Interview

Der Naja-Erfolg

Interview mit Jennifer Rostock

Nach der ganzen Tourerei im letzten Jahr legten Jennifer Rostock Anfang 2013 noch einen drauf und luden zur *_*-Tour. Zwei Konzerte (Dresden und Leipzig) musste die Band auf Anfang Februar schieben, da der Winter auch an Rockstars nicht spurlos vorbei geht und Jennifer, Joe und Baku krank die Kojen hüten mussten. Alex und Christoph nahmen sich dafür die Zeit, ein paar Fragen zu beantworten.

Jennifer RostockGETADDICTED: Ihr wart 2012 ziemlich viel unterwegs, seid jetzt schon wieder auf Tour und für den diesjährigen Festivalsommer habt ihr bereits einiges bestätigt...
Christoph: Ja, und im Idealfall nehmen wir zwischen der jetzigen Tour und dem Festivalsommer noch ein neues Album auf. Wenn alles glatt geht.
GETADDICTED: Ist denn schon irgendetwas fertig?
Christoph: Nein, kein Stück! (lacht) Aber wir haben uns schon feste Deadlines gesetzt und hoffen, dass wir vor dem Sommer schon einiges fertig bekommen.
GETADDICTED: Kann man sich also als Festivalbesucher schon auf neue Songs einstellen?
Christoph: Wir erwarten es auf jeden Fall von uns selbst und machen uns da auch untereinander ein bisschen Druck. Wie gesagt, im Idealfall kommen wir im Sommer schon mit neuen Songs auf die Bühne.

GETADDICTED: Das klingt doch auf jeden Fall sehr optimistisch! Kommt da nicht alles andere etwas zu kurz? Ihr habt doch neben Jennifer Rostock auch andere Projekte?
Christoph: Ja klar, jeder macht ja irgendwo ein bisschen was nebenbei. Alex ist mittlerweile Bar- beziehungsweise Galerie-Betreiber, ich mache meinen Grafikdesign-Kram und arbeite als DJ, Jennifer macht ihre eigene Modelinie, Joe schreibt Songs für andere Bands und Baku spielt ja noch bei Kotzreiz. Man muss sich also auf jeden Fall keine Sorgen machen, dass uns mal langweilig wird.

GETADDICTED: Machen wir doch mal einen kleinen Jahresrückblick auf 2012: Was war euer persönliches Highlight aus dem vergangenen Jahr?
Christoph: Hmm, was war denn letztes Jahr? (lacht)
Alex: Also ich würde sagen, wir hatten 2012 auf jeden Fall einen geilen Festivalsommer mit okayem Wetter. Es hat jedenfalls nicht die ganze Zeit geregnet.
Christoph: Das stimmt! Aber unser persönliches Highlight? Ach, wir haben ja diese Live-DVD aufgenommen! Das war geil.  Da haben wir uns auf jeden Fall einen kleinen Traum erfüllt, mit vielen Menschen, die wir gern haben und mit denen wir sehr gerne zusammen gearbeitet haben, einer Bar auf der Bühne... wir konnten das genau so umsetzen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Die Resonanz darauf, beziehungsweise der Erfolg... naja, der Erfolg wäre übertrieben, aber ich sag jetzt einfach mal Erfolg, der gab der Sache dann auch Recht.

GETADDICTED: Der Rückblick geht weiter: eurer Meinung nach der vielversprechendste neue Künstler aus dem letzten Jahr?
Christoph: Da würde ich ja sagen, meine Wiener Freunde von HVOB. Die hab ich 2012 ein paar Mal live gesehen und bin überzeugt davon beziehungsweise hoffe natürlich, dass man von denen noch einiges hören wird.

GETADDICTED: Euer Lieblingssong aus 2012?
Christoph: Auf alle Fälle „Call Me Maybe“! Jedes Mal wenn ich den Song gehört hab, machte sich sofort gute Laune breit. Das ist doch nun wirklich der geilste Popsong der letzten 30 Jahre. Oder so. (lacht)

GETADDICTED: Gabs auch einen Hass-Song?
Christoph: Ich setze mich eigentlich nicht unbewusst Musik aus. Radio höre ich eigentlich recht selten, und auf Musikplattformen bekommt man ja eigentlich immer nur vorgeschlagen, was zu einem passt. Aber im Zweifelsfall alles von Tim Bendzko.
Alex: Dem stimme ich zu!

GETADDICTED: Eure Top-Alben 2012?
Christoph: Herrjeh, das ist schwer. Ich hör so viel Musik, solche Fragen überfordern mich schnell... Auf jeden Fall fand ich das Frau-Potz-Album sehr gut.
Alex: Ich würde jetzt noch die Zeus-Platte vorschlagen. Aber das ist glaube ich eher so etwas, das man mal hört und geil findet, aber dann feststellt, dass sie klingen wie die Stones, nur eben jung. Nunja.
Christoph: Ich hab letztes Jahr unglaublich viel Hip-Hop gehört, mir fällt aber gerade kein besonderes Album ein. Ich sag mal: alle Platten, die nicht von Tim Bendzko waren! (lacht)

GETADDICTED: Das Unwort des Jahres 2012 lautet „Opfer-Abo“ (bezogen auf Kachelmanns Aussage, dass Frauen in der Gesellschaft ein „Opfer-Abo“ hätten). Euer persönliches Unwort 2012?
Christoph: Davon abgesehen dass wir das während der Tour und auf der Bühne die ganze Zeit sagen: YOLO!

GETADDICTED: Gerade im letzten Jahr gab es sehr viele Diskussionen zum Thema Urheberrecht; Stichwort GEMA. Eure Meinung dazu als Künstler?
Christoph: Manchmal ist das etwas schwierig, weil man von beiden Seiten mit der jeweiligen Propaganda beschossen wird und selbst dabei mit gefährlichem Halbwissen herum läuft. Ich hab mich relativ schwer getan damit, mir da eine Meinung zu bilden. Als die Sache mit den Clubbetreibern aufkam und den Gebühren, war ich zunächst absolut Kontra-GEMA. Prinzipiell würde ich sagen dass diese Institution etwas veraltet agiert und definitiv einer Reform bedarf. Gerade die Unterscheidung zwischen „ernsthafter Musik“ und „Unterhaltungsmusik“ und wer welches Stück vom Kuchen abbekommt. Ich finde es gut, dass es eine solche Institution gibt, aber nicht in der Form, wie sie jetzt existiert, als Monopol und derart unantastbar, wo keiner so recht weiß was da eigentlich passiert –
Alex: Ich glaube, die blicken da selbst nicht ganz durch...
Christoph: Diese PR, die da letztes Jahr betrieben wurde, war ja auch unsagbar schlecht, die sind ja mittlerweile schon unbeliebter als die GEZ.
Meine Meinung hier steht übrigens nicht für die der ganzen Band, ich glaube zum Beispiel Joe sieht das ganz anders. Ich jedenfalls finde die GEMA, so wie sie jetzt ist, doof. Vor allem als Liebhaber des Berliner Nachtlebens.
(Interview: Tina Herschel)

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