Konzert

Gyros/Pommes und des Pudels Kern

Captain Planet im Druckluft, Oberhausen // 24.11.2012

Archivfotos: Henning Haake

Fick dich, Stimmungsbremse Oberhausen, denk gerade ich mir, der sonst entweder vorne schräg links/rechts am Rand oder hinten beim Mischpult den Analytiker gibt. Captain Planet, dieser Tage allumfassend für ihr Drittwerk „Treibeis“ bebauchpinselt, erhalten im proppevollen Druckluft zunächst mehr Standing als Ovations. „Ich weiß nicht, was eure Entschuldigung ist, unsere ist Gyros/Pommes“, führt Gitarrist Benni die Lethargie in den eigenen Reihen auf das proteinreiche Bandessen zurück. „Land unter“ trifft es im übertragenen Sinne.

Es dauert ca. eine quälende Viertelstunde, ehe „Blattsport“ den Gletscher Publikum endlich bricht und das Eis zum Treiben bringt. „Viva allein“ hallt es bei „Pyro“ kollektiv durch das erste Drittel des Raums und die vordere Reihe hängt mehrfach halb überm Bühnenrand. Da das am Tag zuvor in Münster zu einem aufgeschlitzten Unterarm und Konzertabbruch geführt hat, bittet Benni sicherheitshalber um das Entfernen der Bierflaschen im Fallradius. Derlei lobenswerte Umsicht meint ein No-Future-Trottel in der Schmuddelecke allerdings mit einem völlig unnötigen „Heul doch“ quittieren zu müssen und bleibt für so einen Deppenspruch unverdientermaßen von einem Arschtritt vor die Tür verschont.

 

Im aufgeräumten Frontbereich geht es gemäß „Auftauchen um Luft zu holen“ Schulter an Schulter, aber gewiss nicht mit der Faust in der Tasche weiter. Die um Matulaner Basti erweiterten Kapitäne sind jetzt auf Temperatur und Sänger Arne läuft vor allem immer dann in Gänze zur Inbrunst auf, wenn er aufs Gitarrenspiel verzichtet und in den Shoutmodus wechselt. Viel zu früh das erste vermeintliche „Danke, das war es“, ehe der beste Punksong des Jahres abgeliefert wird. Dass ausgerechnet jenes „Gehwegflattern“ Labelvater Renke gewidmet wird, trifft wohl inhaltlich des Pudels Kern. Nach gut einer Stunde ist „Rambo“ an die Tanne gesprungen, die „Spreu vom Weizen“ getrennt und das „Baumhaus“ abgebrannt. Ein finaler „Wespenstich“ und Schluss.

 

Epilog: Liebe Menschen von Nepomuk, ihr seid mit eurem unaufgeregten Akustik-Sound ein sehr willkommener Auftakt gewesen. Werte Herren von Love A, jetzt mal ehrlich, ihr spielt und vor allem singt doch aus voller Absicht zwischendurch mal neben der Spur, um der eleganten Rotzigkeit noch den Eiter beizumischen. Geschätzte Grevenbroicher City Light Thief, wenn eure zukünftigen Songs ebenso gepflegt gelungen daherkommen, wie die Premiere von „Panica“, dann darf euer bühnenblinder Benjamin getrost weiterhin ein glücklicher Mensch bleiben.

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