Interview

Raus aus der Masse

Interview mit Deaf Havana

Nach der eher mäßig besuchten Headliner-Tour 2010 waren Deaf Havana zuletzt mit Skindred zusammen unterwegs. Unter anderem in Köln, wo wir uns mit Sänger James zum Interview trafen. Der Frontmann der Band aus King’s Lynn, Norfolk (UK) wirkt erschöpft. Er entschuldigt sich am Anfang bereits, dass er etwas angeschlagen ist.

Deaf HavanaGETADDICTED: Ihr seid nach der Tour 2010 nun mit Skindred unterwegs. Wie kamt ihr zusammen und worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen der letzten und dieser Tour?
James: Mit Skindred auf Tour zu sein ist klasse. Sie bringen natürlich mehr Publikum in die Locations, denn hier in Deutschland gibt es noch nicht viele Menschen, die Deaf Havana kennen. Ich weiß gar nicht so recht, wie wir zusammen kamen… das machen ja meistens die Menschen im Hintergrund. Aus jeden Fall ist die Tour super.
GETADDICTED: Wer wäre denn dein Wunschkandidat für eine gemeinsame Tour?
James: Wenn ich mir jemanden aussuchen dürfte, wären das definitiv die Foo Fighters. Jimmy Eat World oder The Gaslight Anthem wären natürlich auch nicht schlecht. Eben Bands, die mir gefallen und die ich gerne höre.
GETADDICTED: Und zwar am liebsten wo?
James: Wir waren noch nie in Amerika, da würde ich wirklich furchtbar gerne mal hin. Eigentlich waren wir ja bisher nur mal hier und da in Europa. Australien ist bestimmt auch schön. Ich will die ganze Welt sehen! Das ist ein großer Vorteil, wenn man in einer Band spielt - man kommt viel herum. Deutschland gefällt mir wirklich sehr gut, ich bin gerne hier.

GETADDICTED: Ryan (Mellor, ehem. Sänger) verließ die Band 2010. In der offiziellen Erklärung hieß es, eine Neubesetzung seines Postens sei ausgeschlossen, stattdessen wurdest du der einzige Sänger. Warum?
James: Wir haben damals nach Ryans Ausstieg eine kleine Tour mit einem anderen Sänger gemacht. Das war zwar lustig, aber irgendwie hat es nie richtig „klick“ gemacht. Ich weiß nicht, wieso, da er ein guter Freund von uns ist. Daraufhin habe ich eben alleine gesungen, auch wenn das nicht so geplant war und ich eigentlich nie Frontmann sein wollte. Aufgrund der Situation bin ich da quasi rein geschubst worden. Aber ich glaube, dass ich die Sache ganz gut mache, auch wenn es manchmal echt hart ist.

 

"Ich bin nicht immer up to date"

GETADDICTED: Wie hat sich die Band seitdem weiter entwickelt?
James: Man kann uns schon beinahe als komplett neue Band bezeichnen. Unser Sound ist ganz anders geworden, nicht mehr ganz so hart wie die Songs, die wir vorher gemacht haben. Aber das ist genau das, was wir machen wollen. Die älteren Songs machen live sehr viel Spaß, aber für uns persönlich fühlt sich das neue Album viel richtiger an, und vor allem erwachsener.

GETADDICTED: Es heißt, du hast die neue Platte innerhalb von einer Woche geschrieben. Wie hast du das denn angestellt?
James: Ja, das habe ich tatsächlich! Ich hatte eine totale Schreibblockade und in einem Jahr ganze zwei Songs zusammen geschrieben bekommen, die aber totaler Mist waren. Ich wohnte in London, als ich anfing zu schreiben. Die Großstadt und die Menschen dort haben mich erdrückt. Ich hasse Menschenmassen, sie machen mir Angst. Ich hab mich in dieser Stadt wirklich gefangen gefühlt. Also bin ich zu meinen Eltern gefahren, die auf dem Land leben. Da kam auf einmal alles raus gesprudelt, so dass ich innerhalb einer Woche genug Songs für ein ganzes Album runter schrieb.

Deaf HavanaGETADDICTED: Was waren 2011 deine Lieblingsplatten?
James: „Bon Iver“ von Bon Iver fand ich ganz großartig, definitiv mein Favorit. Außerdem „World Record“ von Lower Than Atlantis, das Album war phänomenal. Ansonsten stehe ich eher auf ältere Musik, ich bin nicht unbedingt immer up to date.
GETADDICTED: Zum Beispiel?
James: „The Queen Is Dead“ von The Smiths, eigentlich alles von ihnen, ich liebe diese Band. Dann natürlich, klischeemäßig, „Nevermind“ von Nirvana. Dann noch „Post“ von Björk und alles Erdenkliche von den Smashin Pumpkins.

GETADDICTED: Jeder Mensch hat einen Song, den er mag, der einem allerdings wirklich peinlich ist. Welcher wäre deiner?
James: Da gibt es einen Song… von The Wanted - „Glad You Came“. Ich liebe diesen Song, aber das ist mir echt peinlich.

GETADDICTED: Mal angenommen, du hättest die Möglichkeit, den Soundtrack für einen Film zu machen. Welcher Film oder welche Art von Film wäre das?
James: Ich könnte mir gut vorstellen, dass es sich bei dem Film um einen Actionfilm handeln würde, mit viel Krach. Aber wenn ich mir einen bereits existierenden Film aussuchen könnte, dann wäre das „Into The Wild“. Der Film ist echt großartig, da hätte ich furchtbar gerne am Soundtrack mitgewirkt.

GETADDICTED: Eine letzte Frage: wenn Deaf Havana auf einer einsamen Insel stranden würden, wer wird zuerst gegessen?
James:  (lacht, kneift sich selbst an den Bauch) Definitiv ich, weil an mir am meisten dran ist!

 

(Interview: Tina Herschel)

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