Review . CD

Eels

Wonderful Glorious

E Works / Cooperative Music

Womöglich eine gewagte These, doch man mag denken, dass das Eels-Ensemble um Mastermind E nicht unbedingt darauf aus ist, mit dem neuen Album „Wonderful, Glorious“ die eigene Hörerschaft groß zu erweitern. Denn der Opener „Bombs Away“ kommt so sperrig daher wie sonst nur ein Sofa im Stile Gelsenkirchener Barock.

Wer die gewohnte Erwartung an gediegenen Electro-Folk an den Tag legt, bekommt zunächst schleppendes Gedröhne serviert. Eigentlich ein eindeutiger Fall zum Ausschalten. Geduldigkeit zahlt sich beim zehnten Eels-Streich allerdings aus. Spätestens mit dem hypnotisierenden „Peach Blossom“ (Track vier) kehrt der Groove auf „Wonderful, Glorious“ ein und bereitet damit den Weg  für den im Anschluss folgenden Geniestreich „On The Ropes“.

 

Wie kaum ein anderer Singer/Songwriter versteht es E, Songs je nach Belieben und Stimmung traurig oder fröhlich klingen zu lassen. „The Turnaround“ erinnert in seiner whiskeygeschwängerten Atmosphäre durchaus an das Spätwerk eines Johnny Cash. Mit einer routinierten Leichtigkeit wandern Eels an Genregrenzen entlang, reichen etwa mit „Stick Together“ dem Funk die Hand.

 

Ab sofort werden Wetten angenommen, welches Liebesdrama sich der Ballade „True Original“ als musikalische Untermalung bedienen wird. Doch gerade hier zeigt sich auch, dass die Vielfältigkeit der Band durchaus ihre Tücken hat. Denn war man eben noch in Gedanken an die letzte gescheiterte Beziehung vertieft, reißt einem das großstädtische  „Open My Present“  arg grob aus dem Schwermutzustand. Damit bist du erstmal drei Songs aus der Spur geworfen.

 

Zum Ende verabschieden sich Eels mit dem Titeltrack standesgemäß großartig. Wobei, „Wonderful, Glorious“ wird sich wahrscheinlich erst dann in seiner ganzen Pracht entfalten können, wenn die Temperaturen es wieder zulassen, sich eine ganze Nacht lang auf einsamen Landstraßen bei heruntergelassenen Fenster den Fahrtwind um das linke Ohr wehen zu lassen.

Hörprobe

Eels - "Peach Blossom" from stereogum on Vimeo.

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