GEWALT UND MELODIE AUF REZEPT

 

Verse, To Kill & Honour Among Thieves im Cafe Nova, Essen // 11.01.2008

 

Rhode Islands Verse und To Kill aus Italiens schöner Hauptstadt gaben sich die Ehre in Essens sympathischer Konzertkneipe. Dazu holten sie sich die Londoner Honour Among Thieves sowie Against Your Society aus Mönchengladbach und die Ibbenbürer Storm & Stress ins Boot – fertig ist die Vorraussetzung für einen Abend feinsten HC-Punks, bei dem garantiert keine Langeweile und noch weniger trockene Shirts nach Showende aufkommen können. Ein kleines ehrliches Hardcore-Fest von, für und mit Freunden. Und ein gelungenes Statement gegen Fashioncore und.Tough-Guy-Shit.

 

Obwohl nicht unbedingt gängiger Usus, hielt sich der Veranstalter dieses Mal an die angekündigten Einlass- und Beginnzeiten, so dass bei unserer Ankuft um 19:45 Storm & Stress ihren Auftritt schon hinter sich gebracht hatten. Anschließend servierten die Mönchengladbacher Jungs von Against Your Society auf der kleinen Nova-Bühne eine halbe Stunde lang ihren flotten Youth Crew-Hardcore, den der geneigte Hörer sich auch in Form ihrer 7“ „The Strengh We Share“ auf den heimischen Plattenteller holen kann. Das Nova füllte sich langsam aber stetig, die bereits Anwesenden waren allerdings noch nicht in Bewegungslaune.

Für die nächste geschätzte halbe Stunde übernahmen dann die Engländer Honour Among Thieves die Beschallung der Gäste und gaben direkt mal ordentlich Kette mit einem kompromisslosem Gemisch aus etwas postpunkigen Klängen und jeder Menge straightem Hardcore. Sänger Sheep raste auch gern mal durch den sich langsam anbahnenden Pit. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, war er mit Herzblut am Werk – im wörtlichsten Sinne: Inmitten des letzten Songs konnte der krankheitsgebeutelte Kollege Sheep sich nicht mehr zurückhalten und verteilte seinen Mageninhalt vor der Bühne – Nudeln, lecker – nur um sich direkt danach auch noch schön die Pläte mit einer suppenden Platzwunde zu verzieren. Sehr sympathisch dafür seine Entschuldigung ans Catering, es habe nun wirklich nicht am Essen gelegen. Zwischen den Songs gabs immer wieder ein deutliches „Fuck You!“ an ebenfalls virenähnlich grassierende Trends im Hardcore: „It doesn’t matter what’s fucking on your head, but in your head.“ – Yeah Right! Applaus auch vom wunderbar poserfreien Publikum.

Ebenfalls sinnvolles zu sagen hatte auch Sänger Josh der nachfolgenden italienischen Straight-Edger To Kill. Die präsentierten ihren ganz eigenen Mix aus Gewalt und Melodie und spielten sich einmal quer durch altes wie neues Material mit Fokus auf dem 2006er Album „Vultures“. Die Menge war nun definitiv aufgetaut und stimmte frenetisch in die massigen Singalongs ein, die ersten flogen durch den Saal und vor der Bühne war richtig Action im Gange – die Show machte zunehmend mehr Spaß. Zwischen seinen Passagen hustete Josh durchgehend vor sich hin und machte trotz aller Bemühungen einen angeschlagenen Eindruck, wurde dennoch nicht müde zu betonen, wie dankbar die Band sei, ihre Musik machen zu dürfen und damit um die Welt zu kommen und neue Freundschaften zu schließen. Karmapunkte +10 an dieser Stelle.

Als Verse schließlich die Bühne betraten, war es schlicht voll. Keine Frage, für welche Band die Leute hauptsächlich gekommen waren; bei den ersten Akkorden des Openers „Hard To Breathe“ vom zweiten Album war kein Unterschied mehr zwischen Bühne und Publikum auszumachen, lediglich ein breiiger Sumpf menschlicher Extremitäten grölte aus vollem Hals mit. Über diese Band muss man keine Worte verlieren, wer sie nicht kennt, führe sich bitte ihre Alben „Rebuild“ und „From Anger And Rage“ zu Gemüte, die gibt’s beim Arzt auf Rezept für ausnahmslos gute Musik. Am Ende des Sets war dann wirklich auch der letzte schweißgebadet – wie’s sich gehört. Hurtig raus, Merch gucken, rausfinden, dass man kein Geld hat, kurz ärgern, schnell Flyer mitnehmen und auf’s nächste Großfamilientreffen freuen.
Nur eine Frage blieb im Kopf, als man glücklich den Heimweg antrat: Warum um alles in der Welt war im Nova die Heizung an? Voll aufgedreht, kein Scherz übrigens.

 

Text: Philipp Schulte
Fotos: Mathias Schumacher