DIE SCHÖNE UND DAS BIEST

 

Mark Lanegan und Isobel Campbell in Frankfurt // 03.06.2008

 

Hat Mark Lanegan kein Zuhause? Gerade erst war er mit den Gutter Twins auf Europa- und US-Tour, doch anstatt sich auszuruhen, bevor sie im Spätsommer erneut zu uns kommen, spielt er noch ein paar Konzerte mit Isobel Campbell.

 

2006 nahm die ehemalige Belle And Sebastian-Cellistin Isobel Campbell ihr Album „Ballad Of The Broken Sea“s auf, eine Sammlung schwermütiger Lieder, bei denen ihr Mark Lanegan mit seiner grabestiefen Stimme zur Seite stand. Und nun erschien im Mai der Nachfolger „Sunday At Devil Dirt“, der Anlass zu dieser gemeinsamen Tour, die die beiden auf ihrem einzigen Deutschlandkonzert in Frankfurt gastieren ließ.

Die vier Mitmusiker zauberten einen zumeist akustischen Teppich, auf dem Mark Lanegans dunkle Stimme im Vordergrund stand. Isobel Campbell säuselte dazu, spielte mal Cello, mal Keyboards, bediente diverse Percussion-Mittel oder pfiff auch mal herzallerliebst. Nur mit ihrem Monitorsound schien sie unzufrieden zu sein, weshalb sie auch öfters Rücksprache mit dem Soundmenschen suchte. Doch von klanglichen Problemen kam beim Publikum nichts an, die Akustik im Mousonturm, einst Frankfurts erstes Hochhaus, nun ein hauptsächlich als Theater genutztes Künstlerhaus, war hervorragend und so ließen sich die Besucher von der Theateratmosphäre anstecken, blieben während der Lieder mucksmäuschenstill, um danach in frenetischen Applaus auszubrechen.

Und Applaus hatte die Mischung aus Stücken beider Alben auch reichlich verdient, sei es das manische „Deus Ibi Es“t, das einzige allein von Campbell vorgetragene Stück „Saturday’s Gone“ oder das mitreißende „Ramblin‘ Man“. Nach insgesamt gut 85 Minuten gab es ein kurzes „Thank You“ von Lanegan und ein bemerkenswert gutes Konzert war zu Ende.
Überhaupt noch ein Wort zu Lanegans Bühnenpräsenz: Während der Lieder klammerte er sich in Jim Morrison-Pose am Mikrofonständer fest, wirkte unglaublich konzentriert. Während der Pausen offenbarte sein linker Arm einen nervösen Tic und auch sein Gesicht schien manchmal schmerzverzerrt, was aber mit den jeweils ersten Takten des nächsten Liedes wie weggeblasen war. Dieser Mann braucht wirklich Musik zum Leben, ja gar um überleben zu können (wenn man seine Drogenvergangenheit kennt) und ist live immer wieder ein Erlebnis - trotz oder gerade wegen seiner scheinbaren Unnahbarkeit auf der Bühne.

 

 

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Text und Foto: Rainer Driemeyer