korrupt. Die
Helden in den Medien präsentieren sich total kontrovers, sind aber so
medienkonform, dass sie funktionieren. Wo bleibt das Kind, wo die
Orientierung?
Christof: Von mir aus.
11_KOMM, WIR DREHEN EINEN PORNO
soll ruhig jeder runterladen, öffnen, sehen, wissendass er bei dir nicht oben war
GETADDICTED: Wo führt der öffentliche Exhibitionismus hin?
Christof: Gut ist der Refrain: Ohne Geknister mit Farben echter als in echt ... DAS ist digitale Kritik! Ansonsten handelt das Stück vom Keinen-hoch-kriegen.
12_LEUTE OHNE LUST
leute ohne lust fahren frisch gebügeltdie augen noch verquollen,
im zug nach düsseldorf
leute ohne lust lieben und leben die klischees
leute ohne lust interessieren sich für dinge die sie partout nicht
interessieren
GETADDICTED: Fehlt da der Tritt in den Arsch oder ist die Resignation vollständig?
Christof: Vielleicht fehlt da eher Bewusstsein überhaupt.
13_18:45:39
der fernseher wird von innen schmutzig und dann wieder cleanund sie suchen fleißig nach immer neuen soundtracks zu immer neuen
katastrophen
für jedes malheur steht eine kamera bereit
GETADDICTED: Kommt der Klingeltondownload, während die geilen Gitarren der Flutkatastrophe in den Nachrichten noch einmal richtig Bedeutung geben. Wie weit sind wir davon entfernt?
Christof: Wir sind längst da. Hatte der WTC-Crash nicht eine eigene Melodie?
14_ERFOLG VERDAMMT
sind wir zum erfolg verdammtGETADDICTED: In wie weit trifft das auf JAKA zu? Ihr habt alle Jobs und macht JAKA nebenher, oder? Also mehr Hobby als alles andere? Oder zweites Standbein?
Christof: Lies noch Mal genauer.
15_RAUCHEN UND YOGA
die kopie, die du da gerade kopierst, ist einevielfach kopierte kopie einer kopie
tantrisch im einklang mit der maschinerie
denn eigentlich stinkt das essen lecker, belästigen sie euch
freundlich,
empfohlen von den ikonen der populärkultur von denen vom
körperoptimierungswahn besessenen
GETADDICTED: Ich verstehe das so: Pop wiederholt und kopiert sich immer wieder selbst. Kommt trotzdem etwas neues – irgendwann?
Christof: Auch dieses Lied handelt vom Bewusstseinsdefizit. Für den ich übrigens sehr dankbar bin. Ohne ihn wären JAKA-Texte nur halb so witzig.
16_BÖSES BLUT
die mail deiner frau war orthographisch nicht ganz einwandfrei dieaussage dafür aber klar
sie wüsste das schließlich als angehende juristin
doch weiß sie nicht, wie man juristin schreibt
GETADDICTED: Ist Mailen ein echter Ersatz für Kommunikation, eine zusätzliche Möglichkeit und was sind die Nebenwirkungen?
Christof: Das Stück beschreibt einen wirklich geschehenen Ärger. Die Betroffenen wissen den Text richtig zu interpretieren.
17_VERRAT AM METAL
nett sein zu idioten, die sorgen für die quotenGETADDICTED: Und was sagst du dem Mensche, der dir nach dem Konzert
„Ausverkauf!“ vorwürft, weil JAKA jetzt Popgrind machen?
Christof: Dass JAKA ehrlich verdienter Erfolg ist. Seit 1998.
NACH DEM SPIEL IST VOR DEM SPIEL
Abschließende Bemerkung: Wer’s bis hier geschafft hat, hat sich ein Bier verdient. Also Marsch, Marsch zur Bude und eingekauft, Konsum und so. Christof und ich hatten Spaß, nun planen wir weiter an der Weltherrschaft, aber jeder für sich. Er mit den JAPANISCHEn KAMPFHÖRSPIELEn, wir mit GETADDICTED. Es ist schon das zweite Interview, das ich mit JAKA gemacht habe – und wieder ist es sehr lang geworden. Aber es hat sich gelohnt. Weil eben viel mehr Content dahintersteckt, als viele denken. Auch wenn es wehtut, auch wenn es laut ist. Daher an dieser Stelle: Konsumbefehl! Sobald die Platte draußen ist, kaufen, Texte auswendig lernen, tätowieren lassen, taggen und dann auf der nächsten Show lauthals mitsingen. Hört eh kein Mensch, JAKA sind lauter …
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