Blog

16.02.2013 12:15

Frei.Wild-Absage ein Bärendienst

With Full Force-Booking bleibt fragwürdig

„FREI.WILD. Gehasst und geliebt – das trifft es perfekt. Wir stehen für Toleranz, beteiligen uns nicht an Hexenjagden und freuen uns, Euch die Band zum Jubiläum erneut präsentieren zu können.“ Mit diesen Worten kündigte das With Full Force Festival am vergangenen Dienstag einen Line-Up-Zugang an, der ihm daraufhin ordentlich Gegenwind eingehandelt hat.

 

Drei Tage und einen medialen Wirbelsturm später hat die Band von sich aus Konsequenzen gezogen: „Wir wollen und werden keinesfalls die Existenz des Veranstalters und somit des Festivals aufs Spiel setzen“. Falsch! Die Existenz des Festivals hat der Veranstalter Inmove in dem Moment selbst aufs Spiel gesetzt, als er Frei.Wild gebucht hat.

 

Nicht etwa aus purer Naivität heraus, sondern bewusst kalkuliert, wie die Reaktion von Geschäftsführer Sven Borges auf die massive Kritik zeigt: „Nach der Hetzjagd der letzten Monate in sämtlichen Medien, was die Band Frei.Wild angeht, hat uns das nicht sonderlich überrascht.“ (Quelle: LVZ Online) Ansonsten hüllen sich die WFF-Verantwortlichen weitestgehend in Schweigen. Die Absage von Frei.Wild haben sie bis dato lediglich unkommentiert auf ihre Facebook-Seite kopiert, das Logo der Band ohne weitere Angaben vom Festivalplakat auf der Webseite gelöscht.

 

Frei.Wild hingegen stilisieren sich in ihrer Absage als Opfer: „Einer kleinen, aber effizienten Gruppe von Internet-Freaks ist es gelungen, einen sogenannten „Shitstorm“ (…) zu starten, der eine hektische Medienberichterstattung zur Folge hatte. Die Veranstalter des Festivals sind hierdurch dermaßen unter Druck geraten, dass sich Frei.Wild gezwungen sehen, ihren Auftritt aus freien Stücken abzusagen.“ Ob gewollt oder ungewollt, damit haben sie dem With Full Force noch einen Bärendienst erwiesen. Denn jetzt ist dem Festival nicht nur eine  zugkräftige Band verloren gegangen, sondern auch die Option, den angerichteten Schaden mit einer Ausladung Frei.Wilds ein Stückweit zu reparieren.

 

Für Präsentatoren (Visions, Festivalguide/Intro) und Sponsoren (Jägermeister/Tätowiermagazin) kann es in letzter Konsequenz eigentlich nur heißen, das Festival – ob mit oder ohne Frei.Wild – nicht mehr weiter zu unterstützen. Jägermeister hatte das geplante Sponsoring des Festivals mit Verweis auf sein Leitbild und die dazu gehörenden Werte „Weltoffenheit, Toleranz und Respekt“ gestoppt. Die Kräuterlikör-Marke und das With Full Force – s. Eingangszitat – definieren den Bergriff „Toleranz“ also offensichtlich sehr unterschiedlich.

 

Hinzu kommt, dass Inmove der Aufforderung von Jägermeister nicht nachgekommen ist, das Frei.Wild-Booking von sich aus zurückzunehmen. Festivalguide/Intro hatte erklärt, die eigene Präsentation ruhen zu lassen, weil sie das WFF nicht als „Tummelplatz rechtspopulistischen Gedankenguts sehen“ wollen. Fakt ist, diesem Anspruch wird man sicherlich nicht einfach automatisch gerecht, nur weil Frei.Wild jetzt ihren Auftritt abgesagt haben.

Zurück

Kommentare

*
*
Bitte addieren Sie 6 und 6.