AUTISTISCH, AKUSTISCH UND HYPNOTISIEREND

 

Minor Majority live im Gleis 22, Münster // 9. Februar 2008

 

Das Gleis ist ausverkauft, jeder Besucher sorgt für Schweißtropfen bei allen anderen. Die erstaunlich stillen Pausen werden ausgefüllt durch das Schnarren der hoffungslos überlasteten Belüftung.

 

Das Publikum erinnert teilweise an ein VHS-Event, erstaunlich wenige Indiehipster, stattdessen Pärchen aus leicht wippenden Damen mit Herren, die gerade bei den Gitarrensoli den studentischen Ausdruckstanz üben.

Der Vorhang fällt bzw. wird zur Seite gezogen und Pal Angelskars Stimme erklingt, rauchig, durchaus vielfältig bis in die hohen Tonlagen und vor allem eines: melancholisch. Gerade zu Anfang ist sein Blick starr an die Decke gerichtet, beinahe autistisch sieht er aus, während er mit den ersten Songs „Come Back To Me“, „(In That) Premature Way“, „Wish You’d Hold That Smile“, „As Good As It Gets“ und „She Gave Me Away“ Geschichten von Liebe und gescheiterten Beziehungen erzählt. Akustische Gitarren dominieren den Folkrock von Minor Majority, harmonisch begleitet von einem weichen Orgelteppich, akzentuiert durch den spärlichen Einsatz einer E-Gitarre.

Bei einer ausschweifenden, zum Ende hin hypnotischen Version von „The Dark Half“ zeigt dann auch der Rest der Band seine Qualitäten. Leadgitarrist Jon Arild Stieng und Orgelspieler Harald Sommerstad überzeugen durch präzises Spiel und punktgenau eingesetzte Effekte, Bassist Henrik Harr Wideröe greift sogar für zwei Songs zum Banjo, der zweite Gitarrist übernimmt später für einen Song die Orgel und Schlagzeuger Halvor Högh Winsnes erledigt souverän, fast stoisch, seinen Job. Neben der spätestens jetzt deutlich werdenden Spielfreude und musikalischen Klasse von Minor Majority, bricht nun endlich auch das Eis zum Publikum. Die Augen von Pal wandern von der Raumdecke nach unten, Blicke werden getauscht, kleine, humorige Dialoge unter den Bandmitglieder und mit dem Publikum lockern die bisher sehr ernste, fast andächtige Atmosphäre auf.

Als Pal eine der zwei Coverversionen des Abends (später gibt es noch einen Song von Nick Drake), „West End Girls“ der Pet Shop Boys, ankündigen will, unterbricht ihn ein Zuruf aus dem Publikum und lachend beschwert sich die Band über den „Spoiler“. Als letztes Stück des offiziellen Sets erklingt „Supergirl“, der wohl bekannteste Song der Band. Zweimal bittet das Publikum danach die Band zur Zugabe, wobei Pal die zweite allein an der Akustikgitarre bestreitet - und das mit viel Humor. Ob übertriebenes Seufzen, Anzählen eines Breaks oder Kommentare zu den Songs, Minor Majority ist einfach eine wirklich sympathische Band, die gerade live noch ein paar musikalische Akzente ergänzt, die einen Konzertbesuch zu etwas Besonderem machen.

 

 

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Verfasser: Ingo Karkhof
Foto: Sebastian Gondek