Konzert

Von Socken und Pupsen

Kimya Dawson live in Köln

Luxor // 12.07.2012

Der Film „Juno“ war 2007 ein voller Erfolg - nicht zuletzt durch seine musikalische Untermalung. Der Soundtrack zum Film erlange in den USA Goldstatus und erhielt sogar einen Grammy. Maßgeblich am Soundtrack beteiligt waren The Moldy Peaches, bestehend aus Adam Green und Kimya Dawson. Ohne Adam Green zu nah treten zu wollen: Am Abend des 12. Juli bestätigte Mrs. Dawson im Kölner Luxor, dass sie eindeutig das Hirn hinter den Songs der Moldy Peaches ist.

Kimya DawsonSchon am Eingang des Luxor merkt man deutlich, dass dieser Donnerstag kein gewöhnlicher Konzertabend wird: auf einen großen Stand mit viel Tamtam wird verzichtet, es werden Socken als Merchandise angeboten und Kimya Dawson persönlich sitzt an dem kleinen Tisch des Vorraums, unterhält sich mit den Besuchern und gibt Autogramme. Eine überaus sympathische Frau, noch bevor sie überhaupt auf der Bühne steht.


Als kleines Vorprogramm spielt ein junger Mann namens Pablo Das, der sich als enger Freund von Kimya vorstellt und mit Jeansweste, Cap und einer Ukulele die Bühne betritt, die er später durch eine abgewetzte und bestickerte Akustikgitarre eintauscht. Innerhalb der ersten zwei Songs hat er das teilweise sitzende Publikum im Griff, erzählt Geschichten zu seinen Songs, die vor allem von Gerechtigkeit und Liebe handeln.


Eine Umbaupause ist nicht nötig - denn auf der Bühne stehen kein Schlagzeug, keine Verstärker, E-Gitarren oder Bässe. Lediglich ein einziger Stuhl, auf dem eine mit Edding bekritzelte Westerngitarre liegt.


Kimya Dawson ist ein Anblick für sich: ihre zweifarbige, wilde Haarpracht wird  durch ein Turtles-Bandana im Zaum gehalten, die Tattoos auf ihrem Arm wirken, ähnlich wie die Kritzeleien auf der Gitarre, wirr und wie Kinderzeichnungen. Sichtlich nervös sitzt sie auf dem Stuhl auf der Bühne, einen Fuß auf dem anderen, die Augen geschlossen. Klimpert auf der Eddinggitarre, als hätte sie in ihrem Leben nie was anderes getan; singt mit einer Stimme wie von der Platte- und das, obwohl sie momentan mit einer Zyste an den Stimmbändern tourt. Zwischen den Songs erzählt sie kleine Anekdoten über ihre Tochter („Panda“, 6 Jahre alt), die schon jetzt ihre Reime zu Mamas Liedern beisteuert und ihr größter Fan ist. Gespannt lauscht immer noch teilweise sitzende Publikum im gut besuchten Luxor (Kimya: „Oh you can sit, I don’t mind“). Die Atmosphäre ist derart entspannt, dass nur noch ein Lagerfeuer für mehr Gemütlichkeit fehlt. Kimya zeigt sich als außergewöhnliche Wortakrobatin- singt in einer beeindruckenden Geschwindigkeit nicht nur die Zeilen der Songs aus „Juno“ wie „Tire Swing“ und „My Rollercoaster“, sondern auch das ein oder andere Lied aus ihrem Kinderalbum „Alphabutt“, vorwiegend über anale Ausdünstungen. Pablo gesellt sich gegen Ende des 1 1/2-stündigen Konzerts dazu, um zwei weitere Songs mit ihr zusammen zu singen.


Tosender Applaus, als Kimya und Pablo die Bühne verlassen. „You crazy germans, you never let anyone finish“ grinst sie und kommt für eine kurze Zugabe noch einmal hervor. Und auch direkt nach dem Auftritt steht sie wieder vorne am Tisch im Vorraum, macht Fotos, gibt Autogramme und verkauft Socken. Eine unglaublich sympathische Frau, die einen mit ihrer Stimme, ihren Texten und ihrer Art in den Bann zieht.


(Tina Herschel)

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