Bitte, danke, weiter
Lemonheads im Luxor, Köln // 12.05.2012
Das Simon&Garfunkel-Cover von „Mrs. Robinson“ brachte 1992 den Durchbruch für die Lemonheads. Das, was 20 Jahre später von der Band übrig geblieben ist, soll das dazugehörige Album „It's A Shame About Ray“ nun live feiern – sprich: Evan Dando und seine aktuellen Söldner.
Als Support gibt’s 30 Minuten Skurriles: Der Sänger des Duos Swearing At Motorists sieht aus wie eine Pudelmischung aus frühem Lionel Richie und Wolle Petry ohne Armbänder. Der Drummer nimmt gerade Unterricht bei Meg White. Stempeln wir die Show unter „Unterhaltsam, aber nicht zwangsläufig absolut sehenswert“ ab.
Zur Feier des Tages, des Albums oder auch der frühen Neunziger trägt Evan Dando die Haare wieder lang und strähnig, so dass sie im düsteren Bühnenlicht im Kölner Luxor fast aussehen wie leicht verfilzt. Die Kommunikation mit dem Publikum beschränkt er auf ein Minimum: danke, bitte, nächster Song. Den Endzwanzigern bis Frühvierzigern im gut gefüllten Laden gönnt er nicht einmal einen Blickkontakt: Seine Augen richtet Dando entweder auf seine Füße, seine linke Hand oder an die Decke – hängt da vielleicht ein Teleprompter, der ihm die Texte zeigt? Der Mann, der in vielen Winkel der Drogenhölle als Reiseführer arbeiten könnte, galt noch nie als großer Entertainer, aber man wird den Eindruck nicht los, dass vor allem Leih-Drummer Chuck Treece hier deutlich mehr Spaß an der Performance hat.
Trotzdem feiern die Leute ihre Jugend und Songs wie „Bit Part“ und „Alison's Starting To Happen“ ordentlich ab. Vor der Bühne herrscht mehr Bewegung und Enthusiasmus als darauf. Zu „Frank Mills“ schickt Dando seine Musiker in den Backstage-Raum und schrubbt solo weiter – und da „Mrs. Robinson“ erst auf dem Re-Release des Albums erschien, lässt er den auch konsequenterweise aus. Stattdessen baselt Evan Dando durch ältere und neuere Songs, die er mal anspielt, dann wieder abbricht und woanders weitermacht. Dass irgendwann sogar das Licht auf der Bühne komplett ausgeht oder nur das verwaiste Schlagzeug leicht angestrahlt wird, könnte man als Kommentar des Lichtmanns verstehen. Diese Art der Performance mag eine über Jahre liebgewonnene Marotte geworden sein, aber gerade die großen Songs wie „It's About Time“ oder „Into Your Arms“ verdienen doch eigentlich mehr als eine so dahingeschluderte Darbietung. Zum Abschluss eines leicht durchwachsenen Abends gibt’s noch eine Gruppen-Performance als zweite Zugabe, bevor Evan Dando nach knapp 90 Minuten endgültig von der Bühne huscht – natürlich erst nach einem knappen „Danke schön“.
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