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DIY-STRUKTUREN, SPENDENBECKER UND OSTERHASEN
Interview mit Trainwreck
Essen / Cafe Nova / Keller / Stuhlkreis / Trainwreck
Auf los geht´s los.
Los!
GETADDICTED: Trainwreck gehören nicht zu den besten Hardcore-Bands
der Gegenwart, weil…?
Martin: …es bessere gibt.
Marc: … Hardcore tot ist…
Timo: …und nie existiert hat.
Martin: Wenn man sieht, welche musikalischen Einflüsse jeder einzelne
in die Band mit einbringt, ist Trainwreck mehr als Hardcore, auch wenn
es aus der Musik nicht richtig rauszuhören ist.
Timo: Im Endeffekt ist es egal, die Schublade stimmt.
GETADDICTED: Was ist euch persönlich wichtiger als die Existenz
der Gruppe?
Marc: Bier…das war ein Witz.
Timo: Das hat Marc durchaus ernst gemeint.
Felix: Nicht viel. Die Leute, die einem nahe stehen. Da gehören
die Jungs natürlich zu. Familie, Freunde. Dann habe ich mit Karate
noch ein wichtiges Hobby. Allgemein ist mir dieses DIY-Ding wichtiger.
Darin werde ich mich unabhängig davon, ob die Band existiert, weiter
aufhalten.
Timo: Ansonsten ist die Zeit, die wir im letzten Jahr in die Band investiert
haben, auf jeden Fall ein Gradmesser dafür.
GETADDICTED: Sprich, ihr seid fast jedes Wochenende unterwegs gewesen…
Felix: Wir haben eher längere Touren am Stück absolviert.
Im letzten halben Jahr haben wir aber auch an sehr vielen Wochenenden
gespielt, weshalb wir kaum dazu gekommen sind, zu proben und neue Songs
zu schreiben Das ist immer der Zwiespalt. Entweder viel spielen oder
proben und neue Sachen aufnehmen. Wir sind alle sehr beschäftigt
mit unserem Studium oder Job. Da müssen wir uns vorher genau überlegen,
wie wir die Zeit nutzen wollen.
GETADDICTED: Wer ist für das herausragende Artwork der Comadre-Split
verantwortlich?
Felix: Das waren die Jungs von Comadre. Jessy, eine Bekannte von ihnen,
hat die Fotos gemacht, Steven und Juan das Artwork zusammengestellt.
Andreas: Sie haben sich auf jeden Fall darum gekümmert. Das Cover
ist in den USA hergestellt worden und das Vinyl hier.
Felix: Comadre hatten zu Beginn ihrer Tour eine spezielle Siebdruck-Edition,
weil das eigentliche Cover noch nicht fertig war.
GETADDICTED: Euer textliches Leitthem ist die Kritik an monotonen Produktions-
und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Kennt ihr positive Praxisbeispiele,
wie es zur Zufriedenheit aller aussehen könnte?
Andreas: Erstmal ist es nicht wirklich unser Leitthema. In ein, zwei
Liedern kommt es vor.
Marc: Bei mir ist es so: Ich habe ziemlich lange überlegt, was
ich mal werden will. Nach Feuerwehrmann habe ich dann einen Job gewählt,
bei dem ich denke, damit kann man zwei Welten miteinander vereinen.
Ich bin Lehrer für Deutsch als Fremdsprache. Damit tut man nichts
böses und hat manchmal noch die Möglichkeit, sein Umfeld selbst
zu gestalten. Man kann nur schwer ohne Geld leben. Es ist in Ausnahmesituationen
zwar machbar. Aber das muss jeder selber entscheiden. Generell ist arbeiten
scheiße. Man muss arbeiten, um an Geld zu kommen und es ist schwer
daraus auszubrechen.
Felix: Du kannst dem Arbeitszwang nicht entgehen, aber du kannst versuchen,
den Zwang so angenehm wie möglich zu gestalten. Es gibt auch Leute,
die soviel Zeit und Energie in ihre Band stecken, dass sie davon leben
können. Das sollte meiner Meinung nach im DIY-Bereich nicht Sinn
und Zweck der Sache sein. Es gibt vielleicht Ausnahmen, wenn du soviel
tourst und nie zu Hause bist, dass du damit über die Runden kommst.
Wir können das bisher noch, weil wir alle noch studieren und die
Zeit aufbringen können. Es ist nur die Frage, ob wir das ewig so
weiter machen können.
Timo: Ohne den finanziellen Hintergrund, den wir hatten, hätten
wir das auch gar nicht machen können. Du brauchst zum Beispiel
das Equipment.
GETADDICTED: Gibt es da Leute, die euch unterstützen?
Timo: Bei mir waren es früher auf jeden Fall meine Eltern, die
mir meine erste Gitarre gekauft und den Unterricht bezahlt haben. Die
verfolgen auch heute noch wohlwollend das, was ich mache. Marcs Eltern
lassen sich in dem Zusammenhang noch nennen. Jetzt nicht was Trainwreck
angeht, aber in der Zeit davor.
Marc: Aufgrund unserer Exbands war ein gewisser Bekanntheitsgrad schon
da. Ich weiß nicht, wie es bei Engrave war. Aber mit den Eaves,
darüber habe ich mich letztens noch mit dem Benni von 244 GL unterhalten,
waren wir lange eine unbekannte Band, ehe es sich langsam aufgebaut
hat. Bei Trainwreck sind wir direkt auf einem anderen Level eingestiegen.
Felix: Als Eaves sich aufgelöst haben, war es so, dass sich zwei
Leute nicht mehr so sehr damit identifizieren konnten und die nötige
Zeit aufbringen wollten. Deshalb gab es auch interne Streitigkeiten.
Aber drei von fünf wollten das Ding ernster nehmen und mehr Zeit
investieren. Insofern haben wir, als klar war, dass sich die erste Band
auflösen wird, relativ schnell neue Pläne geschmiedet, die
erste Platte aufgenommen, um etwas rauszubringen. Wir haben uns über
den Robert von Adagio an die Burial-Year-Tour drangehangen. Der kannte
uns noch von den Eaves, aber wir hatten während der Planung noch
nicht einmal einen Namen.
Marc: Es gab zu dem Zeitpunkt schon eine Reihe von Verbindungen und
geschlossener Freundschaften.
GETADDICTED: Drehen wir den Inhalt von „Bared Teeth“ um.
In welchen Situation lohnt es sich, den Mund aufzumachen?
Andreas: Es lohnt sich immer den Mund aufzumachen. Es geht nicht darum,
die Klappe zu halten, sondern darum, dass in manchen Situationen Leute
miteinander reden, ohne wirklich aufeinander einzugehen. Entweder hat
man keinen Bock auf den anderen einzugehen, oder verfügt über
einen unterschiedlichen Hintergrund, dass man aneinander vorbeiredet.
An solchen Punkten scheitert manchmal die Kommunikation. Da ist jeder
gefragt, aus dem eigenen Blickwinkel herauszukommen.
GETADDICTED: Gab es während der diesjährigen US-Tour ein
verstärktes Feedback bezüglich der englischsprachigen Texte?
Marc: Auf der Half-Moon-Bay-Show gab es jemanden der meinte, er hätte
sich alle Texte und die dazugehörigen Erklärungen durchgelesen,
aber ein paar Sachen würde er nicht verstehen. Viele der Texte
hätten ihn sehr berührt. Insgesamt gab es weit mehr Feedback.
Die Leute achten dort sehr stark auf die Texte.
GETADDICTED: Hier ist es generell zu beobachten, dass die Texte immer
weniger im Mittelpunkt stehen.
Felix: Ich erkläre mir das so, dass der Mainstream sich immer mehr
dem Hardcore-, Punk- und Emo-Bereich bedient. Es ist nicht mehr die
kleine Subkultur an sich, die sich in ihrem eigenen kleinen Universum
bewegt. Je größer das ganze wird, umso oberflächlicher
werden die Texte wahrgenommen. Auch im DIY-Bereich ist es nicht mehr
so. Es ist oberflächlicher geworden und es geht mehr um die Frisur
und um die neuen tollen Buttons, als dass Inhalte transportiert werden
und darüber diskutiert wird.
GETADDICTED: Der Mainstreambereich ist aber doch schon noch etwas anderes,
als die Subkultur, in der ihr euch jetzt bewegt.
Felix: Es gibt aber Überschneidungen. Bands, die aus dem DIY-Kontext
kommen und sich denken: „Scheiß drauf. Wir können hiermit
jetzt viel Geld verdienen und machen das jetzt.“.
Andreas: Bei einem Schritt auf ein größeres Label wird auch
die Zielgruppe eine andere.
Marc: Da kann man jetzt Pro & Contra sagen, aber generell ist dieser
Schritt aus DIY-Sicht unnötig.
Martin: Das muss jede Band mehr oder weniger für sich selbst entscheiden.
Für uns wäre es kein Thema, zu einem größeren Indie-Label
zu wechseln.
Marc: Wir brauchen diese Art von Strukturen und Background nicht.
Timo: Die Frage ist: Welche Intention steckt dahinter? Mal angenommen,
eine Plattenfirma würde zu uns kommen und sagen: „Hier habt
ihr Geld für Plattenaufnahmen.“. Für was machst du das
Ganze dann?
Martin: Um noch mal auf deine Frage zu den Texten zurückzukommen.
Viele Sachen wiederholen sich auch immer wieder. Wir von der Band bewegen
uns jetzt zehn, fünfzehn Jahre in diesem Umfeld, kaufen Platten
oder CDs. Da ist es auch einfacher, Texte wegzulegen, weil du denkst,
genau so was hast du schon vor zehn Jahren gelesen. Genau den selben
Text mit anderen Worten.
Andreas: Ich grabe jetzt in den Texten auch nicht den Stein der Weisen
aus.
Felix: Innerhalb dieser DIY-Szene gibt es immer wieder einen Generationenwechsel.
Es ist wichtig, dass 14,15-Jährige ihren Input bekommen. Auf der
anderen Seite ist es für die ältere Generation ein Predigen
von Überzeugungen. Es ist wichtig, nicht nur Texte von vor zehn
Jahren umzuformulieren, sondern das Ganze aus einer anderen Perspektive
heraus zu betrachten.
Martin: Ich wollte auch nicht sagen, dass es nicht wichtig ist, sondern
nur, dass man leichter verleitet wird, wenn man noch mal so einen Text
vor Augen hat, ihn schneller wegzulegen. Weil man sich schon seit zehn
Jahren damit auseinandersetzt.
Andreas: Das liegt vielleicht daran, dass du schon etwas älter
bist…
GETADDICTED: Seht ihr eine missionarische Aufgabe in euren Texten?
Andreas: Nö.
Timo: Missionarisch ist übertrieben.
Felix: Klar sollen die Texte eine bestimmte Aussage haben. Sonst könnten
wir auch über Drachen und Ritter Texte schreiben.
Marc: Orks!
GETADDICTED: Die Liebe!
Andreas: Können wir auch!
Timo: Liebe ist überall mit dabei.
Pause!
Trainwreck müssen mal kurz auf die Bühne
Weiter!
GETADDICTED: Wenn ich mir Aufnahmen der Übersee-Auftritte anschaue,
denke ich: „Das sieht nicht anders aus als bei uns“. Wo
lagen, mal abgesehen vom Ländle, die grundlegenden Unterschiede.
Marc: Wie wir vorhin schon gesagt haben, gab es mehr Feedback.
Felix: Die Leute dort sind größtenteils wesentlich jünger.
In den USA sind die Leute kommunikativer und haben keine Berührungsängste.
Was ich krass fand, dass Bands mit denen wir gespielt haben, auf ihre
Gage verzichtet haben, weil sie wussten, dass wir unsere Flüge
bezahlen mussten. Und das obwohl sie uns überhaupt nicht kannten.
Ich hatte das Gefühl, die Solidarität unter den Leuten ist
größer.
Timo: Fremde Leute haben uns zum Beispiel einfach zum Essen eingeladen.
Felix: Unser Merch-Guy Chris, den wir mitgenommen hatten, hat sich einen
Spendenbecher hingestellt und der war jeden Abend bis oben hin gefüllt.
Jeder gibt da einen Dollar rein…
Marc: …oder sogar zwanzig.
Felix: Das ist ganz normal, dass man sich gegenseitig unter die Arme
greift. Das würde ich als größten Unterschied ansehen.
Hier läuft es oft getrennter voneinander ab und man ist den Leuten
misstrauisch gegenüber.
Marc: Eintritt auf Shows war eher eine Seltenheit. In den USA geht man
eher mit dem Pott durch die Masse oder stellt ihn am Merchtisch hin.
Was die dort widerum toll fanden, dass in Europa alle Bands immer etwas
zu essen bekommen und Schlafplätze garantiert haben. Das ist da
drüben nicht selbstverständlich. Wir hatten noch ziemliches
Glück, weil Comadre einige Leute kannten. Wobei wir trotzdem einige
ziemlich heftige Geschichten erlebt haben. Wir haben einmal bei einem
ziemlich krassen Typen übernachtet, aber am Ende wurde zum Glück
alles gut.
GETADDICTED: Wird geschäftliches, sprich Plattenveröffentlichungen,
in eurem Fall noch per Handschlag abgewickelt, oder gibt es notariell
beglaubigte Verträge?
Felix: Bisher haben wir immer nur etwas mit Freunden gemacht.
Timo: Noch nicht mal per Handschlag. Höchstens mündlich, wenn
überhaupt.
Andreas: Es gibt überhaupt keinen Vertrag.
Martin: Und das ist auch ganz gut so.
Marc: Es ist viel Vertrauen da. Bei Freunden wissen wir auch, worauf
wir uns einlassen. Natürlich kann ab und zu etwas mal nicht so
gut funktionieren, aber insgesamt können wir uns nicht beschweren.
GETADDICTED: Wann ist mit dem nächsten Trainwreck-Mach(t)werk
zu rechnen?
Felix: Das nächste wird eine Vierer-Split mit Perth Express, Zann
und Ghostlimp. Eine Twelve-Inch mit je zwei Bands pro Seite, die beim
Robert auf Adagio rauskommen wird. Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft
mehr zu proben und sobald es die Zeit erlaubt, neue Songs zu schreiben.
Wir würden uns wünschen, 2008 noch eine Ten-Inch zu machen.
Wenn nicht soviel dabei herum kommt, eine Seven-Inch. Leider hat der
Typ in dem Studio, in dem wir bisher aufgenommen haben, gerade kein
Bock mehr auf den Kram. Deswegen müssen wir uns da noch etwas neues
suchen.
Andreas: Die Split mit Patterns!
Felix: Richtig, habe ich fast vergessen. Patterns – großartige
Band und Freunde von uns.
Martin: Wir sollten die Idee noch nicht verraten.
GETADDICTED: Die Deutsche Bahn-AG hat vor kurzem eine Unterlassungsklage
auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, dass ihr euren Bandnamen ändert.
Wie reagiert ihr auf den Vorwurf, Trainwreck würden Zugunglücke
glorifizieren und damit indirekt zu Sabotage-Akten aufrufen?
Timo: Da haben sie recht.
Felix: Kann man so unterschreiben.
Martin: Wir ballern die Bahn nieder.
Felix: Jeder der eine Trainwreck-Platte zu Hause stehen hat, schmeißt
sich spätestens nach einem halben Jahr vor die Bahn und dann gibt
es Verspätungen.
Andreas: Wenn die uns verklagen, machen wir sie kaputt.
Martin: Sagen wir mal so: Wenn die uns verklagen, geht Andi vor und
haut sie kaputt. Wenn sie dann am Boden liegen, kommen wir nach und
treten noch mal rein.
Marc: Er hat einschlägige Erfahrungen in Pumas töten. Der
Mountainlion-Killer
GETADDICTED: Wie alt seid ihr gewesen, als ihr erkannt habt, dass das
Christkind nur ein Bluff ist und in Wahrheit der Weihnachtsmann die
Geschenke bringt?
Marc: Der Coca-Cola-Mann meinst du?
Martin: 27.
Andreas: Was erzählst du denn hier? Christkind, Weihnachtsmann,
das verstehe ich nicht. Ernsthaft.
GETADDICTED: Glaubst du an den Weihnachtsmann?
Andreas: Wer denn nicht?
GETADDICTED: Es gibt atheistische und nihilistische Kreise, die dir
widersprechen würden.
Andreas: Das sehe ich anders.
Timo: Beim Weihnachtsmann hört der Spaß auf.
Andreas: Wenn es Geschenke gibt, hört der Spaß auf!
Timo: Wir beten auch den Osterhasen an.
Andreas: Der ist anbetungswürdig, obwohl er immer alles versteckt.
Der Arsch!
GETADDICTED: Das schlimmste Präsent, das ihr je zu Weihnachten
bekommen habt, war…
Felix: …ein Buch von meinem Bruder mit dem Titel „Wir sind
besser als wir glauben“. Vorne auf dem Cover eine Hand in Deutschlandfarben,
die den Daumen hoch zeigt. Es war schon ziemlich krass zu sehen, dass
mein Bruder überhaupt keine Ahnung von mir hat.
Martin: Ich habe mal von meinem Vater das Neue Testament geschenkt bekommen.
Marc: Meine Mutter hat mir eine zeitlang immer Soldatenfilme geschenkt.
Weil es die immer günstig bei uns im Supermarkt gab. Das war in
der Eaves-Zeit. Zum Beispiel „Der Soldat James Ryan“. Irgendwann
hab ich gesagt: Mama schenk mir bitte etwas anständiges…
Andreas: …Socken.
Marc: Kriegsgeschenke.
GETADDICTED: Auf speziellen Wunsch: Marc, erzähl bitte zum Abschluss
den blödesten Witz, der dir einfällt.
Marc: Jetzt werden alle gehen…
Einer meiner momentanen Lieblingswitze: Was ist geheim und steht auf
dem Herd? --- Topf Secret!
Machen wir es ein bisschen anspruchsvoller…
Warum liegt in London immer Schnee? --- Wegen dem :Tower:
Was ist der Unterschied zwischen einem Wüstenbewohner und einem
Klempner --- Der eine scheißt in der Wüste und der andere
wüstet in der Scheiße.
Ende!






