Immer wenn Bands aus einem der "Progressive"-Genres eine Bühne entern, ist die Zahl der Arme-Verschränker und Solo-Abgucker im Publikum eklatant hoch. Aber erfreulicherweise lässt sich selbst die Mucker-Polizei an diesem Abend im Dortmunder FZW zu einem rhythmischen Kopfnicken hinreißen. Kein Wunder - die Amerikaner Baroness haben mit ihrem "Blue Record" eins der besten Prog-Metal-Alben des vergangen Jahres hingelegt.
Wobei ... mit der Schublade Prog-Metal tut man dem Quartett eigentlich Unrecht. Die Mannen um Sänger und Gitarrist John Baizley neigen zwar zu komplexen Songstrukturen und vertrackten Rhythmen, aber fischen mit ihren brachialen Ohrwurm-Walzen auch kräftig im Hardcore, Stoner-Rock und Doom-Metal. Was auch immer es ist - das Publikum im gut gefüllten FZW-Club nimmmt die 70 Minuten präziser Brachial-Melodien hochbegeistert auf.
B
evor sich aber die Jungs aus Georgia ans Arbeitsgerät stellen, darf die deutsche Band BLCKWVES als Opener ran, was an dieser Stelle dringend lobend erwähnt werden muss, denn der Vierer verzichtet nicht nur auf Vokale, sondern auch auf Vocals und bietet dabei schleppenden Instrumental-Krach auf höchstem Niveau. Irgendwo zwischen Kyuss, Isis, Crowbar und Black Sabbath stampft der Vierer duch überlange Tracks, die auch ohne Gesang mit coolen Drum-Ideen und epischen Gitarren-Bögen überzeugen. Sehr schöne Überraschung.
Als Baroness dann endlich auf die Bühne kommen, wird nicht lange gefackelt. Nach dem Intro "Bullethead's Psalm" geht es gleich mit "The Sweetest Curse" vom akuellen Album "Blue Record" in die Vollen. John Baizley hat sich offensichtlich vorgenommen, eine Menge zu schwitzen und bietet - wenn er gerade mal nicht shouten muss - eine Grimassen-Parade, die an Schrägheit nur noch von seinem Bassisten-Kollegen Summer Welch übertroffen wird.
Den Großteil des Abends ist Baizley allerdings damit beschäftigt, seine Wut in das bedauernswerte Mirko zu brüllen und nebenbei die vertrackten Songs runterzuriffen, als sei es nichts. Die Band konzentriert sich verständlicherweise auf den hochgelobten aktuellen Longplayer und das Vorgängerwerk "Red Album", bietet für ganz frühe Fans aber auch zwei Stücke von den ersten beiden EPs. Für jene frühen Fans richtet Baizley auch das einzige Mal an diesem Abend das Wort ans Publikum: In der ersten Reihe erkennt er einen Besucher, der schon 2005 bei einem Baroness-Konzert in Bonn gewesen war und bedankt sich sichtlich gerührt, aber ohne Pathos für die Unterstützung solch ausdauernder Fans, ohne die die Band natürlich nicht da wäre, wo sie heute ist, keine Platten verkaufen würde und nicht touren könnte ... was halt so gesagt wird, wann eine Band auf einer Bühne steht. Aber irgendwie nimmt man dem Mann seine kurzfristige Ergriffenheit wirklich ab. Dann ist aber kein Platz mehr für Weicheierei und es gibt als Zugabe noch zweimal kräftig was auf die Omme.
