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"PERFEKTION WAR NIE DER ANSPRUCH"
Interview mit Kontrapunkt // November 2007
Dass der Pott nicht nur kochen sondern auch schreien kann, unterstreichen die Essener Kontrapunkt. Im AZ Mülheim gibt das Quartett mitsamt Edel-Fan Leander Auskunft über die sieben Todsünden eines Live-Auftritts und ihre extravagante Hosesauswahl. Von Escapado in die Styler-Schublade gescheckt, holen Kontrapunkt zum Gegenangriff aus.
GETADDICTED: Auf eurem Erstlingswerk „Du denkst, du hoffst, du fühlst“ werden Thomas, Pitt und Nils den klassischen Instrumenten zugeordnet. Hinter Lukas steht hingegen „Geschrei“. Siehst du dich abseits der Definition eines Sängers?
Lukas: Ich sehe mich nicht als Sänger, denn ich schreie nur. Beim Versuch zu singen würde ich keinen Ton treffen. Beim schreien geht das noch einigermaßen.
Thomas: Wir hatten vorher auch überlegt „Gesang“ oder „Kehle“ zu schreiben, haben dann aber Geschrei genommen. Bei der Platte wollten wir alles auf deutsch machen. Das ändert sich bei der nächsten.
GETADDICTED: Die in „Still Schweigen“ angesprochene „Oberflächlichkeit der Kommunikation“ erfahrt ihr in welchen Momenten?
Thomas: Small-Talk! …der Songtext ist metaphorisch zu verstehen. Buchstaben werden zu Wörtern und Wörter sind die Oberflächlichkeit der Kommunikation.
Nils: Es geht vor allem darum, dass man Gefühle nicht immer in Wörter fassen muss. Der Song handelt letztlich davon, ob man schüchtern ist, oder nicht.
GETADDICTED: „Den Angstschweiß auf der Stirn“ (Endeffekt)…Hattet ihr bei bestimmten Line-Ups Lampenfieber?
Thomas: Bis jetzt noch nicht. Wir haben bisher noch mit keiner Band gespielt, wo das hätte der Fall sein können. In dieser Band gab es das von vorneherein nicht, da wir…
Lukas: …wissen, dass wir gut sind.
Thomas: Wir haben vorher alle in anderen Bands gespielt. Bei mir war es so, dass ich dachte, alles muss perfekt sein. Das war bei Kontrapunkt nie der Anspruch.
Pitt: Doch, den hast du noch immer! Ich bin übrigens immer noch aufgeregt vor Auftritten.
Thomas: Ich glaube, ich bin aufgeregter, wenn Leute im Publikum sind, die ich beeindrucken will, als wenn ich mit tollen Bands zusammen spiele.
Pitt: Ich war schon immer aufgeregt. Bin ich auch, wenn ich in einen Bus steige und da einen interessanten Typen sehe, mit dem ich reden will.
GETADDICTED: Zählt die sieben Todsünden auf, die während eines Live-Auftritts auf der Bühne begangen werden?
Leander: Sofort aufhören, wenn sich jemand verspielt (1).
Pitt: Kotzen (2) und sich beim Springen in die Hose kacken (3).
Leander: Schlimm sind Bands, die vor ihrem Auftritt eine Ewigkeit ihre Instrumente stimmen. (4).
Pitt: …oder die ganze Zeit labern. (5)
Thomas: Während der Songs zum Mischer zu gucken, dabei erst auf den Monitor und dann nach oben oder unter zu zeigen (6)
Leander: Auf „Click“ spielen. (7)
[Thomas: Ich möchte bitte später lesen, dass der Interviewer zwischendurch telefoniert]
GETADDICTED: Pitt, du bist amtierender Deutscher Meister im Bass-Posing. Ist es schwierig dem eigenen Anspruch und dem des Publikums bei jedem Konzert gerecht zu werden?
Pitt: Meinst du das Publikum hat einen Anspruch an mich? Meinst du die denken, der Pitt macht jetzt gleich einen Salto? Eigentlich mache ich einfach immer nur mein Ding. Von der ersten Show an und im Proberaum eigentlich auch.
GETADDICTED: Was macht dein Projekt Offhand?
Pitt: Das hat sich nach einer EP aufgelöst. Wir hatten leider kein Geld für richtige Aufnahmen. Niemand hat gearbeitet und einer war Alkoholiker. Ich habe jetzt ein neues Projekt am Start. Das heißt „Pitt & Leander“! Ich würde die Musik als „Boy-Group-Youth-Crew“ oder „Unicorn-Core“ beschreiben.
GETADDICTED: Von Escapado seid ihr zuletzt – was das äußere Erscheinungsbild angeht – in die Styler-Schublade gesteckt worden. Wie reagiert ihr darauf?
Thomas: Ihre neue Platte eignet sich gut als Untersetzer.
Leander: Ich denke, bei ihnen es ist vielmehr die Angst mit Kontrapunkt verglichen zu werden und der Gedanke: Shit, wir werden denen nicht gerecht.
Nils: Wir sind Kool Savas und Escapado ist Curse.
GETADDICTED: Habt ihr einen Kleider-Container geplündert, oder woher stammt eure nicht gerade zeitgemäße Hosen-Kollektion, die von der abgeschnittenen Blue-Jeans bis zum knappen Sporthöschen reicht?
Pitt: Du beziehst dich auf meine original MTG Horst-Hose. Die ist von den Handballern der zweiten Herren in ihrer Hochglanzsaison.
GETADDICTED: Kontrapunkt-Material erobert die ganze Welt. Wie kam es zu den Distributions-Kontakten in Russland, Japan und den USA?
Leander: Sell-Out!
Thomas: Wir sind zum Beispiel aus Japan angeschrieben worden, ob wir ihnen einen paar CDs schicken könnten und jetzt wird unsere Seven-Inch dort über Ape Must Not Kill Ape-Records veröffentlicht.
GETADDICTED: Wie kam denn der Kontakt zustande?
Thomas: Myspace.
Pitt: Myspace regiert die Welt.
Neben Bands wie Gone With The Pain, Mr. Willis Of Ohio uvm. sind auch Kontrapunkt auf dem demnächst bei Fiducia Records erscheinenden Benefit-For-Anna-Tape vertreten. Anna war als Behindertenbetreuerin mit einer Ferienfreizeit unterwegs, als auf der Rückfahrt ein Reifen platzte und der Bus sich überschlug. Seitdem ist Anna von den Schultern abwärts gelähmt. Um einen notwendigen Umzug und die Anschaffung behindertengerechter Alltagsgegenstände zu finanzieren, ist ein Spendenkonto eingerichtet worden. Die Einnahmen des Tapes, sowie ein Euro jedes verkauften Kontrapunkt-Demos/T-Shirts fließen in den Spendenpool.
Informationen
Infos zum Tape
Infos zu Anna und der Möglichkeit zum spenden:






