WUT, TRÄNEN UND STIMMBANDÜBERDEHNUNGEN

 

Misery Signals, August Burns Red und Emmure live in der Matrix, Bochum // 20.04.2008

 

Misery Signals beenden ihre Europa-Tour stilgerecht in der Weltmetropole an der Ruhr und haben gleich noch ein paar Freunde mitgebracht: die Fretboard-Frickler von August Burns Red und die Kollegen von Emmure. Da bleiben natürlich die Freunde des etwas härteren akustischen Verwöhnprogramms nicht fern und füllen die Matrix zu Bochum mit über 400 Paar Ohren.

 

August Burns Red, Foto: Mathias SchumacherVor ihrem Bühnenaufmarsch hatten Emmure schon einige Shirts unter das Volk gebracht und prügelten sich durch ein knapp halbstündiges, wenig abwechslungreiches Set. Ein etwas monotoner Gesang, immer wieder die gleiche Songstruktur und generell etwas stumpfer Metalcore mit versuchten Slayer-Gitarrentricks. Dass sich dafür im Pott jedoch immer dankbar moshende Abnehmer finden, die vor der Bühne auf Teufel komm raus rumbrawlen, ist bekannt und bewahrheitete sich an diesem Abend nur ein weiteres Mal. Aus der Ferne sehen diese Kung-Fu-Einlagen eigentlich ganz lustig aus.

Um Viertel vor Zehn war Schluss und nach kurzer Umbaupause gaben sich August Burns Red die Ehre. Die hatten ihre Hausaufgaben gemacht und servierten ihrerseits eine 30-minütige Schlachtplatte garniert mit delikaten technischen Gitarrenfaxen und jeder Menge rohem Fleisch. Hier gab es keine NewEra-Kappen oder 20cm-Plugs mehr auf der Bühne zu sehen, denn „less posing, more action“ war die Devise - und die gab’s zuhauf, sowohl vor als auch auf der Bühne. Eine schweißgebadete halbe Stunde später war Schluss und wie üblich verließ die Masse erst einmal die Halle; unüblicherweise kam sie allerdings nicht unbedingt zurück. War die Matrix bis dato noch zu guten zwei Dritteln gefüllt, endete die Menge jetzt auf gleicher Höhe mit dem Tontechniker. Teile des Publikums saßen wohl schon in Auto oder S-Bahn, als Misery Signals gegen 22:30 Uhr die Bühne in Besitz nahmen und das, liebe Leute, war ein ganz ganz großer Fehler. Warum, das wird euch jetzt der Mathes erklären:

Ohne Worte. Nicht nur, weil die Stimme nach dem letzten Lied total abhanden gekommen ist, sondern weil Misery Signals sich mit einem Paukenschlag aus Europa verabschiedeten. Nach einem unspektakulären Start und irritierten Blicken gen Publikum kam die Band mit „A Victim, A Target“ und „In Summary Of Who I Am“ in Fahrt. Die Übriggebliebenen dankten mit Aktion und stimmten zu, auch Lieder vom kommenden Album „Controller“ zu hören. Die Signale stehen auf Technik. Überraschend waren „Mirrors“, „The Stinging Rain“, “The Failsafe” und „Five Years“ anschließend nur Koordinaten auf der Spannungskurve.
Sie kulminierte schließlich mit der Zugabe. Nachdem sich das Publikum auf Nachfrage für ein Lied des ersten Albums entschied, brauchte die Band lange für die einzig richtige Antwort: „The Year Summer Ended In June“. Eines von zwei emotional zu privaten Liedern, die nach dem Weggang von Sänger Jesse Zaraska auf dem Misery Index standen. Bochum dankt für: Wut, Tränen und Stimmbandüberdehnungen.

 

 

 

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