SCHEISS AUF DIE STIMME, JOHN

 

Johnossi live in der Zeche, Bochum // 13.04.2008

 

Damit steht es fest: John Engelbert, Sänger, Gitarrist und der vordere Teil von Johnossi, ist der von den Ärzten besungene Rock’n’Roll-Übermensch. Seit September letzten Jahres krankt seine Stimme, egal was er versucht, nichts hilft wirklich. Und trotzdem gibt er an diesem Abend die perfekte Rampensau, holt einfach alles aus sich heraus und lässt schnell vergessen, dass er und sein Bandkollegen Oskar „Ossi“ Bonde wirklich nur zu zweit auf der Bühne stehen.

 

JohnossiNach einem kurzen Set von Sibling Sense eröffnen Johnossi mit „Party With My Pain“ vom neuen Album, was an dieser Stelle gleich doppelt passt. John entschuldigt sich für seine „fucked up voice“ und fordert das Publikum an, ihm auszuhelfen. Gleichzeitig kommt Bewegung in die vorderen Reihen und los geht’s ...

Quer durch das selbstbetitelte Album von 2006 und das neue „All They Ever Wanted“ geht es, nur mit kurzen Pausen zum Luftholen und zum Stimmen der Gitarre. Das Publikum nimmt seine Support-Aufgabe ernst und gerade bei den „Hits“ der Band, „Man Must Dance“ und „Execution Song“ vom ersten Album, kommt Stimmung auf. Ansonsten ist es in den Pausen andächtig still, so dass John schon mal den Vergleich zu Atmosphäre im Klassenzimmer zieht. Der 26-jährige Sänger befragt das Publikum, wer denn morgen in die Schule müsse, worauf hin sich gerad die ersten Reihen begeistert (?) melden. Darauf merkt John grinsend an, dass er Schule immer langweilig fand und Leute die zur Schule gehen, doch doof seien. Soviel also zum pädagogischen Aspekt des Abends.

Neben der Leistung von John, dessen Stimme im Laufe des Abends hörbar strapaziert wird, er aber keine Schippe Energie zurücknimmt, muss natürlich auch Ossi lobend erwähnt werden. Der Drummer trommelt mit vollem Körpereinsatz wie ein Tier. Timing und Einsatz sind dabei wie ein Uhrwerk und auch den Wechseln von stehend Pauken zum sitzend Spielen beherrscht er aus dem FF. Eine wirklich rockstareske Lightshow und ein guter Sound runden das Gesamterlebnis ab. Und was man aus einem Drumkit und einer halbakustischen Gitarre samt Effektgerätbatterie herausholen kann, ist wirklich beeindruckend.

Johnossi sind live eine Bank, Johns Stimmleiden zum Trotz gab es eine wahre Powershow mit Körper- und Stimmbandeinsatz. Und ein Schelm, wer ihm nicht gute Besserung wünscht. Denn so knarzig es an manchen Stellen auch war, so eine rauchige und whiskyschwangere Stimme hat auch was für sich.

 

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Text: Ingo Karkhof
Archivfoto: Marco Christian Krenn