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Interview mit Erik von No Trigger in Essen // 6. September 2007
Letztes Jahr haben die Bostoner No Trigger mit „Canyoneer“ auf Nitro Records ihr Albumdebüt vorgelegt, nachdem sie schon mit der EP „Extinction in Stereo“ auf sich aufmerksam gemacht haben. Dabei brauchen sich die fünf auf keinen Fall hinter Vergleichen mit Band wie Rise Against zu verstecken, haben sie doch ihre eigenen Punkrockgleise gelegt, die man auf dem Album nur zu gerne rauf und runter fahren möchte. Ein Jahr später wird immer noch fast ununterbrochen die halbe Welt betourt, was auch Deutschland mit einschließt. Grund genug, um sich jemanden der Band zu schnappen und an der Bar der Essener Zeche Carl zum Gespräch zu bitten. Wir unterhielten uns mit Erik, der für das Zerstören von Becken bei No Trigger verantwortlich ist, über bandübergreifende Freundschaften, canyoneerende Gorillas und müde werdende Labelbosse.
GETADDICTED: Ihr seit ja schon lange unterwegs. Macht’s immer noch Spaß?
Erik: Es ist großartig, Set Your Goals sind so was wie unsere Beste-Freunde-Band und es ist jetzt schon unsere dritte Tour, die wir mit denen machen. Wir hängen auch zu hause privat mit denen rum und jetzt eben auch hier on the road. Es ist so was wie die perfekte Tour, wenn man mit seinen Freunden unterwegs ist.
GETADDICTED: Seid ihr mit den Leuten zufrieden? Heute waren ja nicht besonders viele da.
Erik: Ja, heute war es echt leer. In Großbritannien zum Beispiel war allerdings jede Show ausverkauft bis auf zwei. Da geht immer mehr. Die Shows in Deutschland sind auch toll, auch wenn da halt weniger los ist. Generell bringt uns diese Tour an Orte, von denen wir niemals gedacht haben, dass wir da mal hinkommen werden, wie zum Beispiel Ungarn oder Tschechien, allein das ist schon toll.
GETADDICTED: Irgendwelche besonderen Zwischenfälle bisher? Kaputte Instrumente? Ich habe vorhin gesehen, dass dein linkes Crash-Becken einen Riss hat.
Erik: Ja, das ist richtig; der Drummer von Set Your Goals und ich teilen uns ein Drumset für diese Tour, und wir haben bisher fünfzehn Becken in den letzten beiden Monaten geschrottet. Die meisten davon sind in Großbritannien kaputtgegangen, aber das war es wert.
GETADDICTED: Um auf die Anfänge von No Trigger zu sprechen zu kommen – gib uns bitte eine kurze Bandsynopsis.
Erik: Die Band No Trigger gibt es jetzt seit 2000, allerdings bin ich kein Gründungsmitglied. Der einzige, der noch von der Urbesetzung dabei ist, ist Tom, der Sänger. John, der andere Gitarrist und unser Bassist sind jetzt seit fünf oder sechs Jahren an Bord und Tom, der andere Gitarrist und ich sind vor ziemlich genau einem Jahr dazugekommen.
GETADDICTED: Wenn man an Boston denkt, kommen einem zuerst Streetpunkbands wie die Dropkick Murphys, Street Dogs oder vielleicht die Mighty Mighty Bosstones in den Sinn. Wie kommt es, dass ihr eher westlich, bzw. kalifornisch klingt?
Erik: Wir haben einfach schon immer Bands wie Good Riddance oder Kid Dynamite gehört. Mit Good Riddance und Smoke Or Fire haben wir sogar deren letzte drei Shows supportet.
GETADDICTED: …was im Übrigen jammerschade ist.
Erik: Klar, aber Sean, der Drummer von Good Riddance hat jetzt die Real McKenzies, Russ singt ja auch bei Only Crime weiter, die ja sowieso eine Art All-Star-Band sind.
GETADDICTED: Ja, da muss man sich nach all den Jahren umstellen. Was macht ihr, wenn ihr von dieser Tour nach hause kommt?
Erik: Von den letzten zwölf Monaten waren wir nur vier zuhause, den Rest haben wir mit Touren verbracht. Das heißt also, dass wir erstmal eine Zeit lang relaxen werden.
GETADDICTED: Könnt ihr dann eher sagen, dass ihr auf Tour mehr zuhause seit?
Erik (überlegt kurz): Ja, wir nennen es „home away from home“. Wir sind eher unterwegs, als dass wir daheim sind. Deshalb machen wir das Ganze auch.
GETADDICTED: Um auf „Canyoneer“, euer großartiges Album und dessen Artwork zu sprechen zu kommen – wer hat das Teil entworfen und was für ein Gedanke steckt hinter den Gorillas und den Bienen?
Erik: Richard Minino, der Drummer von New Mexican Disaster Squad (Horse Bites Design) hat das entworfen und umgesetzt. Er macht ja nebenher auch viele Designs für CDs und Shirts anderer Bands. Er ist ein Kumpel von uns und irgendwann fragte er uns, ob er eine Scheibe für uns designen solle. Und wir sagten natürlich zu, und wir mochten das Ergebnis sehr. Zugegebenermaßen glaube ich nicht, dass da irgendein Hintergedanke bei den Gorillas und den Bienen ist. Das Wort „Canyoneer“ gibt es ja auch nicht; das ist jemand, der canyont (Gelächter).
GETADDICTED: Vielleicht macht das der Gorilla gerade. Wie sieht es mit einem neuen Album aus? Kommt man überhaupt bei dem exzessiven Touren dazu, neue Songs zu schreiben?
Erik: Also ich für meinen Teil werde wahrscheinlich bis an mein Lebensende touren und um das zu gewährleisten, muss ja auch irgendwann einmal ein neues Album her.
GETADDICTED: …was dann aber wahrscheinlich nicht auf Nitro Record veröffentlicht werden wird, oder?
Erik: Ja, du hast Recht. Nitro wandelt sich grade eher zu einem Kataloglabel und signen kaum mehr neue Bands. Daher haben Crime In Stereo auch Nitro verlassen. Ich meine, alle bei Nitro sind immer supernett, aber ich glaube Dexter Holland (Labelbetreiber und Sänger bei The Offspring) hat es inzwischen satt, sich dermaßen darum zu kümmern, er sieht es inzwischen wahrscheinlich eher als Hobby an.
GETADDICTED: Wie sieht es bisher mit Angeboten von anderen Labels aus?
Erik: Es gibt sicherlich irgendwann welche, aber im Moment sollte man da noch nicht drüber sprechen. Wir müssen erst einmal Songs fürs neue Album schreiben und dann schauen, welches Label uns die besten Möglichkeiten – was das Touren mit einschließt – bieten kann, wie es auch Nitro gemacht hat. Aber ernsthafte Angebote gibt es noch nicht. Wir werden erst einmal Demosongs aufnehmen und damit hausieren gehen.
GETADDICTED: Wie steht es um eure Finanzen? Habt ihr zu hause in Boston „richtige“ Jobs?
Erik: Wir haben da ziemliches Glück mit unserer Situation zu hause. Billys Vater hat eine Baufirma, bei der wir ständig arbeiten können, wenn wir Geld brauchen. Insgesamt hält es uns am Laufen, es ist halt das da, was man braucht. Wenn wir ordentlich Kohle ausgeben wollen, dann müssen wir eben öfter arbeiten, aber für die normalen Dinge, die man sich so mal eben kauft, wie eine CD oder ein Bier im Pub, reicht es schon.
GETADDICTED: Letzte Frage: Mal weg von dem Kram aus den Staaten – welche deutschen Bands magst du?
Erik: Ich mag auf jeden Fall Frontkick und Radio Dead Ones sehr gerne, erstere touren mit Destiny-Tourbooking.






