MUSIKALISCHE GOTTESKRIEGER IM DIENSTE DER HEIMGEREISTEN

 

TASTE OF CHAOS 2006 mit Taking Back Sunday, Anti-Flag, Underoath, Senses Fail, Saosin, Fire in The Attic in Köln

 

Köln hat wohl ein Gespür für leicht chaotische Zustände. So kam es, dass die Taste Of Chaos-Tour 2006 und die Eastpak Antidote-Tour an ein und dem selben Tag stattfinden sollte. Der Sturm auf die Tickets blieb bei beiden hinter den Erwartungen, und so wurden die Veranstaltungen in kleinere Locations verlegt.

Taste Of Chaos wanderte vom Palladium ins E-Werk, so dass zumindest das gut gefüllt war, als Fire In The Attic auf die Bühne kamen. Warum die Bonner ständig nur den Opener geben müssen, ist gegenüber ihrer musikalischen Qualität definitiv nicht gerechtfertigt. Die Jungs legten ordentlich los und eröffneten den Abend viel versprechend. Anschließend spielten Saosin, die momentan mit ihrem gleichnamigen Debüt für viel Furore sorgen. Doch plötzlich hatte man das Gefühl, dass etwas mit dem Sound nicht stimmte. Es war ziemlich laut und extrem breiig. Sänger Cove Reber verstand man kaum und auch sein Auftritt war etwas farblos und träge. Viel Farbe brachten auch Senses Fail nicht mit. Ihr Auftritt beinhaltete auch keine größeren Überraschungen und blieb auch weit hinter den Erwartungen zurück. Das Einzige, was von ihrem Auftritt in Erinnerung bliebm war das Statement von Sänger Buddy Nielsen, dass Leute, die Ecstasy nehmen keine Freunde haben- gut, dass wir das geklärt haben.

Underoath haben zwar keinen Heiligenschein, aber könnte man den bei eBay sich ersteigern, sie würden es tun. Die musikalischen Gotteskrieger wollten sich nach der diesjährigen Warped Tour auflösen, doch die Kraft einer ganzen Gebetswoche hatte sie zum weitermachen animiert. Aber bei ihrem Auftritt half kein Beten, auch hier versackte der Sound und machte vieles kaputt, was auf Platte die Freude an den Songs ausmachte.

Anti-Flag bildeten als Punkband eine musikalische Ausnahmeerscheinung. Nichtsdestotrotz verstanden sie es trotzdem, die beste Band des Abends zu werden. Der Sound wurde etwas besser und Chris#2 brachte endlich mal Farbe ins Spiel. Ihre Songs und ihre Bühnenpräsenz stellten alles Bisherige in den Schatten. Solchen Einsatz hätte man auch gerne von den anderen US-Bands gesehen, was aber nicht sein sollte an diesem Abend. Zu Anti-Flag ist noch zu erwähnen, dass sie gerade eine EP zu ihrer aktuellen Single „This Is the End“ herausgebracht haben.

Er erinnerte an Bob Dylan, als Taking Back Sunday-Sänger Adam Lazzara auf die Bühne kam. Mit Akustikgitarre und Mundharmonika trällerte er einen TBS-Song „unplugged“. Viele fragende Gesichter standen plötzlich vor ihm und er gab postwendend auch Antwort: Gitarist und Sänger Fred Mascherino musste kurzfristig aus familiären Gründen in die Staaten abreisen. Vor die Wahl gestellt, alle weiteren Gigs zu canceln oder zu improvisieren, entschieden sich Taking Back Sunday für letzteres. So trällerte Adam noch ein Cure-Cover, vergaß dabei auch den Text und war sichtlich froh, dass es ab dem dritten Song einigermaßen normal weiter gehen konnte. Die Rolle von Fred Mascherino übernahmen andere Musiker aus den begleitenden Tourbands. So spielten die Gitarristen von Saosin und Senses Fail größtenteils die sechs Saiten und Underoath-Drummer Aaron Gillespie mimte den zweiten Sänger, was er gar nicht mal so schlecht machte. Auch ein begleitender Soundtechniker musste ans Mikro, was auch lustig anzusehen war, doch stimmlich etwas Schräglage hatte. Auch wenn vieles nicht passte, einen großen Respekt an TBS für ihre Entscheidung, die Tour durchzuziehen. Das Chaos passte zum Namen der Tour.

Wie im letzten Jahr kam es wieder eine kleine Bühne, die die Umbaupause auf der großen Bühne mehr oder weniger überbrücken sollte. Erwähnungswert waren dabei nur zwei Bands aus dem Hause Ass-Card Records. Zum einen die Münster-Dortmund Fraktion My Favorite Chord und die Kölner Lokalcombo Nothing In Common, die gerade mit „Metacrash Awareness“ ein brandneues Album auf den Markt geworfen haben, deren Release Party am 25.11 im Kölner Underground sein wird. Tipp: HINGEHEN!

 

 

Text: Markus Tils