"UND DANN FÄLLT DER STROM AUS ..."

 

Interview mit Trip Fontaine in Dortmund 2008

 

Die Frankfurter Trip Fontaine spielten diesen Abend als Vorband von Slut in der Livestation zu Dortmund auf und zeigten in einer beispiellosen akustischen Schlacht, was es heißt, wenn eine Vorband den Hauptact and die Wand spielt. Als Waffe hatten die fünf Herren ihr grandioses Album „Dinosaurs In Rocketships“ gewählt. Nach einer schweißtreibenden Show, die mit großem Beifall und Plattenkäufen gewürdigt wurde, standen sie uns backstage Rede und Antwort.

 

GETADDICTED: Ihr habt ja schon eine längere Tour in einem größeren Rahmen hinter euch. Habt ihr das Booking selber gemacht oder wie lief das ab?
Trip Fontaine: Ja, das machen wir komplett selber. Bis auf heute und gestern ist das Ganze auch sonst ein bisschen mehr über die DIY-Schiene gelaufen...
GETADDICTED: ... zum Beispiel über Myspace, wo ihr noch Showdates gesucht habt. Was habt ihr denn letztendlich am 28.03 (Für diesen Tag suchte die Band last-minute noch eine Auftrittsmöglichkeit, Anm. d. Red.) gemacht?
Trip Fontaine: Da waren wir in Freiburg und haben „Die Welle“ im Kino geguckt. War ein bisschen schrottig...
GETADDICTED: Schrottig? Warum?
Trip Fontaine: Ja, fand ich schon. Die Message, die am Ende rumkommt ist auf jeden Fall sehr flach. Aber das ist die Story an und für sich ja auch. Ich hab das Buch zuletzt in der dritten Klasse gelesen, und da war ich hinterher so down mit dem was passiert und dann... na ja., wir haben für den Tag halt leider keine Show mehr bekommen.

GETADDICTED: Wie kam es jetzt dazu, dass ihr Slut supportet?
Trip Fontaine: Das hat die Visions gemacht. Gestern haben wir beispielsweise mit EL*KE gespielt. Ganz anderes Publikum natürlich.
GETADDICTED: Jetzt ja eigentlich auch. Als ihr fertig wart, ist das Durchschnittsalter mal locker um zehn Jahre gestiegen. Thema Merch: Auch alles DIY bei euch?
Trip Fontaine: Die Buttons (Riesengroße, in allen Farben funkelnde Unikate, Anm. d. Red.) haben wir alle selbst gemacht, die T-Shirts mit dem Dino haben wir auch selbst gedruckt. Die vierfarbigen Disco-Shirts haben wir aus Zeitgründen drucken lassen, aber wenn’s geht, machen wir gerne alles selbst.
GETADDICTED: Klamottenfrage 2: Ihr seid komplett eingedeckt mit „unitedskateboardartists“-Stuff, wie kommt’s?
Trip Fontaine: Liegt wohl daran, dass wir keine sauberen Klamotten mehr haben (Gelächter aus allen Ecken). Das Ganze ist nach einer gemeinsamen Show mit Flyswatter in Frankfurt entstanden, Kryshi (damaliger Gitarrist der aufgelösten Band und Mit-Chef von unitedskateboardartists) fands super damals und hat sich dann irgendwann gemeldet: „Ich finds super, ihr könnt Klamotten von uns haben.“ Aber Rollbrettfahrer ist jetzt keiner von uns.

GETADDICTED: Wir haben da mal ein bisschen Myspace-Stalking betrieben und sind über eure Seite auf eine 15-jährige Dame aus Brasilien gestoßen, die als ihre Lieblingsband Sepultura, Incubus und euch angibt...
Trip Fontaine: ... das hat wohl was mit Klaus’ Verwandtschaft in Brasilien zu tun. Da ist die Platte wohl schon über den Teich geschwappt.
GETADDICTED: Wann kommt die Südamerika-Tour?
Trip Fontaine: Wüsste nicht wie ich das booken soll.
GETADDICTED: Machst du das ganze Booking alleine?
Trip Fontaine: Ja, eigentlich schon. In Österreich hat uns eine befreundete Band, Dimitrij, geholfen, in Italien kenne ich auch ein paar Leute, so kommt das halt zusammen. Die Österreich-Konzerte sind auch immer super, die in Italien auch, aber immer recht abenteuerlich: Da kommt man um acht Uhr am Club an, irgendwann kommt der Mischer, dann gibt’s Essen, und zwar richtig viel Essen, dann chillen erstmal alle, dann machst du vielleicht um ein Uhr Soundcheck, um drei geht’s dann los – und dann fällt der Strom aus. Kein Witz, ist uns echt passiert. Eigentlich fast jedes Mal etwas in der Richtung. Heute abend muss auch noch irgendwie abstrus enden, hab ich jedenfalls vor. Morgen gehts wieder zur Uni.
GETADDICTED: Wird ja auch mal langsam wieder Zeit, oder?
Trip Fontaine: Wenn wir noch mehr hätten spielen können, hätten wir’s natürlich gemacht. Aber für komplett selbstgebastelt ist die Tour schon ziemlich gut gelaufen. Wir hatten das Album ja nicht draußen, als wir die Tour gebucht haben. „Hallo liebe Clubs, wir haben irgendwann mal ein Album rausgebracht, davon spielen wir auch keine Songs mehr, aber wenn wir in zwei Monaten auf Tour kommen, ist unser neues Album draußen“, das ist natürlich nicht – sag ich mal – „Selling Point Nummer Eins“ für einen Club, uns zu buchen.
GETADDICTED: Songs von der „Lilith“ wird man von euch live also nicht mehr hören?
Trip Fontaine: Wir haben die damals halt unglaublich viel und wirklich totgespielt. Kein Bock mehr, die zu spielen.

GETADDICTED: Ihr macht ja wirklich nicht die Standard-Plattenregal-Musik. Wo seht ihr denn so eure Einflüsse?
Trip Fontaine: Bands, die wir alle gut finden, wären auf jeden Fall Refused, At The Drive-In, On The Might Of Princes (aus dem Hintergrund:“Beatles...“) ja, das passt, so als gemeinsame Basis. Bands, die schon harte Musik gemacht haben, wo man aber nie das Gefühl hatte, „die wollen nur draufhauen“, sondern man gemerkt hat: „Die haben Bock. mehr zu machen, die bleiben nicht stehen“.
GETADDICTED: Wie empfindet ihr selbst, wie eure Musik beim Publikum ankommt? Massentauglich oder eher Geheimtipp?
Trip Fontaine: Es ist schon so, dass die Leute nicht anfangen zu tanzen, wenn wir irgendwo zum ersten Mal spielen. Keine Punkrockshow im besetzten Haus, „Eins-zwei-drei-vier“ und die Leute gehen ab, obwohl sie die Band noch nie gesehen haben. Die besten Shows sind für uns eigentlich immer die, wo man am Anfang noch gar nicht weiß, wie’s den Leute gefällt und dann vielleicht so nach dem dritten oder vierten Song merkt, dass das Klatschen halt lauter wird und sich das Ganze dann gegen Ende hin immer mehr steigert und die Leute am Schluss sich dann auch mal gehen lassen. So wie es heute auch war. Die ganze Tour war eigentlich ziemlich angenehm. Früher hatten wir das schon, dass die Punker dann halt gar kein Bock auf uns hatten, nach dem Motto: „Spielt mal schneller oder haut ab!“ Mittlerweile kennen auch schon ein paar Leute unsere Platte.

GETADDICTED: Wir haben hier auch eine Frage aus dem Publikum: Jemand möchte wissen, wie schwer es ist, die beiden Afros zu pflegen.
Trip Fontaine: [Gelächter] Ja, die wachsen halt einfach so. Kommt auf die Tagesform an und ob sie geduscht sind oder nicht.
GETADDICTED: Duschen die oft?
Trip Fontaine: Die Beiden schon, ja.
GETADDICTED: Und ihr nicht?
Trip Fontaine: Nee, wir sind Punker. (Alex wirft ein: „Ich bin ein reinlicher Punker!“)

GETADDICTED: Fünf Songs für den Tourbus?
Trip Fontaine: The Bronx mit „Heart Attack American“, dann „Brick House“ von den Commodores, „My Sharona“ auf jeden Fall, From Monument To Masses haben wir auch die ganze Zeit gehört... und He-Man! – Machst du noch mal den Orko, bitte? – „Aber Heee-Maaan!“

GETADDICTED: Letzte Frage, bisschen nerdig: Wir haben in eurem Blog ein Foto von euch im uphon-Studio gefunden, da zockt ihr „Super Probotector 2“ auf dem SNES. Wie weit seid ihr gekommen?
Trip Fontaine: (einstimmig laut grölend) DURCH! Auf „hard“! Das Level mit dem Hubschrauber hat uns auf jeden Fall gut Nerven gekostet.

 

 

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