WIR SIND WANNE-EICKEL

 

Kettcar und Herrenmagazin in der Weststadthalle, Essen // 2. Mai 2008

 

Kettcar im Ruhrpott - wieder nicht in Wanne-Eickel, dafür in der Essener Weststadthalle. Und die schlauchförmige Halle mit der Bühne an der einen Längsseite hatte für die Hamburger auch was Interessantes für sich.

 

Die Sonderbeilage für die 1.300 Leute in Essen hieß Herrenmagazin und bot einen Stilmix aus Kettcar und den Bands auf ihren T-Shirts: Eins von den Poppunks 5ct. Deposit, eins von Turbostaat - ergibt: poppigen Punkrock mit deutschen Texten. Nett: Ihre 3-Song-EP kostete nur die eigene Email-Adresse. Sich für Fehler zu entschuldigen, muss allerdings nicht sein. Wer die EP nicht 1.000 Mal gehört hat, hätte Verspieler eh nicht bemerkt.

Danach brachten Kettcar "Sylt" in den Pott - und zwar über die "Deiche" "48 Stunden" lang an die Landungsbrücken und von da aus direkt ins "Graceland". Der Unterschied zwischen Konzert und Platte besteht bei den Hamburger eigentlich nur in den Ansagen. Marcus Wiebusch: "Eigentlich fanden wir Berlin immer scheiße. Aber jetzt haben wir ja teilweise unser Album da aufgenommen und wissen jetzt: Die Leute da sind genau so scheiße wie überall anders auch. Deswegen ist Berlin jetzt unsere zweite Lieblingsstadt - nach Wanne-Eickel." Reimer wunderte sich über die Halle, die von der Bühne aus nur 15 Meter tief, aber dafür gefühlte 100 breit ist. "Jetzt seht ihr hier links ja nur mich. Wenn ihr das leid seid, können wir auch gleich mal mit Erik tauschen."

Dabei ging es bunt durch die drei Alben. "Balkon gegenüber" durften die Leute singen, vor allem die auf dem Balkon gegenüber der Bühne. Bei "Nullsummenspiel" stellte Reimer sein aus Kleiderbügeln selbst gebautes Instrument vor und Marcus erklärte, warum "Agnostik für Anfänger" nun doch nicht "Carpe Diem, Arschloch" heißt - wie bis wenige Sekunden, bevor das Booklet in Druck ging. Nach knapp 90 Minuten inklusiver zweier Zugaben dankten Kettcar ihrer Vorband, dem Essener Publikum und zum Abschluss der Academy.

Aber natürlich können Kettcar kein Konzert im Ruhrpott spielen ohne "Balu". Also kamen Marcus und Lars Wiebusch zurück für die endgültige Zugabe "in der Slayer-Version", wie Marcus meinte. Und weil's so schön war, sang er die Strophe mit "Denn du bist New York City, und ich bin Wanne-Eickel" gleich doppelt.

 

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Text und Foto: Jens Becker