Konzert

Ein kleiner Abschied

1LIVE Radiokonzert mit Biffy Clyro // 22.01.2013

In England machen sie die Wembley Arena voll, in Köln das E-Werk. Auf 1LIVE läuft „Black Chandelier“ rauf und runter. Das Radiokonzert in Neuss ist also ein kleiner Abschied: In kleinem Rahmen wie im Luxor oder Gebäude 9 wird man Biffy Clyro die nächsten 25 Jahre wahrscheinlich nicht mehr sehen.

Biffy Clyro, Foto: Jens BeckerDas Globe in Neuss ist dagegen nur halb so groß wie die kleineren Clubs: Das Theater ist der Original-Shakespeare-Spelunke nachempfunden. Ganz hinten steht man in der zehnten Reihe, auf den Oberrängen sind Sitzplätze – und davon nur die ersten Reihen belegt. Klein, intim – und: kalt! Der Laden wird nämlich nur für Shakespeare-Festspiele im Sommer genutzt und hat keine Heizung. Pünktlich um 21:03 kommen Biffy Clyro auf die Bühne, trotz der Kälte oben ohne – also mit Nippelalarm. Aber der hält sich bei Simon Neil, den Johnston-Brüdern nicht lange. Bei Live-Gitarrist Mike Vennart eh nicht – der Feigling trägt Hemd!

„Stingin' Belle“ und „The Captain“ gibt’s zum Auftakt. Das kleine Publikum ist vorsichtig euphorisch dabei, und bleibt es auch über die gesamte Zeit. Simon Neil drischt wie gewohnt mit seinem Plektrum Furchen in seine wechselnden Gitarren, die er fast in den Achselhöhlen klemmen hat. Und das vor allem bei „älteren“ Stücken wie „Who's Got A Match“. Dazwischen streuen Biffy Clyro Neues vom Album „Opposites“, das erst drei Tage später erscheint. Mit Songs wie „Bubbles“ oder „Mountains“ entsteht nach einer knappen Stunde in den Reihen 2 bis 8 zunehmend ein Pit. Simon Neil wütet über die Bühne, bei „That Golden Rule“ fliegen ihm die In-Ear-Kopfhörer für den Monitor-Sound aus den Ohren, er dreht sich nach hinten, verprügelt vor seinem Verstärker kniend sein Instrument. Der Mitsing-Anteil der Leute bei „Mountains“ kommt im Vergleich zu Simons leidenschaftlichem Geschredder dagegen etwas schwachbrüstig daher. Vor allem, weil der für die Location erstaunlich gute Sound zunehmend brachialer und lauter rüberkommt. Nach einer Stunde ein kleiner Schreck: Mit „Mountains“ endet die eigentliche Playlist. Schlagzeuger Ben wirft seine Sticks in die Menge (und trifft zielsicher die Ecke der Visions-Leute).

Aber auch wenn die 1LIVE-Radiokonzerte klassisch auf eine Stunde angelegt sind: eine Drei-Song-Zugabe gibt’s noch, mit dem akustischen „Machines“, und mit dem abschließenden „Living Is A Problem Because Everything Dies“. Damit mähen Biffy Clyro noch einmal alles nieder. Von hier treibt es die Schotten in den großen Strom, den Rhein runter, in die großen Hallen. Schüss! Bis die Tage.

Biffy Clyro, Foto: Jens Becker

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