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"DANKE MAGNUM!"
Magnum live in der Matrix, Bochum // 17.05.2008
Rückblende, 22. September 1990: Unsere Handballtrainer Flocke
und Ente hatten meinen Kumpel Marko und mich gefragt, ob wir Bock haben,
am Abend mit Ihnen auf ein Konzert der mir bis dato vollkommen unbekannten
Band „Magnum“ nach Dortmund zu fahren. Unbekannt oder nicht.
Hey. Es ging hier um ein Rockkonzert. Und zwar in Dortmund. Die große
Stadt! Nachdem ich meine Mutter eine geschlagene Stunde lang am Kaffeetisch
bequengelt hatte mich gehen zu lassen, gab sie endlich nach. Marko war
weniger erfolgreich. Er durfte nicht mit. Eine Tatsache, die ich ihm
noch etwa zehn Jahre lang aufs Brot schmieren würde. Und so kam
es, dass ich im zarten Alter von 15 Jahren mein erstes richtiges Konzert
besuchen sollte.
Klar, heute haben Jugendliche mit 15 schon die erste Schwangerschaft und die zweite Entziehungskur hinter sich, aber damals, aufm Dorf, da war das was, mit 15. Ich erinnere mich noch an jedes Detail: Der Eintritt kostete 33 Mark, was exakt dem Betrag entsprach, der sich in meinem Portemonnaie befand, weswegen Ente mir später eine Cola ausgeben musste. Die Vorband hieß Dirty White Boy, und ich erzählte meinen Kumpels später, es sei eine Trash-Metal-Band gewesen, was ziemlicher Quatsch war. Magnum selbst fand ich großartig. Der Mitsing-Stadion-Rock der Briten ging sofort ins Ohr, der Sound war gigantisch und die Show gespickt mit Gimmicks. Da war es auch egal, dass Magnum 1990 ihren Zenit schon fast überschritten hatten und gerade eine ziemliche Bauchlandung hingelegt hatten, beim Versuch mit der Platte „Goodnight L.A.“ in den Staaten Fuß zu fassen.
Cut.
Mai 2008: Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause fahre ich an einem
Magnum-Plakat vorbei. „Die gibt’s noch?“, denke ich
und fasse den Beschluss, mir das mal anzugucken, schließlich spielen
die Jungs keinen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt. Zum Glück
muss ich die Mutter meines Sohnes nicht so lange bequengeln, bis sie
mir für den Abend frei gibt, und Kumpel Konstantin darf sogar ohne
zu fragen auch mit. Den Eintrittspreis, den ich dank GETADDICTED nicht
berappen muss, und die Vorband UXL, die ich nur am Rande wahrnehme,
werde ich wohl diesmal nicht in so bleibender Erinnerung behalten wie
1990.
Die Matrix ist gut gefüllt aber platzt nicht gerade aus allen Nähten. Rund 700 Leute haben den Weg in das Gewölbe des Langendreer Clubs auf sich genommen. Ganz schöner Abstieg für Magnum. 1990 war es noch die ausverkaufte Westfalenhalle 2. Naja, die Zeiten ändern sich, aber nicht die Leute. Das Durchschnittsalter liegt heute wohlwollend geschätzt bei Mitte bis Ende Dreißig. Aber gemessen an den Hauptakteuren des Abends ist das noch richtig jung: Als Sänger Bob Catley und Gitarrist Tony Clarkin auf die Bühne kommen, erschrecke ich mich im ersten Moment ein bisschen. Clarkin ist deutlich umfangreicher geworden und die Furchen im ledrigen Gesicht des Frontmanns sind tief. Ein Ventilator sorgt für flatternde Haare und bläst in Catelys aufgeknöpftes Hemd. Einen kurzen Moment fühle ich mich an unsägliche Chart-Shows mit Oliver Geissen odr Hugo-Egon Balder erinnert, in denen Musikmumien wie Smokie oder Nazareth noch einmal einen kurzen Play-Back-Moment im Erfolg baden können.
Aber für derlei Demütigungen sind sich Magnum wohl erstens zu schade und zweitens fehlt ihnen der entscheidende Über-Hit in ihrer Karriere. Trotzdem mangelt es an diesem Abend nicht an hervorragenden Hardrock-Nummern. Die fünf Männer, die auf Songs aus 30 Jahren Magnum zurückgreifen können, spielen zwar auch aktuelles Material, aber richtig gefeiert werden die alten Sachen. „Vigilante“, „Days of no trust“, „Pray for the day“, „The spirit“ oder das uralte „Kingdom of Madness“ - es sind die bekannten Gassenhauer, die mich schon 1990 begeisterten und auch heute wieder für eine hervorragende Stimmung sorgen. Und den Leuten vor und auf der Bühne ist es offensichtlich egal, dass man früher mal im größeren Rahmen zusammen gefeiert hat.
Die großen Gesten funktionieren auch auf kleinen Bühnen,
und die Mitsingparts wirken auch im schummrigen Licht eines Club-Auftritts.
Der Sound im Matrix-Keller ist überraschenderweise exzellent, die
Herren auf der Bühne rocken, als wären sie keinen Tag älter
als damals und ihr Publikum feiert, wie ich es in so einem kleinen Rahmen
selten erlebt habe. Sie feiern sich selbst, sie feiern die Vergangenheit,
und Magnum liefern ihnen den perfekten Soundtrack dazu. Und ganz tief
innendrin feiere ich ein wenig mit. Danke Magnum.
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