Konzert

Persistence Tour in Hamburg

Mit Ignite, Biohazard, Agnostic Front, Walls Of Jericho, Death By Stereo, Evergreen Terrace, No Turning Back

Docks, Hamburg // 06.12.2009, Fotos: Fred Flenner

An einem nasskalten Sonntagabend sitzt man eigentlich zu Hause im warmen und erholt sich vom Wochenende. Wenn allerdings die Persistence Tour in die Stadt kommt, gilt es noch mal, alle Energien zu bündeln und sich aufzuraffen. Und in Hamburg hatten richtig viele Lust auf ein sonntägliches Hardcore-Workout.

No Turning Back, Foto: Fred Flenner So war es im Docks auch schon zum Showbeginn von No Turning Back ganz gut gefüllt, allerdings eher im hinteren (Bar- und Raucher-) Bereich. Vor der Bühne klaffte erstmal ein großes Loch, welches eine handvoll Frühstarter nutzte, um sich zu den Klängen der Holländer aufzuwärmen; der Rest stand, typisch hanseatisch abwartend, aber durchaus interessiert, am Rand oder auf dem Balkon. 

 

Auch bei Evergreen Terrace änderte sich dieses Bild nur zögerlich. Schon etwas schade, dass die Jungs aus dem Sunshine State schon vor 19 Uhr auf die Bühne mussten, aber bei diesem Line up muss ja irgendwer den Anfang machen. Wenigstes zum Ende des 30-Minuten-Slots kam zu "Chaney can´t quite riff.." etwas Bewegung auf und Sänger Corey fand jenseits des Fotograbens ein paar textsichere Unterstützer.   Wieder einen kleinen Schritt weiter in Sachen Innenraumbefüllung ging es dann mit "No Shirts, no shoes, no salvation" und Death By Stereo. Obwohl (oder gerade weil?) die Kalifornier den wohl am wenigsten "tanzbaren" Sound des Abends lieferten, kamen die leute näher. Efrem Schulz am Mikrofon war nicht nur gewohnt agil, sondern fühlte sich sogar so wohl, dass er einem Fan aus der ersten Reihe, der scheinbar jeden Text auswendig kannte, mehrfach seine frischentflammte Liebe gestand.   Diese Herzenswärme wird es wohl nicht gewesen sein, die das Publikum endgültig zum Auftauen brachte. Schon eher die resoluten, aber charmanten Aufforderungen von Walls of Jericho-Frontfrau Candace Kucsulain an die gesamte Halle, sich im Pit zu beteiligen oder sich zumindest an seinem Standort nach eigenem Geschmack zu bewegen. Dass WOJ gut ankommen würden, war abzusehen, dass sie aber zum heimlichen Headliner wurden und die "alten Herren", die nachfolgen sollten, auf die Plätze verweisen würden war doch etwas überraschend. Vielleicht lag es auch daran, dass vom ersten Akkord an vor der Bühne Ausnahmezustand herrschte und bis zu "The American Dream" eine gute halbe Stunde lang auf beiden Seiten des Grabens alles gegeben wurde, so dass später dann nicht mehr genug Energie im Publikum war. Denn voll war es bei Agnostic Front auch weiterhin, allerdings lädt der Sound der New Yorker ja auch eher zum Mitgröhlen ein, als zu WOJ-mäßigen Monstermoshpits. Entsprechend viele Arme gingen dann auch während des gesamten Sets in die Luft, beim schon recht früh gespielten "Gotta go" dürfte die Zahl der Nichtmitsinger wohl ähnlich niedrig gewesen sein, wie der Anteil der konservativen Wähler im Stadtteil St. Pauli bei der letzten Bundestagswahl. Aus welchem New Yorker Stadtteil Biohazard stammen, dürfte wohl so bekannt sein, wie bei kaum einer anderen Band. Wer es trotzdem noch nicht wusste, konnte es auf Evan Seinfelds Bauch nochmal nachlesen, der zu diesem Zweck freundlicherweise direkt mit nacktem Oberkörper auf die Bühne kam. Neben "Punishment" und diversen anderen Klassikern zeigten Biohazard mit dem Dimebag Darrell gewidmeten Pantera-Cover "Mouth for War", dass sie auch richtig gute Musiker sind. Zudem wurden auch noch Bad Religion gecovert um zu zeigen, dass auch Legenden andere Bands bewundern. Nach über fünf Stunden Musik hatten dann Ignite die Aufgabe, den Abend, die Woche und die Tour abzuschließen. Und das meisterten sie souverän und schafften es, die letzten Reserven aus den vielen verbliebenen Zuschauern zu locken. Mit den (Halb-)Akustikversionen von "Live for better days" und "Slow down" gab es dann, während die neu Woche anfing, eine kleine Verschnaufpause; wer noch Luft hatte, konnte dann zu "Know your history" und "Bleeding" nochmal Gas geben. Bleibt nur zu hoffen, dass noch genug Kraft übrig blieb, um die letzte U-Bahn zu erreichen.

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