Bitte halb rechts Richtung Pechsträhne abbiegen
Gallows und Kmpfsprt live in Köln
Gebäude 9 // 16.07.2012
Was ist schon von einem Tag zu erwarten, der morgens mit der Erkenntnis beginnt, dass ein minutiös durchgeplanter Tag mit drei Stunden Verspätung beginnt. Ein Bericht über Regen, Rutschen und rotem Energiedrink oder: Wie sich Freitag der 13te auf den Montag vertagte.
Am Anfang war alles normal. Der Herbst übergibt den Staffelstab an den Winter, der Winter an den Frühling und nimmt ihm diesen nach kurzer Überlegung gleich wieder aus der Hand. Auf der Strecke bleibt der Sommer, der ist schwach und kann sich nicht wehren. "Seasons fail", würde der Engländer sagen, wenn es einmal nicht so läuft wie in diesem mitteldeutschen Sommer.
Wer denkt, wir hätten Freitag den 13ten überlebt, der kennt nicht seinen großen Bruder: Montag, 16. Juli 2012.
Es regnet in Strömen und wir verpassen die erste Ausfahrt. Zehn Kilometer umsonst zurückgelegt. Vor lauter Gewitter und Regengeprassel hören wir weder die Musik noch unsere eigenen Stimmen oder die Stimme des Navis. Und schon wieder die Ausfahrt verpasst. Weiter geht's: Stau am Kreuz Leverkusen. Die A3 Richtung Köln ist wegen menschlichem Unvermögen und akuter Fahruntüchtigkeit von mindestens zu vielen Personen total dicht. Das Fotoshooting mit Gallows können wir mittlerweile vergessen.
Wir umschiffen die A3 und bleiben auf der A1, um dann innerstädtisch weiter Richtung Messe zu fahren. Die Regengüsse werden zu Schauern, die Autobahn wird zur Schnellstraße und die - Rumms! - die fahrenden Autos zu stehenden. Klassischer Fall von Auffahrunfall bei zu nasser Straße. Gedächtnisprotokoll der Konversation:
"Verdammter Scheiß-Tag!" "Der hätte aber auch schneller anfahren können." "Toll, sag das mal den Bullen." "Zum Glück fährt der Wagen noch." "Aber meine Motorhaube sitzt 15 Zentimenter höher, Mann! Außerdem komm ich gerade erst aus der Werkstatt" "Jetzt sollten wir schneller einen Parkplatz finden, das Auto ist jetzt ja kürzer." "So langsam sollten wir aber mal den Pechzenit erreicht haben für heute." Hatten wir nicht.
"mhmh mhmh...until last June meant nothing to me", summen wir vor uns hin, während wir den Unfallort zum Gebäude 9 verlassen. "Danke, wir waren Kosslowski aus Bochum-Wattenscheid", schallt es uns entgegen. Toll, schon wieder was verpasst. Das letzte Stück klang zumindest vielversprechend.
Besser bekannt ist hingegen die Band ohne Vokale aus Köln: Kmpfsprt. Großes Tennis, da alle Bandmitglieder ihr Lehrgeld bereits bei anderen Bands bezahlt haben und von nun an nur noch in Affengeld bezahlt werden wollen. Als sie beim Smaltalk vor ihrem Auftritt von unserem Autounfall erfahren, sind sie froh, dass uns nichts passiert ist. Auf der Bühne zeigen sie sich dann schadenfroh: "Wir haben heute schon von Pechstränen und Autounfällen gehört, dabei geht bei uns sonst immer alles kaputt, wenn wir spielen." Würde Sänger Richard den sportlichen Gedanken nicht so unheimlich ernst nehmen und auf Konzerten unseren Fotografen Arek ständig anspucken. Demnächst wird er eingepfercht und kommt zu den anderen Lamas in den Zoo - Kmpfspckn.
Wer Gallows mit neuem Sänger Wade in diesem Jahr noch nicht auf dem Groezrock oder auf Rock am Ring gesehen hat, ist besonders gepannt, wie er sich als Frank Carter-Nachfolger macht. Wade erzählt uns kurz vorher, wie aufgeregt er gerade in Belgien war - es war einer seiner der ersten Auftritte mit Gallows überhaupt. Doch wie schon im April ist jetzt auch in Köln von seinem "Lampenfieber" nichts zu spüren, als er die Bühne betritt - er explodiert regelrecht, wirkt wie in Trance. Das macht Eindruck beim Publikum, dass noch einen Sicherheitsabstand vor der Bühne lässt, um den "Neuen" ersteinmal zu mustern. 
Gallows werden von ihren Fans gefeiert, auch wenn die Meinungen über den Neuzugang auseinander gehen.
Die Mehrheit scheint mit Wade aber sehr zufrieden sein und beglückwünscht ihm nach dem Auftritt für das gelungene Konzert.
Achja, war da nicht noch was: Apropro Pechsträhne. Am Ende des Tages schließt sich der Kreis. Wir haben noch einen Energiedrink mit Himbeer-Geschmack in der Tasche auslaufen lassen. Dabei gingen zwei Pocket Wizards kaputt...
(Text: Mathes und Arek)
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