"I'M SO GLAD THIS IS FREE"

 

The Lemonheads beim Pfingst Open Air in Essen // 12.05.2008

 

Es ist Pfingstmontag, die Sonne strahlt vom Himmel – wie kann man also das lange Wochenende besser abschließen als mit einem Besuch der mittlerweile 27. Auflage des Pfingst-Open Airs in Essen-Werden, zumal die Besetzung mal wieder erstklassig ist.

 

Auf Grund des herrlichen Wetters war das Gelände prall gefüllt und an den Getränkeständen musste man so lange auf kühle Erfrischungen warten. Aus der Ferne war Ignites Sound nicht so berauschend und auch Zoli Teglas‘ Ansagen sowie das inzwischen zu Tode genudelte „Sunday Bloody Sunday“-Cover nervten doch etwas. Vor der Bühne jedoch ging die Post ab und die Band wurde für ihren melodischen HC-Punk abgefeiert.
Danach verzogen sich die Kids und das gesetztere Indie-Publikum begab sich nach vorne, um dem Indiefolk-Duo Two Gallants aus San Francisco bei ihrem einzigen Deutschland-Auftritt zu lauschen. Es ist immer wieder erstaunlich, welch kompakten und dennoch differenzierten Klangteppich man nur mit Schlagzeug und Gitarre erzeugen kann und die mal zierlich-verspielten, mal leicht angerockten Stücke konnten das Publikum überzeugen.
Headliner waren The Lemonheads, also Evan Dando mit Begleitung - und nun wurde der Abend endgültig zur Ü30-Party. Gerade ist ihr Klassiker „It’s A Shame About Ray“ von 1992 in einer remasterten Version mit reichlich Bonustracks neu erschienen. Daher stand auch dieses exklusive Deutschland-Konzert im Zeichen der Wiederveröffentlichung, „We’re going to play a record for you and it’s called ‚It’s A Shame About Ray’“, begrüßte Evan das Publikum und hielt Wort: Alle Songs wurden gespielt (bis auf Mrs. Robinson natürlich, das erst nachträglich als Bonus drauf gepackt wurde). Danach ging es dann weiter mit einigen alten Songs wie „Stove“ und „Down About It“, ehe Evan solo auf der elektrischen Gitarre Lagerfeueratmosphäre erzeugte. Schließlich kehrten Schlagzeuger Vess Ruhtenberg und Bassist Devon Ashley, die seit 2006 zur Livebesetzung gehören, für drei weitere Songs auf die Bühne zurück. Aus Zeitmangel gabs nur „No Backbone“ vom letzten Album als Zugabe, wobei sich Drummer Vess seine Drumsticks wieder aus dem Publikum, in das er sie kurz zuvor geworfen hatte, zurückholen musste.
Die Band zeigte sich herrlich spielfreudig, auch wenn sie sich mehrmals verspielten, so dass Evan sogar während des Konzerts sagte: „I’m so glad this is free. I’m so glad nobody had to pay for it.“ Aber dieses rundum gelungene Festival wäre sogar Eintritt wert gewesen.

 

Kommentare könnt ihr im SUCHTBLOG abgeben

 

Verfasser: Rainer Driemeyer
Foto: Burkhard Müller (Face The Show), Zur Galerie