![]() |
|
"MORGEN SIND SIE EH ALLE PUNKS"
Interview mit Make It Count // April 2008
GETADDICTED: In Berlin scheint ja im Moment einiges zu gehen in Sachen
Hardcore. Wie seht ihr die Entwicklung in eurer Stadt?
Hannes: Berlin ist unsere Heimat und ohne diese Stadt wären wir
nicht die, die wir heute sind. Die Berliner Szene hat ein paar großartige
Bands hervorgebracht, wie Disrespect, Shortage oder Anticops, die uns
natürlich alle beeinflusst haben und eine große Familie bilden.
Jeder hilft und supportet sich - und da sind wir verdammt stolz drauf.
Jeder, der sich ein Bild von Shows und den Leuten machen will, ist herzlich
eingeladen Berlin abzuchecken.
GETADDICTED: Habt ihr engen Kontakt zu den anderen Bands, also gibt
es eine richtige Szene oder macht jeder so sein eigenes Ding?
Hannes: Wie gesagt, wir sehen das alles als eine große Familie,
wo jeder jeden unterstützt, wo es nur geht. Wir haben alle schon
unsere eigenen Parties und die berühmte Berliner Schnauze, die
uns wahrscheinlich zusammenhält und pusht. Außerdem ist es
ja kein Bandcontest oder ein Individualding, wir lieben alle die selbe
Musik und das verbindet einfach.
GETADDICTED: Irgendwelche Geheimtipps in Sachen Bands aus der Hauptstadt?
Wie sieht es z.B. mit dem ersten Release von False Friend aus, wann
kommt der?
Hannes: Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht, aber checkt einfach
die Webseiten der jeweiligen Bands. Final Prayer bringen eine neue Scheibe
auf GSR raus und False Friend hat auf jeden Fall auch Aufnahmen draußen.
Predict sind auch im Moment eine gute Adresse in Berlin. Die Jungs sind
natürlich Freunde von uns und absolut mit dem Herzen dabei. Checkt
die aus.
GETADDICTED: Bis jetzt wart ihr ja selber eher eine Art Geheimtipp.
Merkt ihr schon Auswirkungen eures neuen Albums und der größeren
Konzerte (z.B. Rise or Die Fest), die ihr jetzt gespielt habt? Werden
mehr Leute auf euch aufmerksam?
Hannes: Natürlich freuen wir uns natürlich über die größere
Resonanz von Live-Shows und unserer neuen CD. Wir sind eine Live-Band,
die ne Menge Energie hat, und wir wollen diese auch zeigen, ob wir da
vor großen gefüllten Club spielen oder einem Jugendzentrum
mit selbstgebauter Anlage ist uns egal. Uns gehts um eine gute Zeit,
unseren Sound zu spielen und unsere Message den Leuten zu präsentieren.
Umso besser, wenns einigen Leuten noch gefällt.
GETADDICTED: In der Bandinfo eures Labels werdet ihr als antifaschistische
Band präsentiert. Wie wichtig ist euch der politische Aspekt in
eurem Banddasein? Gibt es noch weitere Felder, in denen ihr euch engagiert
(SxE, Vegetarismus/Veganismus, o.ä.)?
Hannes: Die Message von Hardcore ist für mich immer essentieller
Bestandteil der Musik und des Lifestyles gewesen. Dazu gehört natürlich
eine gewissen Grundeinstellung. Für mich persönlich hat Hardcore
sehr viel in meinem Leben verändert, ich begann mich z.B. mit dem
Konsum von Tieren zu beschäftigen und habe für mich meine
Schlüsse gezogen. Jeder, der einmal gesehen hat, wie die Tiere,
die wir essen, leben, gehalten und getötet werden, denkt das nächste
mal über seine Salami schon ganz anders. Wir wollen aber keinen
mit solchen Themen bekehren oder irgendein Schubladengequassel erzählen,
geschweige denn sowas zur Leitzeile machen. Das ist eine Entscheidung,
die jeder selber treffen sollte, genauso, wie er mit Nazis in der Hardcore-Szene
umgeht. Da gibt es für uns nur eine Antwort und die heißt
"Keinen Raum für Nazis in unserer Szene, Musik oder Gesellschaft".
Wie engagieren uns für unsere Kultur und unsere Szene und die heißt
auch zur Tat schreiten. Wenn es keinen Anlass geben würde, wären
wir auch nicht so engagiert. Deswegen Faschos aufs Maul, egal wann,
egal wo!
GETADDICTED: Wie seht ihr die Entwicklung speziell in der deutschen
HC-Szene (Stichwörter OldSchool vs Metaleinflüsse, Violent
Dancing, Emotrend...)?
Hannes: Ich liebe diese Musik und alles drumherum, doch nervt mich dieses
sich ständige Wiederholen von "Do´s und Dont´s".
Ich meine, jeder soll doch machen, was er will, solange er es für
sich selbst macht und nicht um anderen zu gefallen. Ob das nun Metal
oder Hip Hop oder einfach nur toll Tanzen ist. Außerdem habe ich
in meinem Leben auch gar nicht die Zeit, wie andere Leute vielleicht
im Internet über den Sinn und die Werte von Musik und deren Gruppierungen
zu diskutieren. Gruftis sind eh die schärfsten, wenn du mich fragst.
GETADDICTED: Aus Südamerika kommen jetzt Meldungen, dass Metalheads
und Skater Jagd auf Emos machen. Das ganze auch aus homophoben Beweggründen.
Auch hierzulande scheint die Beschimpfung „Schwuchtel“ in
Mode zu sein und HC-Kids übernehmen Sie aus dem HipHop... Wie seht
ihr das Problem?
Hannes: Noch nichts gehört davon. Aber ich hoffe die Jungs können
sich verteidigen und lassen sich nicht die Emo-Locke abschneiden. Morgen
sind sie eh alle Punks und hängen zusammen in der Disco ab... haha
GETADDICTED: Hertha oder Union? Oder doch TeBe?
Hannes: SV Blau Gelb Weißensee. Berolina Mitte. Die Berliner Hertha
und eisern Union. Es gibt ne Menge guten Sport hier. Wer will, kann
ja mit uns mal zum Fußball gehen. Ne Menge von uns stehen auf
so ein Zeug...
Checkt unser neues Album "Leeway" auf GSR Music. Demnächst
gibts coole Touren von uns. Kommt mal in Berlin vorbei oder schreibt
uns einfach ne Nachricht.
Kommentare könnt ihr im SUCHTBLOG abgeben






